Europäischer Filmpreis 2012: Hanekes "Amour" als bester Film geehrt

1. Dezember 2012, 22:42
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Österreicher erhält zudem den Regiepreis, insgesamt vier Auszeichnungen für den Film

Valletta – Die große Gala des Europäischen Filmpreises 2012 auf Malta ist mit einem Triumph für den österreichischen Regisseur Michael Haneke zu Ende gegangen. Beim 25. Treffen der europäischen Kinoelite in La Valletta konnte er sich mit seinem sechsmal nominierten Werk "Amour" in den Kategorien Bester Film, Regie, Hauptdarsteller und Hauptdarstellerin durchsetzen.

Mit der Ehrung als Bester Film hat Haneke bereits zum dritten Mal für einen seiner Filme die Auszeichnung erhalten – nach "Das weiße Band" 2009 und "Cache" 2005. Er ist damit zum illustren Kreis von Gianni Amelio und Lars von Trier gestoßen, die beide ebenfalls je drei Siege für ihre Werke verbuchen können. Ebenso drei Siege kann Haneke nun in der Sparte als Bester Regisseur sein Eigen nennen – womit er in der Geschichte des Europäischen Filmpreises an der Spitze steht.

Ebenfalls prämiert wurde "Amour" mit den Auszeichnungen Bester Darsteller an Jean-Louis Trintignant und Beste Schauspielerin an Emmanuelle Riva. Damit blieb es für Margarethe Tiesel als Ulrich Seidls Hauptdarstellerin in "Paradies: Liebe" bei der Nominierung. Dafür hatte die in Graz wohnende Schauspielerin im Gegensatz zur erkrankten Riva Gelegenheit für ein Gespräch mit Moderatorin Anke Engelke – der die barbusige Performance der Schauspielerin einige Gelegenheit zu "breasttakend"en Sprachspielen bot.

Leer ging gleich zu Beginn des Abends auch der dritte österreichische Nominierte aus: Albert Sackl, der gegen 13 weitere Werke mit seinem 23-minütigen "Im Freien" in der Kategorie Bester Kurzfilm angetreten war, musste sich dem rumänischen Beitrag "Superman, Spiderman or Batman" des rumänischen Regisseurs Tudor Giurgiu geschlagen geben.

"This will be a Knight to remember"

Die Ehrung für zwei große Stars des europäischen Kinos hatte dagegen bereits im Vorfeld festgestanden. Michael Gambon überreichte seiner alten Freundin Helen Mirren ohne große Umschweife den Award für Verdienste um das europäische Kino, den die 67-Jährigen mit Tränen in den Augen entgegennahm. Zudem wurde der betagte Regiealtmeister Bernardo Bertolucci, der im Rollstuhl auf die Bühne geschoben wurde, für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Begonnen hatte die Jubiläumsausgabe der Europäischen Filmpreise mit einem Defilee der Stars über den Roten Teppich im Mediterranean Conference Centre, einem aus dem 16. Jahrhundert stammenden einstigen Krankenhaus des Johanniterordens an der Westspitze der Halbinsel von Valletta. So fanden sich letztlich gut 1.000 Zuschauer aus der Filmbranche im mit Malteserkreuzen dekorierten Saal, wobei sie bereits zum vierten Mal in Folge gewohnt humorvoll von Anke Engelke durch den Abend geführt wurden. Ihren Auftaktsauftritt erledigte die 46-Jährige in einer Ritterrüstung. "This will be a Knight to remember", so die Erklärung der Moderatorin. Im Anschluss begleitete sie die Gäste in launigen Verkleidungen und Showideen durch den 25. "The European Film Award" oder wie ihn die Amerikaner nennen würden "The What?".

Und schließlich gab es sogar ein wirkliches Happy End bei der Gala. Während seiner Dankesrede für die Auszeichnung mit dem Publikumspreis für die belgische Komödie "Come as you are" machte Produzent Mariano Vanhoof seiner Lebensgefährtin auf offener Bühne einen Heiratsantrag – der angenommen wurde. (APA, 1.12.2012)

Die wichtigsten Kategorien: Nominierte und Preisträger (fett hevorgehoben)

Bester Film:

  • "Barbara" von Christian Petzold (Deutschland)
  • "Liebe" von Michael Haneke (Österreich)
  • "Shame" von Steve McQueen (Großbritannien)
  • "Die Jagd" von Thomas Vinterberg (Dänemark)
  • "Cäsar muss sterben" von Paolo und Vittorio Taviani (Italien)
  • "Ziemlich beste Freunde" von Olivier Nakache und Eric Toledano (Frankreich)

Beste Schauspielerin:

  • Nina Hoss ("Barbara")
  • Emmanuelle Riva ("Liebe")
  • Kate Winslet ("Der Gott des Gemetzels")
  • Margarethe Tiesel ("Paradis: Liebe")
  • Emilie Dequenne ("A Perdre La Raison")

Bester Schauspieler:

  • Jean-Louis Trintignant ("Liebe")
  • Francois Cluzet und Omar Sy ("Ziemlich beste Freunde")
  • Michael Fassbender ("Shame")
  • Mads Mikkelsen ("Die Jagd")
  • Gary Oldman ("Dame König As Spion")

Bester Regisseur:

  • Michael Haneke ("Liebe")
  • Steve McQueen ("Shame")
  • Paolo und Vittorio Taviani ("Cäsar muss sterben")
  • Thomas Vinterberg ("Die Jagd")
  • Nuri Bilge Ceylan (Once Upon a Time in Anatolia)

Bestes Drehbuch:

  • Michael Haneke ("Liebe")
  • Tobias Lindholm und Thomas Vinterberg ("Die Jagd")
  • Olivier Nakache und Eric Toledano ("Ziemlich beste Freunde")
  • Cristian Mungiu ("Beyond the Hills")
  • Roman Polanski und Yasmina Reza ("Der Gott des Gemetzels")

Beste Kamera:

  • Darius Khondji ("Liebe")
  • Sean Bobbitt ("Shame")
  • Bruno Delbonnel ("Faust")
  • Gökhan Tiryaki ("Once Upon a Time in Anatolia")
  • Hoyte Van Hoytema ("Dame König As Spion")

Weitere Preise:

  • Bester Schnitt: Joe Walker ("Shame")
  • Bestes Filmmusik: Alberto Iglesias ("Dame König As Spion")
  • Beste Ausstattung: Maria Djurkovic ("Dame König As Spion")
  • Bester Dokumentarfilm: "Winternomaden" von Manuel von Stürler
  • Bester Animationsfilm: "Alois Nebel" von Tomas Lunak
  • Bester Debütfilm: "Kauboy" von Boudewijn Koole
  • Bester Kurzfilm: "Superman, Spiderman or Batman" von Tudor Giurgiu
  • Publikumspreis: "Come as you are" von Geoffrey Enthoven
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    Gala im Mediterranean Conference Centre.

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    Michael Haneke darf sich einmal mehr über Filmpreise freuen.

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