Britische Journalisten zu Strasser-Prozess: "Keine Verhüllung gefordert"

    2. Dezember 2012, 19:17
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    Jonathan Calvert und Claire Newell widersprechen Richter und übermittelten Erklärung, warum sie am Montag nicht vor Gericht erscheinen

    London/Wien - Die beiden SundayTimes-Journalisten, deren heimlichen Filmaufnahmen das entscheidende Belastungsmaterial im Bestechlichkeitsprozess gegen den ehemaligen Innenminister und EU-Parlamentsabgeordneten Ernst Strasser bilden, haben nicht gefordert, völlig verhüllt in den Zeugenstand in Wien treten zu dürfen. Dies teilte der Reporter Jonathan Calvert am Sonntag in einem E-Mail mit.

    Calvert und seine Ex-Kollegin Claire Newell, die jetzt beim Daily Telegraph arbeitet, wollten demnach bloß sicherstellen, dass sie bei Gericht nicht gefilmt oder fotografiert werden und Bilder im Internet auftauchen. Dies sei notwendig, damit sie auch in Zukunft unerkannt recherchieren können.

    Eine solche Forderung sei vor britischen Gerichten nicht unüblich, sie wurde allerdings von der österreichischen Justiz zurückgewiesen. Calvert und Newell werden daher der Zeugenvorladung für Montag nicht folgen.

    Vorübergehend keine Kameras

    Sie hätten angeboten, entweder per Videokonferenz direkt mit dem Richter zu sprechen oder vor Gericht erscheinen, wenn vorübergehend keine Kameras zugelassen wären, sagte Calvell. Man sei stets zu voller Kooperation mit den Justizbehörden bereit gewesen. "Von 'Verhüllung' war in unseren Gesprächen mit der Staatsanwaltschaft und dem Gericht nie die Rede", hieß es im E-Mail.

    Calvell widersprach damit dem vorsitzenden Richter Georg Olschak, der die Zurückweisung der Bedingungen damit begründet hatte, dass ein verhüllter Zeugenauftritt in der österreichischen Rechtsordnung nicht vorgesehen sei, weil für das Gericht auch das Mienenspiel des Zeugen sichtbar sein müsse. Aussagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit sind hingegen möglich. Gefilmt und fotografiert wird in österreichischen Gerichtssälen grundsätzlich nicht während einer Verhandlung, sondern nur davor. (ef, DER STANDARD, 3.12.2012)

    Die Erklärung im Original: 

    "The Sunday Times has read reports in the Austrian press which suggest that our journalists Jonathan Calvert and Claire Newell (who now works for the Daily Telegraph) had asked to appear in "disguise" when giving evidence in the trial of Ernst Strasser, the former MEP. This is not correct and is probably due to a misunderstanding or mistranslation.

    The Sunday Times has given its full cooperation to the Austrian authorities who are prosecuting Herr Strasser. The newspaper has provided the prosecutors with all the relevant evidence including documents, emails and the unedited footage/recordings. Furthermore, the two journalists have provided detailed witness statements to the Austrian authorities and have been happy to answer questions from the prosecutors.

    Our lawyers asked the court if it could ensure that the journalists would not be photographed or filmed during the proceedings. This would not be regarded as unusual in the UK where photography and filming are not permitted in open court. The two journalists may have to work undercover in future and their ability to do so would be severely limited if their photographs were to appear on the internet. We were happy to speak directly to the judge via video link from London or in an open court room where filming was temporarily suspended. This request was not granted. "Disguise" was never mentioned at any point in our dealings with the prosecution team or court."

    • Am Montag geht der Prozess gegen Ernst Strasser in die nächste Runde.
      foto: epa/helmut fohringer

      Am Montag geht der Prozess gegen Ernst Strasser in die nächste Runde.

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