Die Verschmutzer müssen zahlen

Kolumne | Jeffrey Sachs
30. November 2012, 17:18

Die Macht globaler Konzerne ist in der Regel so groß, dass viele ungestraft verheerende Umweltschäden anrichten

Als BP und seine Bohrpartner 2010 die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko verursachten, verlangte die US-Regierung, BP müsse die Säuberungsmaßnahmen bezahlen, zudem jene entschädigen, die Schäden erlitten hatten, und Strafen für die Gesetzesverstöße zahlen, die zu der Katastrophe geführt hatten. Inzwischen hat sich BP bereits zur Zahlung von mehr als 20 Milliarden US-Dollar an Wiedergutmachungen und Strafen verpflichtet. Auf Grundlage eines vergangene Woche geschlossenen Vergleichs wird BP jetzt die höchste Geldstrafe in der Geschichte der USA zahlen - 4,5 Milliarden Dollar.

Dieselben Standards für Umweltsanierungen müssen für globale Konzerne gelten, die in den ärmeren Ländern agieren. Ihre Macht ist in der Regel so groß, dass viele ungestraft gegen die Gesetze verstoßen und verheerende Umweltschäden anrichten, für die sie kaum oder gar nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Mit Eintritt in eine neue Ära nachhaltiger Entwicklung muss sich Straflosigkeit in Verantwortung verwandeln.

Nigeria ist das Musterbeispiel dafür, wie Konzerne ungestraft die Umwelt schädigen. Seit Jahrzehnten produzieren viele große Ölgesellschaften, u. a. Shell, ExxonMobil und Chevron, Öl im Nigerdelta, einem ökologisch fragilen Gebiet aus Sumpfwäldern, Mangroven, flachen Regenwäldern und der Küste vorgelagerten Barriere-Inseln. Dieses fruchtbare Gebiet ermöglicht eine bemerkenswerte biologische Vielfalt - oder tat es, bevor die Ölgesellschaften es entdeckten. Die im Delta tätigen globalen Konzerne haben seit Jahrzehnten ohne Rücksicht auf die Umwelt Öl auslaufen lassen, Erdgas abgefackelt und die örtlichen Gemeinwesen durch ihr Handeln in Armut gestürzt und vergiftet. Eine Schätzung setzt die Gesamtmenge des in den letzten 50 Jahren ausgetretenen Öls bei etwa zehn Millionen Barrels (je 159 Liter) an - doppelt so viel wie im Falle von BP.

Die Sanierung des Nigerdeltas wäre das bestmögliche Beispiel für ein neues Zeitalter der Rechenschaftspflicht. All die großen Ölgesellschaften sollten vortreten und helfen, die notwendigen Sanierungsmaßnahmen zu finanzieren.

Es geht dabei auch um die Verantwortlichkeit der nigerianischen Regierung selbst. Es ist ermutigend, dass sich in jüngster Zeit mehrere nigerianische Senatoren für Bemühungen zur Stärkung der Rechtsstaatlichkeit im Ölsektor engagiert haben.

Die Sanierung des Nigerdeltas bietet Nigeria, der Ölindustrie und der internationalen Gemeinschaft eine ideale Gelegenheit, überzeugend zu zeigen, dass ein neues Zeitalter angebrochen ist. Von nun an darf nachhaltige Entwicklung kein bloßes Schlagwort mehr sein, sondern muss vielmehr ein operativer Ansatz zur Global Governance und zum Wohl eines überstrapazierten, übervölkerten Planeten sein. (Jeffrey Sachs, DER STANDARD, 1./2.12.2012)

Jeffrey D. Sachs ist Professor für nachhaltige Entwicklung, Professor für Gesundheitspolitik und -management und Direktor des Earth Institute an der Columbia University. Er ist außerdem Sonderberater des UN- Generalsekretärs für die Millennium-Ziele. ©Project Syndicate, 2012, Übersetzung: Jan Doolan

