Im Advent ist Hochsaison am Wolfgangsee

    3. Dezember 2012, 16:43
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    Der traditionelle Advent ist am Wolfgangsee beschlossene Sache. Region und Gästen tut das sichtlich gut. Eine Ansichtssache zeigt warum

    "Vor elf Jahren war im November in Sankt Wolfgang am Wolfgangsee und den umliegenden Gemeinden tote Hose. Da hatten alle Hotels, Restaurants und Geschäfte zu", erzählt Hans Wieser, Geschäftsführer von Wolfgangsee Tourismus. Das änderte sich schlagartig, als sich die Gemeinden Sankt Wolfgang, Sankt Gilgen und Strobl zum Wolfgangsee-Advent zusammenschlossen. Seither sind die Hotels an den vier Adventwochenenden (eigentlich sind es fünf, weil die Weihnachtsmärkte bereits eine Woche vor Adventbeginn eröffnet werden) nahezu ausgebucht. Eine Region, die bisher nur im Sommer von Touristen gestürmt wurde, kann nun auch im Winter reüssieren und die Hotels ganzjährig offenhalten. Das hat freilich auch für die Mitarbeiter erhebliche Vorteile.

    Ermöglicht wurde der Erfolg des Wolfgangsee-Advents durch die Privatinitiative ortsansässiger Unternehmer, die sich zu einem Verein zusammenschlossen, weil die jeweilige Gemeinde die Investitionskosten nicht allein stemmen konnte. Zwei Vorbedingungen gab es zu erfüllen: Die Gemeinde musste den Unternehmen (eines davon war das Hotel Weißes Rössl) während der Adventzeit das Marktrecht geben und die Betriebe bestanden darauf, autonom zu entscheiden, welche Produkte in den Standln angeboten werden. Diese gehören dem Marktverein, der auch die Ausschreibung für den Betrieb der Standln macht.

    Laut Wieser sei man sich von Beginn an schnell darüber einig gewesen, was man nicht wolle: "Wir wollten kein Jahrmarkt sein, bei uns gibt es nur eine streng limitierte Anzahl von Punschständen, keine Pommes frites, kein Langos und keine Bratwürste. Es gibt nur Sachen, die auch zum Advent passen". Daher war es nur logisch, dass von Beginn an klar war: "Wir wollen keinen Weihnachtsmann, bei uns kommt das Christkind."

    Die Auflagen werden streng überprüft, was dazu führt, dass man wahrlich noch traditionelle Weihnachtsmärkte erlebt, wo es herrlich nach Zimt, Äpfeln und Mandeln duftet. Geboten wird Kunsthandwerk in seiner besten Form, Bäckereien, Lebkuchen, Maroni, Suppen, eine Seifenmanufaktur und vieles mehr, was die Region zu bieten hat. Mit dem Schiff werden die Gäste von Sankt Wolfgang zu den Märkten in Sankt Gilgen und Strobl gebracht. Kinder bis 14 Jahre fahren in Begleitung eines Erwachsenen übrigens kostenlos.

    Hochsaison der Tannenbäume

    Der größte Adventmarkt ist in Sankt Wolfgang, wo der gesamte Ort mit hunderten Tannenbäumen, Fackeln und Laternen geschmückt ist. Die Standln haben von Donnerstag bis Sonntag offen. An den fünf Wochenenden werden bis zu 300.000 Besucher gezählt. Fazit: Der Advent mutierte für die Orte zur Hochsaison.

    Eines der weltweit bekanntesten österreichischen Hotels ist das Weiße Rössl am Wolfgangsee. Das Hotel, das einst untrennbar mit Helmut Peter (Exnationalratsabgeordneter, Exchef des Hoteliervereinigung) verbunden war, wird nun in der fünften Generation von seiner Tochter Gudrun und deren Mann, Oliver Trutmann-Peter, geführt - beide sind gelernte Touristiker. Heute nicht mehr selbstverständlich ist ihre Preisgestaltung: Pro Zimmerkategorie gibt es im Weißen Rössl nur einen Preis, egal über welchen Kanal gebucht wird.

    Neben dem Spa-Angebot, dessen Highlight ein beheizter Seepool und ein Whirlpool am See ist, hat Trutmann-Peter nun eine Fischzucht im Ort etabliert. Ab sofort werden die Hotelgäste zweimal wöchentlich in das neu errichtete Fischer-Haus chauffiert, wo sie die Rössl-Saiblinge ("Rösslinge") fangfrisch essen können. Dazu wird auch ein hervorragender Hauswein aus der Produktion von Franz Pichler aus der Wachau serviert. In Sachen frische Fische ist Oliver Trutmann-Peter übrigens vorbelastet: Er kommt aus einer Familie begeisterter Fischer vom Vierwaldstättersee in der Schweiz.

    Weil Sankt Wolfgang auch einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte Österreichs ist, gibt es die Möglichkeit (etwa mit dem Seniorchef Peter), den Pilgerweg von Regensburg nach Sankt Wolfgang zu gehen. Oder bloß mit dem Hotelbus nach Mondsee zu fahren, und dann entlang des Sees zu spazieren, über den Scharfling-Pass zum Europakloster Gut Aich. Zurück in Sankt Wolfgang, hat man immerhin eine sechs Stunden lange, aber wintertaugliche Wanderung in den Beinen. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Album, 1.12.2012)


    -> Hier geht's zur Ansichtssache.
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