Für Regionalexpress rollt der Rubel

2. Dezember 2012, 17:53
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Damit genug Züge ins Tullnerfeld fahren, bekommt die ÖBB doppelt so viel Subvention pro Kilometer wie ein zusätzlicher Zug von Wien nach Krems

Wien - Wenn kommenden Sonntag eine "neue Zeitrechnung auf der Weststrecke" beginnt, wie die ÖBB wirbt, dann gilt das nicht nur für Untertunnelung des Wienerwalds und Fahrzeitverkürzung. Neu ist auch eine ungewöhnlich hohe Abgeltung für Regionalzüge in Richtung des neuen Bahnhofs Tullnerfeld.

Die von den Ländern Niederösterreich und Wien beim ÖBB-Personenverkehr bestellten Regionalexpresszüge (REX) "neue Westbahn" vom Wiener Westbahnhof nach St. Pölten schlagen nämlich mit 39,96 Euro pro Zugkilometer zu Buche. Das geht aus dem Verkehrsdienstevertrag 2012 bis 2019 hervor, den die VOR GmbH in den nächsten Tagen mit der ÖBB abschließen wird. Sie gehört Wien, Niederösterreich und Burgenland und ist für die Bestellung von Nah- und Regionalverkehrsdienstleistungen bei Verkehrsträgern wie ÖBB im Verkehrsverbund Ostregion zuständig.

Allein der elf Kilometer lange Wiener Anteil für täglich zwei Rex-Zugpaare von der Landesgrenze bis zum Westbahnhof beträgt pro Jahr 439.581 Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie für die sechs Zugpaare nach Rekawinkel (Innere Westbahn "Neustruktur") pro Zugkilometer ausgegeben wird. Zum Vergleich: Für die 60 Züge, mit denen die Flughafenbahn S7 ab 2015/16 verdichtet werden soll, kalkuliert die VOR GmbH lediglich einen Kilometersatz von 8,31 Euro.

Verkehrsdienstevertrag

Aufschlussreich ist der Verkehrsdienstevertrag, der dem Standard in Teilen vorliegt, in mehrfacher Hinsicht. So wird der VOR GmbH bis 30. Juni 2013 das Recht eingeräumt (aber nicht die Verpflichtung überbunden), die ÖBB-Personenverkehr AG zu verpflichten, neues Schienenrollmaterial anzuschaffen, um die weiß-blauen S-Bahn-Garnituren und "CityShuttle"-Triebwagen zu ersetzen. Sie legt sich dabei auf elektrische Triebfahrzeuge fest, die 230 Sitzplätze haben sollen.

Dieses Merkmal ist insofern aufschlussreich, als ausschließlich der von der ÖBB zum Ankauf auserkorene Desiro ML von Siemens über bis zu 230 Sitzplätze verfügt. Alle anderen Hersteller bieten in Single-Deck-Zügen nur zwischen 184 bis 199 Sitze. "Eine klare Lex Siemens", nennt man diesen Zufall in der Branche, die den geplanten Kauf von hundert Desiro ML durch die ÖBB um 550 bis 600 Mio. Euro argwöhnisch beäugt.

Das neue Rollmaterial muss laut Verkehrsdienstevertrag "spätestens" drei Jahre nach Beauftragung auf Schiene sein. Dann erhöht sich die Subvention, die die ÖBB für das Regionalzugfahren bekommt von 2,279 Euro pro Kilometer im Jahr 2013 auf 2,642 Euro 2019. Werden zwei Züge zusammengehängt (Doppeltraktion) verdoppelt sich der Zuschuss zum Zuschuss. Für Auslastung wird auch gesorgt: Werden alte "4020er" -S-Bahnen ersetzt, muss VOR mindestens drei Millionen Zugkilometer bei der ÖBB kaufen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 3.12.2012)

  • Wien und Niederösterreich lassen sich das Zugfahren zum neuen Bahnhof 
Tullnerfeld etwas kosten. Die Zuschüsse für die ÖBB sind viermal so hoch wie für 
Kilometer zum Flughafen.
    foto: christian fischer

    Wien und Niederösterreich lassen sich das Zugfahren zum neuen Bahnhof Tullnerfeld etwas kosten. Die Zuschüsse für die ÖBB sind viermal so hoch wie für Kilometer zum Flughafen.

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