Wirtschaftlicher Druck stärker als politischer

  • Das Podium bei der Eröffnung des 6. Mediengipfels am Arlberg.
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    Das Podium bei der Eröffnung des 6. Mediengipfels am Arlberg.

Erste Ergebnisse einer Studie über Mediensituation in 14 Staaten

Lech - Der Medienwissenschafter Matthias Karmasin ist an der Erstellung einer Studie über die Mediensituation in insgesamt 14 Länder beteiligt, die nächsten Sommer der EU-Kommission vorgelegt werden soll. Beim Mediengipfel in Lech präsentierte der Medienökonom erste Schlussfolgerungen: Wirtschaftlicher Druck wird von Journalisten als weit höher angesehen als der politische - mit Ausnahme von Italien. Dieser Druck beeinträchtigt journalistische Qualität nachhaltig. Und Regelungen in den einzelnen Medienhäusern sind der effektivste Weg der Selbstregulierung - also Leseranwälte, Corporate-Governance-Vorschriften und Fehlermanagement.

Bei der Diskussion unter der Leitung der Generalsekretärin des Presseclubs Concordia, Astrid Zimmermann, war auch die Situation in Ungarn Thema. Daniel Mayer, der für deutschsprachige Medien arbeitet, betonte: "In Ungarn gibt es sehr wohl politischen Druck." Dies führe dazu, dass sich der Anteil der Nachrichten in den führenden Medien des Landes halbiert habe. Der Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung, Charles Ritterband, ging sogar so weit, von "manipulierten Medien" in Ungarn zu sprechen.

Defizite

Mit Blick auf die Regierung Viktor Orbáns zweifelte die grüne EU-Abgeordnete Eva Lichtenberger daran, ob Selbstregulierung der richtige Weg sei. Wegen des Widerstandes der Volkspartei in den europäischen Gremien hätte die EU im Falle Ungarns "die Zähne nicht ausfahren können".

Defizite ortete Karmasin aber auch in Österreich. "Es gibt Politiker, die Medienpolitik mit der Optimierung ihrer Darstellungsmöglichkeiten verwechseln." Für ihn ist eine "regulierte Selbstregulierung" der richtige Weg. "Der Gesetzgeber fördert und fordert Selbstregulierung", beschreibt er die Aufgabe der Politik.

Er warf der EU-Kommission vor, nicht aktiv genug zu sein, etwa im Bereich der Medienkonzentration. "Warum schaut sie da nicht hin?" Es müsse überdies das Prinzip durchgesetzt werden, Inserate oder Presseförderungen nur Medien zu geben, die sich dem Presserat unterwerfen. Es gehe "nicht um Subventionierung einer notleidenden Branche", sondern um die Sicherstellung "der Infrastruktur der Demokratie". (afs, DER STANDARD, 1./2.12.2012)

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