Ab ins Reservat

Einserkastl |

Künstliche Intelligenz birgt für den Menschen Chancen wie Gefahren

Stanley Kubricks zu Verschlagenheit neigender Supercomputer HAL 9000 war noch Fiktion. Geht es nach Huw Price von der Uni Cambridge, wird die Menschheit aber bald schon tatsächlich mit künstlicher Intelligenz konfrontiert sein.

Das hätte viel Gutes, könnte aber unangenehm werden. Laut Price müssten derart überlegene Maschinen dem Menschen gar nicht feindlich gesinnt sein, um ihm dennoch zur Gefahr zu werden: Wenn die Dinger sich erst einmal selbst entwickeln und vervielfältigen können, wäre unsere weitere Existenz wohl keine Priorität der neuen Weltherren. Zur Veranschaulichung führt Price das Schicksal der Gorillas an - akut vom Aussterben bedroht, ohne aktiv von uns bekämpft zu werden. Nur ihren Lebensraum haben wir auf eine für sie unlebbare Art verändert. Ähnliches könnte uns auch blühen. Price fordert deshalb eine Einrichtung, die Gefahren neuer Technologien vor der Anwendung auslotet.

Klingt so weit vernünftig. Alternativ könnten wir immer noch hoffen, dass die Chefmaschinen dereinst einen ähnlich barmherzigen Ansatz wählen, wie unsereins beim Gorilla: Die letzten der Art würden in ein Reservat gesperrt, wo sie sich von den neuen Herren aufs Aufmerksamste bedienen und bemuttern lassen dürften. So ganz anders als das, was wir uns von der schönen neuen Welt erträumen, wäre das dann gar nicht - bis auf ein paar wesentliche Details halt. (Severin Corti, DER STANDARD, 3.12.2012)

Share if you care