Glückwünsche an Haneke von ORF und Politik

2. Dezember 2012, 08:08

Schmied: "Wünsche mir Kraft und Optimismus für die Zukunft" - ORF erfreut über "Kino von Weltrang" - Mailath-Pokorny sieht auch Erfolg der Wiener Filmförderung

Valletta - Die Politik und der ORF haben sich noch am späten Samstagabend hoch erfreut über den Erfolg von Michael Haneke bei den Europäischen Filmpreisen 2012 in Maltas Hauptstadt Valletta gezeigt. "Es ist für mich sehr interessant, dass Österreich nicht nur jetzt stark war, sondern die Erfolge schon eine ganze Weile anhalten", freute sich Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ), die bei der Gala persönlich anwesend war: "Es braucht für Innovation und Kreativität einfach eine kritische Menge, und die hat Österreich mittlerweile. Das ist ein wirklich interessantes Phänomen, vor allem auch in Relation zur Größe des Landes."

Die allgemeine Stimmung bei der Europäischen Filmgala habe sie allerdings "ein bisschen retro" wahrgenommen: "Es sind durchaus ernste Themen vorrangig - und da ist der Film ja ein Spiegel der derzeitigen Entwicklungen in Europa. Aber ich wünsche mir da viel Kraft und Optimismus für die Zukunft und eine Vorwärtsorientierung."

"Kino von Weltrang"

Auch der in Malta an Ort und Stelle das Geschehen verfolgende Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) war mit dem Ergebnis der Gala zufrieden: "Mit seinem Drama 'Amour' über ein betagtes Musiker-Ehepaar auf seinem letzten Lebensweg hat Haneke ein filmisches Meisterwerk geschaffen, das mit erzählerischer Raffinesse und visueller Qualität beeindruckt." Er sehe in der Würdigung auch einen Erfolg der Wiener Filmförderung.

Und nicht zuletzt der ORF, der "Amour" im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanziert hat, zeigte sich in einer Aussendung erfreut über die Entscheidung in Valletta. Generaldirektor Alexander Wrabetz unterstrich: "Einmal mehr zeigt sich: Michael Haneke ist einer der bedeutendsten Filmregisseure unserer Tage - nicht nur in Österreich, sondern international." Auch Fernsehdirektorin Kathrin Zechner gratulierte: "Kino aus Österreich kann auch Kino von Weltrang sein, das zeigen viele Auszeichnungen, die österreichische Filme in den vergangenen Jahren bekommen haben." Beide sehen in der Würdigung auch einen Erfolg des Film/Fernseh-Abkommens.

ORF III wird am 5. Dezember um 00.35 Uhr mit der Sendung "ORF III spezial: Europäischer Filmpreis 2012" Highlights der Gala präsentieren.(APA, 2.12.2012)

 

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Der Gesang der Parasiten

Die Liste der Regisseurinnen und Regisseure sowie der Filme, die keine Preise erhalten können, weil sie gar nicht erst gefördert werden und daher nicht entstehen, folgt. So berechtigt und erfreulich Hanekes Auszeichnungen sind - die Geilheit, mit der sich nun alle möglichen und unmöglichen "Ermöglicher" an den Erfolg anhängen, ist schlicht unappetitlich.

Amour ist ein Produkt der französischen Filmindustrie

Nein, mir geht es da nicht um ein kleinliches chauvinistisches "haben WIR gewonnen", sondern
darum, dass dieser Film keine Wertschöpfug für die
ö. Filmindustrie bringt. Womit sich dieser Film stark von anderen Haneke-Filmen wie die Klavierspielerin,
Cache(beide entstanden in den Rosenhügelstudios) oder das weiße Band unterscheidet.
Darum haben hier ö. Politiker auch nichts ermöglicht. Dies sollte man sich vor allem dann in Erinnerung rufen, sollte dieser Film den Fremdsprachen-Oscar gewinnen.

P.S.
In der NY-Times Beilage gab es einen ausführlichen Artikel über Haneke. Als "Austrian Master of Cruelty" wird er da bezeichnet. Mitte Dezember startet dieser Film auch in den USA. Haneke ist heute so anerkannt
wie einst Bergman.

Ich stimme Ihnen voll zu, muss aber leider sagen, dass genau das passieren wird. Natürlich will sich der ORF der von Fernsehen und Filmen scheinbar keine Ahnung hat damit rühmen, dass Haneke ein Österreicher ist. Das Gute an der Sache ist, dass Haneke das nicht mit sich machen lässt. Ja, er gibt kein öffentliches Statement ab, aber wenn man seine Interviews sieht weiß man genau wie er zu dieser Sache steht. Gut, er gibt auch zu, dass es ihm nicht schadet, wenn man ihm plötzlich zu Füßen liegt, aber die echten Filmliebhaber wissen schon WER den Film gemacht hat, WER dafür verantwortlich ist und Wer einfach nur gerne mitgemacht hätte und erst zu spät zur Party dazu kam.

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