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In einer Gesellschaft, die sich als Wissensgesellschaft bezeichnet und in der Wissen nicht nur zu einem wichtigen, sondern auch zu einem mächtigen Gut geworden ist, fragen manche Philosophen, ob das, was wir zu wissen meinen, tatsächlich Wissen ist, und wie es um unsere Wissensansprüche bestellt ist.
Das mag einem zunächst befremdlich erscheinen, ist es doch offensichtlich so, dass wir eine Menge wissen. Wir wissen, dass die Erde keine Scheibe ist, dass 2+2=4 ist, dass Heinz Fischer der amtierende Bundespräsident ist, dass nichts schneller ist als das Licht und noch vieles mehr. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe staatlicher und privater Institutionen, die uns dieses Wissen zu vermitteln suchen. Es will ja schließlich gewusst werden, was wir wissen.
Am Ende haben wir Prüfungen zu absolvieren, und man beurteilt uns und unsere Lebensperspektiven je nachdem, ob wir sehr gute, gute, befriedigende, genügende oder nicht genügende "Wissensreproduzenten" sind. Diejenigen, die am besten wissen, was wir wissen, haben jedenfalls gewonnen. Die anderen - na ja - irgendwo wird man sie schon brauchen.
Eine Frage, die aber bei alldem selten gestellt wird, ist eine philosophische: Können wir überhaupt etwas wissen? Wir tun ja häufig so, als wäre das Wissen etwas ganz Unproblematisches. Das ist es aber nicht! Das fundamentale Problem des Wissens ist die Wahrheit. Wissen impliziert Wahrheit. Mit anderen Worten: Man kann nichts Falsches wissen.
Woher aber wissen wir, dass wir uns in dem, was wir zu wissen meinen, nicht irren? Jeder irrt sich doch hin und wieder, und weil Irren menschlich ist, tritt der philosophische Skeptiker auf den Plan. Er behauptet, dass es immer möglich ist, dass wir uns irren, und dass unsere Wissensansprüche schon allein deshalb gehörig überzogen sind. Wir können uns ja nie sicher sein, ob es sich in Wahrheit nicht ganz anders verhält.
Das vielleicht beste Argument des Skeptikers ist das sogenannte Traum-Argument, ein Argument, das durch René Descartes berühmt geworden ist:
Es ist klar, dass in analoger Weise jedes andere Wissen über die Welt bezweifelt werden kann. Hat der Skeptiker womöglich recht und können wir wirklich nichts über die Welt wissen? Ist die Wissensgesellschaft eine Utopie? Auch wenn man sagen muss, dass die skeptische Position selbst problematisch ist - ein wenig mehr Bescheidenheit ob unserer Wissensansprüche würde uns in vielerlei Hinsicht äußerst guttun. (Heinz Palasser, Bernd Waß, DER STANDARD, 1./2.12.2012)
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... um auch nur die kleinsten Vorhersagen in unserem realen Leben erstellen zu können. Wir bewegen uns dadurch in einer Welt die hochgradig vorhersehbar ist.
Da wir uns nur sehr selten irren erscheint uns unser Wissen als hochgradig richtig, denn wir verlassen uns praktisch pausenlos darauf.
Der philosophische Skeptiker führt sich selbst ad absurdum, denn würde er, wenn er eine Strasse überquert und für diesen Vorgang pausenlos Wissen in anspruch nimmt, gleichzeitig dieses Wissen anzweifeln, so könnte er niemals die andere Strassenseite erreichen. Denn sein nächster Schritt könnte dazu führen, dass er im Boden versinkt.
Und zuletzt ob das nun ein Traum ist oder nicht, ist doch eigentlich nur von rein akademischen Interesse. :-)
...ist Wissen also wahr und richtig.
Wenn man von, Selbsttäuschung, Wunschdenken, Gläubigen, Massenhysterien und ähnlichem absieht, könnte dieser Satz richtig sein.
Doch ohne einer objektiven Instanz können wir uns des Richtigkeits- und Wahrheitsgehalts eines Wissens niemals sicher sein.
So verstehe ich also den Anspruch des Artikels nicht, wenn dort geschrieben steht: "Ein wenig mehr Bescheidenheit bezüglich unserer Wissensansprüche...würde uns gut tun."
Bescheidenheit ändert nichts an Irrglauben.
Nicht Bescheidenheit wäre gefragt, sondern das stete und ehrliche Hinterfragen des Wissens, mit neuen Erkenntnisständen, geänderten Standpunkten etc. muss das als sicher vermutete Wissen überprüft werden.
Würde eher behaupten "Wissen wird nur dann akzeptiert, wenn es hinlänglich wahr erscheint". Da es mir schon mehrmals passierte, dass ich Falsches wusste und es sogar weitergab, muss ich davon ausgehen, dass der Satz "Man kann nichts Falsches wissen", falsch ist.
Vielleicht könnte man korrekter formulieren und sagen: "Wissen über etwas, ist zum Zeitpunkt der Akzeptanz, durch eine Person, für diese Person wahr und richtig."
