"Jüngere laufen schneller, Ältere kennen Abkürzungen"

Gudrun Ostermann, 30. November 2012, 17:05
  • "Ältere wollen gar nicht länger arbeiten": Ex-Wifo-Chef Helmut Kramer über Mythen und Fakten der alternden Gesellschaft.
    foto: standard/newald

    "Ältere wollen gar nicht länger arbeiten": Ex-Wifo-Chef Helmut Kramer über Mythen und Fakten der alternden Gesellschaft.

Bei der Enquete Arbeitsfähigkeit verlangte Ex-Wifo-Chef Kramer eine Beschäftigung mit den Folgen der alternden Gesellschaft

Die Arbeitsfähigkeit (länger) zu erhalten, Gesundheit zu fördern und bereits Erkrankte wieder in das Erwerbsleben zu integrieren, dazu den Generationendialog im Unternehmen zu fördern und somit die Zukunftsfähigkeit von Betrieben in alternden Gesellschaften abzusichern: Das war Inhalt der "Enquete Arbeitsfähigkeit", die Fortschritte und Wirkungen der von Allgemeiner Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und Pensionsversicherungsanstalt (PVA) in Kooperation mit dem Bildungsanbieter ÖPWZ initiierten Programme sichtbar machte.

"Die Alterung der Gesellschaft hat Konsequenzen für alle Bereiche der Wirtschaft und betrifft vor allem den Wohlstand der jüngeren Generation", sagte Helmut Kramer, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Plattform für interdisziplinäre Alternsfragen (ÖPIA), bei seinem Referat zum Thema. Finanzierungstechnisch gehe es auch darum, wie sehr heutige Generationen für neue Generation verantwortlich sind. Und gerade hier gebe es viele Mythen, so Kramer, denen er in seinem Vortrag zu Leibe rückte:

  • Mythos 1: Ältere besetzen die Arbeitsplätze der Jungen Das mag für einzelne Betriebe stimmen, volkswirtschaftlich gesehen aber nicht, sogar im Gegenteil. Untersuchungen zeigten, dass Länder mit hohem Pensionsantrittsalter auch die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit aufweisen. Es gehe um den Gewinn aus der Mischung, das bringe die höchste Produktivität. Besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gehe es auch um Krisenerfahrung der Älteren.
  • Mythos 2: Ältere sind weniger produktiv und teurer Körperlich und geistig lasse die Leistungsfähigkeit der Älteren wohl minimal nach, bis zum 70. Lebensjahr aber nicht dramatisch. Erfahrung könne auch hier Vorteile schaffen. Zitat dazu: "Jüngere laufen schneller, Ältere kennen die Abkürzungen." Für Unternehmen können ältere Arbeitnehmer sehr teuer sein, die Einkommenskurve steige bis 50 steil an, aber: "Das heißt nicht, dass das auch so bleiben muss."
  • Mythos 3: Die meisten Älteren wollen nicht länger arbeiten, Arbeitgeber sind auch nicht interessiert daran Das sei kein Mythos, sondern eine Tatsache. Allerdings gebe es weder für Arbeitnehmer noch für Arbeitgeber Anreiz für längere Behaltedauer resp. längeren Verbleib im Erwerbsleben. Reformen wie ein Bonus-Malus-System seien hier dringend notwendig.
  • Mythos 4: Gesellschaftliche Alterung - na und? Notwendige Änderungen würden sich nicht "schon ergeben", die Notwendigkeit bestehe auf vielen Ebenen - entweder vorbereitet oder später mit großen Schmerzen.

Kramer plädiert daher dringend für eine "nationale Alternsstrategie" als Querschnittsplan, in den Reformen bei Pensionen, in der Pflege, der Gesundheit, dem Verhältnis zwischen den Generationen, dem Staatsschuldensystem sowie dem Steuer- und Bildungssystem strategisch und schrittweise eingebettet sind. Dazu gehörten auch Umweltfragen, die Forschung, die Infrastrukturfrage, ethische Aspekte und der große Einflussfaktor der internationalen Dependenzen. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 1./2.12.2012)

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13 Postings
Jüngere kann man leichter über den Tisch ziehen...

Ältere haben keine Wahl mehr.

...zu glauben das Fachwissen der Älteren gibts kostenlos, täuschen sich...

...das hättens gern. Spielts aber nicht.
Dann eben Pension.

Damit leisten sie einen aktiven Beitrag zur steigenden Arbeitslosigkeit bei Älteren! Sind sie stolz darauf?

