Ein Massenchor und die "Gewalt der Musik"

30. November 2012, 17:56
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Jubiläumskonzert zum 200. Geburtstag der Gesellschaft der Musikfreunde

Wien - Es kam also punktgenau am 29. 11. zum Jubiläumskonzert aus Anlass des 200. Geburtstags der Gesellschaft der Musikfreunde. Und wollte man spekulieren, wer am glücklichsten war, im Musikverein zu sein, so käme man unschwer auf Kulturministerin Claudia Schmied. Bei jenem dem Konzert vorauseilenden Festakt wirkte sie recht euphorisch, lobte die "Kraft der Musik" und erklomm mit den appellartigen Worten "Vorwärts, dass es weitergeht!" den Gipfel der Bestlaune.

Nachdem Bundespräsident Fischer, Kulturstadtrat Mailath-Pokorny, Intendant Thomas Angyan und Thomas Oliva (Präsident der Gesellschaft) gesprochen hatten, betrat auch Staatsopern-Musikchef Franz Welser-Möst das Rednerpult. Mit zartem Ernst verwies er darauf, dass es nicht lange, Kultur zu pflegen, zu verwalten. Es gelte, Kreativität zu fördern - und sie erwüchse dort, wo "keine Selbstzufriedenheit" herrsche.

Sehr passend (nicht nur im Zusammenhang mit obiger Formulierung), dass Nikolaus Harnoncourt, ein ewig Interessierter, die Aufführung von Händels Timotheus oder die Gewalt der Musik dirigierte, erklärte und schließlich massenhaft organisierte. Zu dem gut disponierten Concentus (in Übergröße), dem formidablen Singverein und den gediegenen Solisten (Roberta Invernizzi, Werner Güra, Gerald Finley) gesellte sich nach der Pause ja Publikum.

Ausgestattet mit Noten, sang es "Brich die Bande seines Schlummers ...", um Gerald Finley (als Alexander) zu wecken, was ganz gut gelang - auch mithilfe von Bariton Thomas Hampson und Dirigent Martin Haselböck, deren Stimmen hilfreich aus der Sangesmasse ragten.

Sehr passend: In gewissem Sinne war damit schließlich für einige Takte jene Opulenz hergestellt, die am 29. November 1812 in der Wiener Hofreitschule geherrscht hatte, als die Gesellschaft der Musikfreunde ihr Gründungskonzert mit etwa 640 Musikern abhielt. Mit ebendiesem etwas soliden Werk selbstredend, Händels Kantate von der "Gewalt der Musik".   (Ljubisa Tosic, DER STANDARD, 1./2.12.2012)

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