Mit jedem weiteren Zeitpunkt an dem ich dieses Wissen auf seine Tragfähigkeit überprüfe und seine Richtigkeit bestätigt wird, festigt sich der Glaube an die Richtigkeit dieses Wissen, bis hin zur unhinterfragten selbstverständlichen Verwendung.
der cartesianische Skeptizismus gilt zumindest schon einmal durch "brains in a vat" als widerlegt... davon mag man halten was man mag... (bei mir ist es nicht viel)
http://de.wikipedia.org/wiki/Gehirn_im_Tank
Aber interessant wäre es m.E. sich darüber Gedanken zu machen unsere Wissensdefinition, die sich sehr auf "wie?" zu beschränken scheint, um ein "wozu?" zu erweitern; Sprich: erst von "Wissen" zu sprechen, wenn ich "etwas" weiß UND weiß wozu ich das tue.
Wie wir dennoch etwas lernen können, erfährt man von der Wissenschaftstheorie.
http://sedl.at/Wissensch... ftstheorie
Die Forderung, gegenüber behaupteten "Wahrheiten" skeptisch zu sein, ist gut. In der Pauschalität, wie dies Philosophen üblicherweise (und auch in diesem Artikel) tun, ist es meiner Meinung nach jedoch nicht hilfreich. Hätten sie recht, könnte jeder glauben, was ihm gefällt, denn es kann ja nichts (im philosophisch strengen Sinn) bewiesen werden.
Eene sinnlose Position. Die Naturwissenschaft antwortet damit, dass man zwar nichts absolut wissen kann, dass aber vieles so genau gewusst wird, dass es da facto absolut wird.
Wenn damit aber nur gemeint werden soll, dass man bescheidener sein soll, so wird sowieso ins falsche Horn geblasen. Gerade Wissenschafter sind äußerst vorsichtig mit ihren Ansprüchen und Behauptungen.
Wir haben unsere Vorgaben für Wissen, eine Art Schablonenwissen das sich aber nicht im Stillstand befindet sondern sich ständig erweitert.
Beispiel: Forschung.
Gleichzeitig wissen wir, dass wir noch relativ wenig wissen, unsere Gehirnzellen/Synapsen nur einen Bruchteil beanspruchen ;-)
Auch wenn das Problem rein philosophisch zu sein scheint, finde ich es ziemlich praxisrelevant. Oft glauben wir etwas zu wissen, weil wir uns, d.h. die eigene Person, für gebildet, intelligent oder informiert erachten. Das verleitet leicht zu Überheblichkeit, die bekannterweise blendet und zu Ignoranz führt. Wir haben, wie der Autor das treffend anführt ein Bild von unserer Gesellschaft als Wissensgesellschaft. Das ist ein unrealistisches Eigenbild, aber eines, dem wir die Realität anpassen, zumindest in unserer Wahrnehmung. Handelt es sich nicht oft nur um auf Vertrauen gegenüber vermuteten Wissenden aufbauende Annahmen? Wichtiger als sicheres Wissen zu haben (denn das ist meist unmöglich) scheint mir, seine Wissensquellen genau zu kennen.
Aber die Alternative zu einem konkreten Wissen ist ein anderes konkretes Wissen (das ebensoso prinzipiell nicht sicher ist). Das heisst wir haben uns immer nur zwischen 2 unsicheren Wissen zu entscheiden und da gibt es vernüftige Kriterien hiefür.
Und das heisst, nicht jedes Wissen ist im gleichen Ausmass unsicher.
solche Aussagen sind im Standard nicht ungefährlich. Wenn nämlich Wissen in Frage gestellt werden darf, nehmen das viele zum Anlass JEGLICHES Wissen als unbewiesen abzutun und lustige Theorien wie Schüßler-Salze, Granderwasser und Freie Energie zu bewerben.
Die Betrachtung des Artikels ist in Wirklichkeit ja rein philosophischer Natur. Denn wenn wir natürlich das Traum-Argument anwenden, wir also nicht ausschließen können, in einer "Matrix" zu leben, ist das insofern erst mal unrelevant, da wir dann wenigstens die Vorgänge in der Matrix ganz gut erklären können. Und das ist schließlich ja, was uns täglich betrifft. :)
"Wenn nämlich Wissen in Frage gestellt werden darf, nehmen das viele zum Anlass JEGLICHES Wissen als unbewiesen abzutun und lustige Theorien wie Schüßler-Salze, Granderwasser und Freie Energie zu bewerben."
Da steckt ein gehöriger Widerspruch drin. Wenn JEGLICHES Wissen abgetan wird, dann konsequenterweise auch die von Ihnen erwähnten Beispiele...
Was bringt mir absolutes Wissen, wenn es für meine Realität nicht relevant ist? Wenn ich was zu einem gewissen Grad bewiesen habe und so die Anwendung in unserer Realität als sicher (also objektiv mit einer großen Wahrscheinlichkeit) ist, würd ichs als "Wissen" bezeichnen. Wenn selbst dann aber nicht erfüllt ist, dann ist es "Glauben", was schon noch einen großen Unterschied macht.
Finde Ihren Gedanken sehr interessant. Weiß nicht, wie Sie das sehen, aber ich denke, dass wohl der beste Ausgangspunkt für die Frage nach Relevanz von Wissen immernoch man selbst ist. Die eigene Existenz wird wohl jeder eindeutig bestätigen können, d.h. darüber sicheres Wissen haben. Alles andere ist in einem gewissen Sinne relativ, d.h. von Prämissen und Perspektiven abhängig. Hört sich natürlich etwas abgehoben an, aber von Ihrer Existenz kann ich auch nur aufgrund beispielsweise der Prämisse ausgehen, dass alle Menschen genauso existieren wie ich.
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