Ärzteprotest: Das Gegenteil bewirkt

Kommentar2. Dezember 2012, 18:18
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Die Ärzte haben das Vertrauen ihrer Patienten verspielt

Es reicht augenscheinlich nicht, dass die Bundesgesundheitskommission kürzlich mit nur einer Gegenstimme - und die kam wenig überraschend von der Ärztekammer - selbige zum sofortigen Stopp ihrer Kampagne aufgefordert hat, "um die Bevölkerung nicht zu verunsichern". Oder dass sich immer mehr Vertreter der Ärztekammer selbst kritisch über die drastische Plakataktion ihrer Standesvertretung äußern. Oder dass eine repräsentative Umfrage schwarz auf weiß belegt, dass die Ärzte das Vertrauen ihrer Patienten verspielt haben. Die Ärzte machen weiter - und schaden sich damit nur selbst.

Dass fast 90 Prozent der Bevölkerung kein Verständnis haben werden, sollten die Ärzte ihre Praxen am 16. Jänner tatsächlich zusperren, scheint bei den Initiatoren der Kampagne gar nicht im Bewusstsein anzukommen: Zusätzlich zu den geplanten Anzeigen wollen sie noch stärker aufs Gas drücken und noch mehr Inserate schalten. Suchbildrätsel sollen suggerieren, dass nach der Reform das AKH nicht mehr existiert, Rettungsautos fehlen oder eine Infusion verweigert werden könnte. Diese Angstmache als geschmacklos zu bezeichnen ist noch höflich.

Dabei geht die Rechnung der Ärztekammer gar nicht auf: Gerade ihre Kampagne hat die politischen Verhandler verschiedener Couleur so eng zusammengetrieben, dass sie bei der Gesundheitsreform offenbar so schnell zu einem Konsens kommen konnten. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 3.12.2012)

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