Weniger Staat bei EADS

2. Dezember 2012, 18:00
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Paris - Der Rüstungskonzern EADS will offiziell nichts bestätigen, doch Pariser Medien gilt es bereits als Faktum: Berlin und Paris sollen künftig je zwölf Prozent der Stimmrechte am Airbus-Mutterhaus EADS halten und Spanien gut fünf Prozent, berichtete Le Monde am Wochenende, der Rest von 70 Prozent in Streubesitz.

Die drei Staaten sollen über keinerlei Goldene Aktie oder andere Vetorechte mehr verfügen. Derzeit decken "nationale" Anteile rund die Hälfte des Kapitals: 22,4 Prozent Deutschland (über Daimler), 22,4 Frankreich und 5,4 Prozent Spanien. Laut Aktionärspakt von 1999 verfügte diese Minderheit über mehr als die Hälfte des (stimmrechtsfähigen) Kapitals.

Weniger Staatseinfluss

 

Nun soll also der Staatseinfluss abnehmen, wie es die EADS-Spitze seit langem wünscht. Anders in Deutschland, wo der Staat Anteile des Privataktionärs Daimler übernimmt und zwölf Prozent des Kapitals zeichnen soll - und so mit Frankreich gleichziehe, das noch 15 Prozent an EADS hält, aber drei in eine Stiftung ohne Stimmrechte "auslagern" werde.

 

Fraglich, ob die hohen Kosten von geschätzten 1,8 Milliarden Euro für den Direkteinfluss lohnen: Unter dem neuen Verteilschlüssel genügen die Staatsanteile nicht einmal kumuliert für eine Sperrminderheit. Maliziös weist nun Le Monde darauf hin, dass Berlin in der "neuen EADS" über weniger Stimmrechte verfüge, als ihr in dem maßgeblich von Kanzlerin Angela Merkel torpedierten Ensemble EADS-BAE zugestanden wären. Dank Paris dürfte EADS-Chef Thomas Enders - der für die Fusion eingetreten war - seinen Posten behalten. (brae, DER STANDARD, 3.12.2012)

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