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10 Postings
die macht der konzerne ist zu groß wie der kapitalismus der usa funktioniert

http://www.youtube.com/watch?v=KVpbSbUefm8

Bekenntnisse eines Economic Hit Man - Unterwegs im Dienst der Wirtschaft. Ein Insider-Bericht über den Ausbau des US-Imperiums auf Kosten der Dritten Welt.
John Perkins war ein Economic Hit Man, ein Wirtschaftskiller. Seine Aufgabe: Entwicklungsländer zu besuchen und den Machthabern überdimensionierte, überteuerte Großprojekte zu verkaufen, die sie in eine Abhängigkeit von den USA brachten. Zwölf Jahre lang hat Perkins seine Seele verkauft ... bis er ausstieg und den Mut hatte, den Skandal aufzudecken.

von wegen

die verschmutzer müssen zahlen - bp
... die holen sich's von den zapfstellenbenützern schon wieder

sorry, guter mann, die worte hör ich wohl, allein mir fehlt der glaube....

diese konzernnetzwerke schreiben unsere gesetze, und machen somit die regeln selbst, halten uns bedingungslos abhängig, melken uns wie die ziegen, und die peanuts, die wir für eine strafe halten sollen, bekommen die ca. monatlich in from von leistungslosen kapitalerträgen für ihre irren kapitalhäufen von uns allen geschenkt.

glaubt hier wirklich auch nur irgendejemand über 12, daß irgendeine justiz gegen sowas vorgehen könnte?:

http://powerstructureresearch.files.wordpress.com/2009/05/e... mobile.jpg

ja wie immer hast du auch dieses mal Recht mit deinem posting,ich frag mich nur wer dieses vernetzt Machtkonstrukt aus Konzernen Medien Politik Vermögenden die ja wie wir alle mittleiweile wissen zusammenarbeiten jemals zerschlagen kann und wie das Enden wird !

"All die großen Ölgesellschaften sollten vortreten und helfen, die notwendigen Sanierungsmaßnahmen zu finanzieren."

wurde ihnen schon mal gelegentlich ein "du träumer" an den kopf geworfen?

durch schöne worte erringt man vielleicht anerkennung bei seinen professoren-kollegen. aber nicht im wirklichen leben.

wenn SIE, hr. sachs, einen beitrag zu einer sanierung des nigerdeltas leisten wollen, dann schreiben sie nicht so salbungsvoll und korrekt von der 'ölindustrie'. nennen sie einen konkreten namen, zb: "shell ist der ober-saubär". und weiters: "wer sein auto bei shell volltankt, ist ein a-loch, das für eine umweltkatastrophe mitverantwortlich ist!"

DAS ist die medizin, mit der ein konzern zu halbwegs vernünftigen handeln gezwungen wird: über seine kunden.

über kritiker hingegen lachen die nicht mal. die werden ignoriert!

"Verschmutzer müssen zahlen"- Aber nur im Westen, gell?

Und selbst da nicht überall: Die USA verweigern jegliche Kooperation.

Im Grunde genommen, wird die Wirtschaft nur in Europa drangsaliert. Überall sonst weiß man sehr wohl noch, was man an einer starken Industrie hat. Aber gerade die Alt-68er-Generation, die nie in ihrem Leben ehrlich gearbeitet hat, stellt ihre Ideologie über die Realität und will ihr Scheitern nicht akzeptieren.

Die Folge: Deindustrialisierung Europas, langfristig sinkender Wohlstand, Staatsbankrotte, Zerbrechen des Sozialstaates, Renaissance des Nationalismus, Rückkehr zu den 30er Jahren. Die 68er haben das Gegenteil dessen erreicht, was sie ursprünglich wollten.

No, Sie haben vielleicht einen Schuss!

Artikel nicht gelesen? Das Problem ist halt dass fast alle Regierungen in Entwicklungsländern hochgradig korrupt sind - die wollen am Rohstoffabbau ordentlich verdienen, und ob der Durchschnittsmensch unter der Verdreckung zu leiden hat ist denen herzlich egal. Die "Konzerne" wären nie in der Lage das ohne bereitwillige Kooperation der entsprechenden Regierungen zu machen.

wenns so einfach wäre

regierungen, die nicht korrupt sind und sich gegen die interessen der großkonzerne auflehnen, werden eliminiert bzw. deren länder "befreit". man lese nach bei John Perkins / Bekenntnisse eines Economic Hitman - gibts schon um 10 € zu kaufen

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