Mehrheit möchte Eurofighter zurückgeben

2. Dezember 2012, 17:49
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Umfrage zeigt langfristigen Imageschaden - Kein Vertrauen in Gegengeschäfte

Linz - Unter Experten ist es immer festgestanden: Der Eurofighter ist das beste Flugzeug, das für Österreich zur Verfügung gestanden ist - die Frage war eher, ob das Gerät nicht überqualifiziert ist, also mehr teure Komponenten hat, als man für reine Abfangjagd brauchen würde. Aber diese Ansicht hat sich in der Bevölkerung nie durchgesetzt.

Im Juli 2002, kurz nach der Typenentscheidung, meinten immerhin 22 Prozent, dass der Eurofighter das beste vergleichbare Flugzeug ist, weitere 22 Prozent glaubten das zumindest teilweise. Heute, nach mehr als fünf Jahren Eurofighter-Betrieb in Zeltweg, glaubt nur noch ein Drittel (elf Prozent völlig, 21 Prozent teilweise) an die technische Überlegenheit des Fluggeräts. Ältere und höher gebildete Befragte sind besonders skeptisch.

Im Auftrag des Standard hat das Linzer Market-Institut 400 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte gefragt: "Angenommen es gibt die Möglichkeit, die Eurofighter noch zurückzugeben. Sollte Österreich in diesem Fall von seinem Recht Gebrauch machen und die Abfangjäger wieder zurückgeben, oder wäre das aus Ihrer Sicht keine sinnvolle Lösung?" Darauf sagten 40 Prozent, es wäre das Allerbeste, den Eurofighter zu retournieren, weitere 29 Prozent neigen "eher schon" zur Rückgabe. Nur 24 Prozent sagen, dass man das eher nicht tun sollte.

Besonders die erklärten SPÖ-Anhänger, deren Partei seit Jahren die Rückgabe propagiert hat und 2007 einen Kompromiss (weniger Flugzeuge mit abgemagertem Leistungsumfang) geschlossen hat, sind für die Rückgabe.

Wie berichtet, meinen ja 95 Prozent der Wahlberechtigten, dass der Kauf nicht sauber gelaufen wäre. Im - auch in der Grafik ablesbaren - Vergleich der Umfragen von 2002 und aus der Vorwoche zeigt sich, dass das Image des Flugzeuggeschäfts nicht besser geworden ist und sich in einigen Punkten sogar deutlich verschlechtert hat.

78 Prozent sagen mehr oder weniger deutlich, dass Österreich keine Abfangjäger brauche. Und obwohl die Gegengeschäfte nach Berechnung des Wirtschaftsministeriums inzwischen weitgehend (und weit vor der vereinbarten Frist) abgewickelt sind, sind die Österreicher von deren wirtschaftlicher Sinnhaftigkeit weniger überzeugt als noch vor zehn Jahren. Nur jeder neunte Befragte glaubt daran.

Auch dem Bundesheer hat der Kauf in den Augen der Bevölkerung nicht genutzt: Nur neun Prozent sind überzeugt, dass das Fluggerät dem Heer internationales Ansehen verschafft. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 3.12.2012)

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