Ein Lob dem Singledasein

30. November 2012, 18:25
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Eine Scheidung kann man auf zweierlei Arten verarbeiten

Eine Scheidung kann man auf zweierlei Arten verarbeiten: heulen, trauern, weil alles kaputt und das Leben eigentlich vorbei ist. Oder mit Augenzwinkern und Sarkasmus. Die ZDF-Komödie Ein vorbildliches Ehepaar, die Adaption eines französischen TV-Films, versuchte es am Donnerstagabend mit Zweiterem.

Zwei Ehen sind am Ende: die der Ellermanns (Heino Ferch, Sophie von Kessel) und der Bergers (Uwe Ochsenknecht, Annika Kuhl). Da Herr Berger zwar über eine Riesenportion an impertinentem Macho-Charme verfügt, finanziell aber mittellos ist, zieht er kurzerhand beim sensiblen Herrn Ellermann ein.

Dort entsteht der Plan, dass ein jeder bei der Frau des anderen herausfinden soll, ob es nicht doch eine zweite Chance geben könnte. Was folgt, ist eh klar: Man verliebt sich kreuzweise, die ungleichen Männer aber verheimlichen das in ihrer Wohngemeinschaft voreinander. Das hätte so manch heitere Szene und lustigen Dialog ergeben können. Hätte ...

Leider kommen die Dialoge kaum in Schwung, die Handlung ist zudem vollkommen absehbar. Dazu irrlichtert noch Mutter Ellermann durchs Bild und glaubt, ihr Sohn in der Männer-WG sei schwul geworden. Indiz dafür: Er hat schon als Kind lieber mit Puppen als Fußball gespielt und besitzt ein blassrosa Hemd. Herrje.

Am Schluss kommt es, wie es kommen muss: Alle vier erkennen, dass sie sich eigentlich in der ursprünglichen Ehepaar-Formation am allerliebsten haben und es daher noch einmal miteinander versuchen wollen. Das alles ist nicht locker-leicht, sondern so derart hausbacken, dass man zur Erkenntnis kommt: Das Singledasein nach einer Scheidung ist nicht die schlechteste Lösung. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 1./2.12.2012)

  • Heino Ferch und Sophie von Kessel in "Ein vorbildliches Ehepaar".
    foto: zdf

    Heino Ferch und Sophie von Kessel in "Ein vorbildliches Ehepaar".

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