So wie er es selber gerne sehen würde so versucht er es hinzubiegen

Jezt, wo riesige Beamtenhorden und sonstige Staatsbedienstete in enormer Zahl in Pension gegangen sind, benötigt man natürlich möglichst viele Leute die das bezahlen. Die Jungen sind zahlenmäßig wahrscheinlich zu wenig. Besser wäre es die arbeitsfähigen Beamten aus der Pension wieder zurückzuholen und sie so lange arbeiten zu lassen wie es nur irgendwie geht. Es rächt sich halt jetzt die total verfehlte Familienpolitik der Roten und Schwarzen. Die jungen Leute sind froh wenn sie selber über die Runden kommen. An Nachwuchs getraut sich schon lange kaum jemand zu denken.

"Körperlich und geistig lasse die Leistungsfähigkeit der Älteren wohl minimal nach, bis zum 70. Lebensjahr aber nicht dramatisch."

Das ist doch überhaupt nicht wahr!

- Es lebt nicht jeder Mensch bis 70.
- Viele haben Unfälle und können danach nicht mehr das leisten was sie zuvor leisten konnten, auch wenn sie 70 waren.

Klar gibt es auch viele die KÖNNTEN, aber nicht wollen, aber es gibt auch jene die WOLLEN, es aber nicht mehr können, und die 2 Gründe die ich genannt habe tangieren genau dies.

so argumentiert

musst du die 20-jährigen nach unfällen auch berücksichtigen. was also soll dieses argument?

Die Wahrscheinlichkeit innerhalb 20 Jahre x Unfälle/Krankheiten zu haben ist gleich wie innerhalb von 70 Jahren?

eine arbeitszeitverkürzung würde die gesundheit erhöhen

dann würde automatisch der pensionsantritt später erfolgen, aber leider sind die offensichtlichsten dinge vielen menschen nicht zugänglich.

da steckt natürlich system dahinter....

Ich verstehe nicht warum nicht eine Art Altersteilzeit angedacht wird.

Mit z.B. 55 reduziert sich die Arbeitszeit um rund 10% bei gleichbleibendem Gehalt, dafür fällt die jährliche gesetzliche Gehaltserhöhung weg, mit 60 sind wir dann auf 30 Wochenstunden, mit 65 auf 25 und mit 70 verabschieden wir uns in die Pension. Durchrechnungszeitraum für die Pension müsste dann natürlich alle Beitragsjahre sein.

Bitte nicht auf die Zahlen festnageln, aber so ungefähr kann ich mir das schon vorstellen. Wer mehr arbeiten will könnte das natürlich auch machen.

mit 70 in die Pension

ja genau. Da freut sich sicher jeder. Die Zwangsbeglückung mit dem achtsotollen Karrierismus und der MeinBerufmachtmichglücklich-Lebenslüge vor der gekünstelten geschäftsmännischen Ernsthaftigkeit und Pseudomoralderer, die Finger erheben, weil sie Sachzwänge aus der sozialen Umwelt vorgeblich herauslesen können wollen, da warten sicher alle nur drauf. Applaus! Das war der Fortschritt, auf den wir nach 500 Jahren Aufklärung und Wissenschaft gehofft haben. Das spielt es nicht, nur weil ein paar gereizte Gierige nie genug bekommen.

aber es ist doch nicht von der Hand zu weisen das unser Pensionssystem so nicht zu finanzieren ist. Wie könnten den die Alternative aussehen wenn wir nicht länger in Beschäftigung bleiben? Wir werden ja auch deutlich älter als das noch vor 20 Jahren war, und wir werden in den nächsten 20 Jahren noch deutlich älter als wir das jetzt werden.

Für die Arbeitszeitverkürzungen muss der Arbeitgeber tragen.

Für die Pensionskosten kommt (am Ende) immer mehrheitlich der Staat auf. Alles klar?

dahofawors hat schon recht.

WO steht geschrieben daß 37,5 oder 40 Stunden IMMER für eine Vollzeitstelle zu gelten haben? Excl. Überstunden natürlich.
Die Zeit wurde halt einmal festgesetzt und seither wird nicht mehr dran gerüttelt. Nur nichts ändern was keine Stimmen bringt ist die Devise unserer Politiker.

Eine Reduzierung der gesetzlichen Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich wäre in Zeiten wie diesen längst fällig. Die Produktivität würde dadurch in vielen Bereichen nicht weniger, eher im Gegenteil.

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