Die Richtungsentscheidung der Grünen

Kolumne | Hans Rauscher, 30. November 2012, 19:24

Die Entscheidung nach links zu treffen ist das gute Recht der Grünen

Eva Glawischnig hat im STANDARD-Interview für die Nationalratswahlen ein Ziel von 15 Prozent vorgegeben. Das wäre ein Zuwachs um fast 50 Prozent - und würde doch nicht für eine Koalition mit der SPÖ reichen (außer die nimmt einen gewaltigen Aufschwung, wovon eher nicht auszugehen ist). Mit der ÖVP wollen die Grünen im Bund ausdrücklich nicht koalieren, aber auch das würde sich nicht ausgehen.

Eine Regierungsbeteiligung wäre trotzdem drin, wenn SPÖ und ÖVP zusammen keine Mehrheit zustande bringen und einen dritten Partner brauchen. Freilich müsste man sich dann in der ÖVP fragen, ob man sich wirklich zwischen zwei linken Parteien einklemmen lassen will. Denn die Grünen haben sich entschlossen, eine prononciert linke Partei zu sein: im erwähnten Interview sprach sich Glawischnig für eine Grenze von 500.000 Euro aus, ab der eine Vermögenssteuer fällig wird (die SPÖ redet von einer Million). Das wäre etwa der Gegenwert einer 100-m2-Eigentumswohnung in guter Lage; die Wiener Grünen unter Vassilakou wollen den Markt beim Mietrecht praktisch ausschalten.

Diese Entscheidung nach links zu treffen ist das gute Recht der Grünen. Sie sind aus etlichen anderen Gründen wählbar: Wer Eintreten für Umweltfragen schätzt (Vassilakou will den umstrittenen Autobahntunnel unter der Wiener Lobau verhindern); wer es für unerträglich hält, wie die anderen Parteien mit der Ausländerfrage umgehen; wer politische Sauberkeit und Aufdecker-Potenzial wünscht; und schließlich wer eine verlässliche Wächterrolle gegen rechtsextreme Tendenzen schätzt, findet das nur bei den Grünen. Die Namen Peter Pilz, Gabriela Moser und Karl Öllinger stehen für diese beiden zuletzt genannten Themen. Es wäre schade, würde etwa Öllinger, der die rechte Szene scharf unter Beobachtung hält, bei der Aufstellung der Bundesliste an diesem Samstag nicht mehr auf einen wählbaren Platz kommt.

Die Ausrichtung der Grünen nach links in der Steuerpolitik, die im Grunde eigentumsfeindlich und auch rein praktisch nicht gerade gut durchdacht ist, verbaut wahrscheinlich etliche Wahlchancen bei eher bürgerlich-liberalen Wählern. Das Wählerpotenzial der Grünen ist so strukturiert, dass man auch auf dieses Segment Rücksicht nehmen sollte - geschieht aber nicht. Das muss nicht, kann aber bedeuten, dass es sich mit einem kräftigen Zuwachs wieder nicht ausgeht. Die Grünen kämen dann wieder nicht so recht vom Fleck, was wohl zu Selbstzweifeln und vielleicht sogar zu einer Personaldebatte führen könnte.

Jedenfalls werden die Grünen in der jetzigen politischen Landschaft nach wie vor gebraucht. SPÖ und ÖVP sind müde und ausgelaugt, weiter rechts tummeln sich die FPÖ, Stronach und das BZÖ, von denen keine vernünftige Politik zu erwarten ist. Andere, noch ganz kleine Bewegungen sind schwer einschätzbar.

Die Situation müsste an sich günstig für die Grünen sein. Aber irgendetwas, irgendein neuer Impuls muss noch kommen, wenn sie Glawischnigs 15 Prozent erreichen wollen. (Hans Rauscher, DER STANDARD, 1.12.2012)

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bildungskarenz

für rauscher. mal abstand nehmen, durchatmen. kann wunder wirken.

und an die andere seite: wenn alle die, die immer klagen

die grünen wären zu angepasst, zu brav, zu kapitalismusfreundlich, zu bürgerlich, zu systemkonform etc etc pp, WENIGSTENS konsequent kpö wählen würden dann könnten sich zumindest lokal und regional schon rot-rot-grüne koalitionen ausgehn.

Grüne zu Kapitalismusfreundlich ?

Wer behauptet sowas, Walter Baier ? Die Grünen haben mit Kapitalismus soviel am Hut wie mit Privateigentum, Eigenverantwortung oder direkter Demokratie.

Ich kenne inzwischen schon einige, die genau das tun werden.

??

in Wien ?

Doch doch, mehr als man glauben möchte.
Was für attraktive Alternativen gibts denn?
Selbst Leute, die ich nicht einmal links eingeschätzt hätte, tendieren bereits in diese Richtung.

Genosse Michi

wird das mit Freuden hoeren. So wird er die Gruenen los u. kann wieder alleine regieren

Schlechter kann das auch nicht mehr werden.

und ich dachte,

sie haetten die 60 durchweht, wett ma, dasz es schlechter werden kann

Sie wollen also die derzeitigen Grünen in der Stadtregierung behalten?

die entsorgen sich

ohnedies von selbst aber man musz dem Haeupl nicht zusaetzlich einen Gefallen tun

Wem denn?
Der Stenzl?

Doch doch, mehr als man glauben möchte.
Was für attraktive Alternativen gibts denn?
Selbst Leute, die ich nicht einmal links eingeschätzt hätte, tendieren bereits in diese Richtung.

naja

vermutlich kennst du einige die sagen dass sie das tun werden. machen sies dann auch wirklich, oder wählens dann doch weiss oder spö oder gar nicht?

Woher soll ich das wissen, es sind ja geheime Wahlen.
Ich weiß auch nicht, ob du hier nicht nur negative Stimmungsmache betreibst und blau wählst.

wäre ich blauwähler

würd ich gar nicht auf so eine ausgebuffte false-flag-taktik kommen :-)

Mag sein, aber vielleicht gibts ja Söldner.

die haben nicht soviel geld

um sich mich leisten zu können

Dabei klingst du eh so billig...

der war sogar für deine verhältnisse a bissl tief :-)

wenn auch zugegebenermassen aufglegt :-)

Wollte ich wirklich tiaf sein, hätte ich weit Effektiveres auf Lager.

sooo tief ? Gnädige sind gar keine Gnädige ? ? ?

da bete einer um die

Erhoehung seiner Sozialhilfen ?

Also die Kommunisten die ich kenne verdienen allesamt recht gut.

Dass ist kein Wunder - wenn man jahrzéhntelang den Kapitalismus studiert,

weiß man am Ende besser las das Kapital, wie er funktioniert.

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