Zwei in Syrien verletzte österreichische Soldaten weiterhin in Israel

30. November 2012, 16:58
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Kameraden in Wien gelandet - Verbliebene Österreicher großteils bereits am Golan angekommen

Damaskus/Öblarn/Wien - Es gehe ihm "nicht richtig gut, den Umständen entsprechend halt", berichtete Rudolf Pretscherer aus Öblarn (Bezirk Liezen), der Vater eines der beiden in Syrien verletzten österreichischen UNO-Soldaten nach einem Telefonkontakt am Freitagnachmittag. Am meisten ärgere den 25-jährigen Daniel aber, dass er seinen Einsatz unterbrechen müsse: "Er war schon ein Jahr am Golan, jetzt hat er eben erst für ein weiteres halbes Jahr verlängert."

Das Bundesheer lobt Vater Pretscherer im APA-Gespräch ausdrücklich, die Erstinformation habe er einen Dreiviertel Stunde nach dem Zwischenfall erhalten. Weil da noch nicht klar war, was genau passiert ist, sei er "ein bisserl geschockt gewesen". Drei, vier Stunden später habe er dann erfahren, dass keine Lebensgefahr bestehe, Daniel eine Schussverletzung am Arm davongetragen habe und im Spital behandelt werde. Erleichtert zeigte sich auch Daniels Freundin: "Ich hoffe, das er bald nach Hause kommt", sagte sie gegenüber dem ORF Steiermark. Über seine Weiterverpflichtung sei sie nicht erfreut, sie müsse sie müsse die Entscheidung aber akzeptieren. Der 25-jährige Korporal will laut Vater im Juni wieder an den Einsatzort zurück. 

"Waffenwirkung"

Die beiden angeschossenen Soldaten befinden sich gegenwärtig in einem Krankenhaus in der israelischen Stadt Haifa, wie das Verteidigungsministerium am Freitag mitteilte. Rund zwei Drittel der 70 österreichischen Soldaten, die das nächste halbe Jahr als Teil der UNDOF-Mission auf dem Golan verbringen sollen, sind unterdessen bereits in ihrem Einsatzgebiet angelangt.

Zwar habe es rund zehn bis 15 Kilometer vom Flughafen entfernt erneut "Waffenwirkung" gegeben, da die Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen unterwegs gewesen seien, sei jedoch niemand verletzt worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Oberst Michael Bauer. Das noch am Flughafen in Damaskus verbleibende Drittel solle sich in Kürze auf den Weg machen. Eine Änderung der Route sei nicht erwogen worden, erklärte Bauer. Da sich die Golanhöhen in Syrien befänden, sei der Flughafen in Damaskus die "leistungsfähigste und sicherste Möglichkeit", um dorthin zu gelangen.

"Das beste Spital dieser Welt, was Schussverletzungen betrifft"

Am Donnerstagnachmittag war eine 88-köpfige österreichische Blauhelm-Truppe auf dem Weg zum Flughafen in Damaskus von bisher unbekannten Tätern angegriffen worden. Dabei wurden insgesamt vier Soldaten verletzt, zwei jedoch nur leicht, weshalb sie gemeinsam mit ihren Kollegen die Heimreise nach Österreich antreten konnten. Im syrischen Staatsfernsehen hieß es unter Bezugnahme auf das syrische Außenministerium, hinter dem Angriff stünden Rebellen.

Syrische Rebellen hatten sich am Donnerstag Kämpfe mit Regierungstruppen in der Nähe des Flughafens von Damaskus gelieferte. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldete war die Straße zum Flughafen zeitweise von Rebellen blockiert. Auch der Flughafen war laut Agenturberichten vorübergehend gesperrt, lediglich das von der UNO gecharterte Flugzeug mit österreichischen Soldaten und ihren kroatischen Kollegen an Bord habe starten können. Laut AFP wurde der Flugverkehr in Damaskus am Freitagnachmittag wieder aufgenommen, Reuters berichtete weiterhin von einer Sperre.

Jener 53-jährige Vizeleutnant aus dem Burgenland, der einen Steckschuss an der Schulter erlitt, sowie der 25-jährige Korporal aus der Steiermark, der am Arm angeschossen wurde, befinden sich laut israelischen Medienberichten im Ramam Spital in der israelischen Küstenstadt Haifa. Oberst Bauer vom Verteidigungsministerium, konnte den Namen des Krankenhauses nicht bestätigen, versicherte jedoch, es handle sich um "das beste Spital dieser Welt, was Schussverletzungen betrifft".

Anfang nächster Woche werde beurteilt, ob die Soldaten nach Österreich ausgeflogen werden. Beiden gehe es gut, sie seien stabil. Es bestehe keine Lebensgefahr.

Erleichtert

Die vom Golan zurückkehrenden Soldaten wurden am Schwechater Flughafen von Freunden und Verwandten empfangen. Gegenüber der APA zeigten sich Offiziere erleichtert, dem Konfliktgebiet ohne Todesopfer entkommen zu sein. Die Soldaten sollten in das Garnisonslager Götzendorf verlegt und dort medizinisch untersucht und psychologisch betreut werden. Österreicher überwachen als Teil der internationalen Mission UNDOF die entmilitarisierte Zone zwischen Syrien und dem von Israel besetzten Golan. Ob sich nach dem Vorfall an Mission etwas ändern werde, sei eine "politische Entscheidung", so Bauer. Derzeit gebe es aber keine Anzeichen.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon sieht nach dem Angriff auf die Soldaten hingegen ein "ernstes Risiko" für die Schutztruppe am Golan. Von den Vereinten Nationen hieß es, Ban sei tief besorgt über den Verlauf den Konfliktes in Syrien. Die Sicherheit der Soldaten unter ihrem Mandat sei für die UNO von höchster Priorität.

Bedauern für den Angriff äußerte auch Russland. Der Leiter des Präsidialamts in Moskau, Sergej Iwanow, sagte am Freitag vor Journalisten in Wien, dass ganz klar sei, welche Seite auf die UNO-Soldaten geschossen habe, nämlich jene Kräften, die an einer Destabilisierung der Lage in Syrien interessiert seien. Und es stelle sich die Frage, was man mit der Mission "tun soll", wenn schon die Rotation der Soldaten so schwierig sei. In den Händen der Opposition, die man auch Terroristen nennen könne, befinden sich laut Iwanow "sehr gefährliche" Waffen. Die Lage gleiche einem "Chaos". (APA, 30.11.2012)

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