Super-G: Weltcupsiegers Lust und Last

30. November 2012, 17:37
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Marcel Hirscher fährt seinen ersten Super-G in Beaver Creek. Das Speedrennen auf der Birds of Prey ist ein weiterer Schritt des Salzburgers hin zum Allrounder. Die starke Konkurrenz erfordert es.

Beaver Creek - Der dritte Rang im Super-G beim Schladminger Finale sicherte Marcel Hirscher in der Vorsaison im Duell mit dem Schweizer Beat Feuz letztendlich den Gewinn des Gesamtweltcups. Um die große Kristallkugel zu verteidigen, muss der 23-jährige Salzburger in dieser Saison einen weiteren Schritt in Richtung Allrounder setzen. Das ist, wie das Beispiel Beaver Creek zeigt, ein aufwändiges Unterfangen. 600 Kilogramm Material, darunter 36 Paar Ski, reisten mit Hirscher nach Colorado, wo Samstag, der zweite Super-G und am Sonntag der zweite Riesentorlauf des WM-Winters steigt.

Zwei Servicemänner sind für Hirscher abgestellt, während Vater Ferdinand wegen Flugangst nicht nach Übersee zu reisen pflegt. Sieben Schneetage bei nur zwei Tagen Pause hatte Hirscher in Colorado eingeplant, dazu zwei Test-Riesentorläufe in Aspen. "Es war anstrengend, aber aufschlussreich. Hier herüben Rennen zu fahren ist Goldes wert. Das Ganze ist ein riesengroßes Puzzlespiel, das man zusammensetzen und bei dem man den Überblick behalten muss."

Das verstärkte Speed-Training habe auch Schattenseiten. "Im Slalom fehlen mir deshalb acht Trainingstage, und gerade da drängen viele Junge brutal nach", sagt Hirscher, der umso mehr Athleten wie Aksel Lund Svindal und Ivica Kostelic bewundert, die alle Disziplinen bestreiten. " Ich ziehe den Hut vor ihnen."

Dennoch wagt Hirscher die Aufnahme des Super-G als dritte Disziplin, allerdings war er sich seines ersten Starts in Beaver Creek bis zum Schluss nicht völlig sicher. "Wenn es richtig schnell wird, ist das nichts für mich. Da fehlen mir die Kilometer." Schon mache das Projekt Super-G sehr viel Spaß, aber: "Es kann auch nach hinten losgehen. Ich bräuchte eigentlich ein ganz anderes Sommertraining, aber dann könnte ich meine Haxn im Slalom nicht mehr derheben."

In den Himmel gelobt

Für die Konkurrenz ist der Titelverteidiger natürlich der hohe Favorit auf den Gesamtweltcup, zumal ja Feuz wegen gesundheitlicher Probleme ausfällt. Besonders Svindals Understatement amüsiert Hirscher: "Schön, jetzt fängt die ganze Diskussion noch einen Monat früher an, obwohl noch hundert Rennen ausstehen. Er schiebt's auf mich, und ich schieb's auf ihn."

Zumindest was den Super-G in Beaver Creek betrifft, kann Svindal, der in Lake Louise Abfahrt und Super-G gewann, nicht leicht für Hirscher und gegen sich selbst argumentieren. Dass in Burkhard Schaffer ein Österreicher den Kurs setzt, muss für den Norweger kein Nachteil sein. Der neue Speed-Chef des ÖSV kann schon wegen der eigenen Mannschaft nicht einseitig für oder gegen die jeweiligen Spezialisten setzen. Klaus Kröll und Max Franz hoffen auf einen schnellen Super-G, engere Kurven würden neben Hirscher und Benjamin Raich auch dem US-Star Ted Ligety frommen. Ligety hatte schon in Kanada als Vierter groß aufgezeigt.

"Der Super-G ist und bleibt eine Speed-Disziplin", sagt Schaffer. Fix ist, dass das Rennen mindestens 37 Richtungsänderungen haben wird, denn das schreibt das Regelwerk auf diesem Gelände vor. Vor zwei Jahren hatte das Rennen 39, vergangenes Jahr nur noch 38. Schaffer: "Es kann am Samstag jedenfalls keinen Riesentorlauf geben." Ohnehin nimmt sich Renndirektor Günter Hujara das Recht, zu einseitige Kurse korrigieren zu lassen. (APA, red, DER STANDARD, 1./2. Dezember, 2012)

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    "Hier herüben Rennen zu fahren, ist Goldes wert", sagt Hirscher vor seinem ersten Super-G in Beaver Creek.

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    Im letzten Super-G der Vorsaison ist Marcel Hirscher über sich hinausgewachsen. In dieser Saison wird sein Projekt Allrounder mit großem Aufwand fortgesetzt. Auf dass ein Podestplatz wie im März in Schladming nicht die Ausnahme bleibe.

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