Die vielen historischen Brüche der Slowakei

Rezension2. Dezember 2012, 18:58
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Als der tschechischen Staatspräsident Václav Klaus kürzlich in Wien war, verwies er im Zusammenhang mit einem möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone - den er befürwortete - auf die Trennungsgeschichte der beiden Staaten Tschechien und der Slowakei. Am 1. Jänner 1993, vor also nur zwanzig Jahren, gingen die beiden Staaten auseinander, friedlich. Aus diesem Erfahrungsschatz, meinte Klaus sinngemäß, ließe sich einiges für Griechenland umlegen.

Nicht nur deshalb ist dieses Buch interessant, das die Autoren Hofbauer/Noack zeitgerecht zum Jubiläum vorlegen. Die Slowakei ist uns geografisch so nah, aber seine Geschichte ist uns nicht geläufig - und das liegt nicht nur am "Eisernen Vorgang" vergangener kommunistischer Zeiten. In dem nicht leicht zu lesenden Buch wird der geschichtliche Schwerpunkt auf das wechselvolle 20. Jahrhundert gelegt. Bis heute wird der Bogen gespannt, und es werden auch die Auswüchse der Finanzkrise behandelt.

Da werden Beginn und Ende des Tschechoslowakismus beschrieben, einer Strömung, die in der gemeinsamen Ablehnung der Habsburgermonarchie wurzelte. Der Nationalsozialismus und die Jahrzehnte des Kommunismus werden beschrieben. Sodann die Trennung, bei der sich der reichere, größere Staat Tschechien vielfach durchsetzte.

Jeder der Systembrüche des 20. Jahrhunderts brachte für die Bevölkerung Enteignung und Vermögensverschiebungen mit sich. Kein Wunder, dass es die Slowakei mit dem Verkauf von Staatseigentum, eigentlich kommunistischem Volksvermögen, in den 90er-Jahren langsam anging. Erst im Vorfeld zum EU-Beitritt und auf Druck der nach Ansicht der Autoren " neoliberal" gesinnten EU begann ein oligarchistischer Verkaufsturbo. Ausländische Konzerne und Banken eroberten das Land, der Flat Tax, von der man sich jetzt wieder verabschiedet hat, sei Dank. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 3.12.2012)

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