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vergrößern 500x332Lud zur Diskussion in sein Büro: Markus Brenner (Mitte) mit Petra Pointinger (Raiffeisen International), Clemens Moritzer (Rodenstock), Monika Hintermeier (Card Complete) und Rainer Kappel (Drott Medizintechnik).
"Wenn wir so weitermachen, dann hört das Berufsleben von Frauen knapp nach 30 auf, und mit 50 steigen sie dann Teilzeit an einer Kassa im Lebensmittelhandel wieder ein", formuliert Rainer Kappel, Geschäftsführer des Medizintechnikunternehmens Drott Medizintechnik, spitz, wohin Auszeiten von Erwerbsarbeit über die gesetzlich eingeräumte Dauer hinaus im Gesamten betrachtet führen.
Damit war nicht nur die Interdependenz des Themas "Umgang mit Wiedereinsteigerinnen" klar, sondern auch der - hohe - Impact. Personalberater Markus Brenner (Brenner & Company) hatte zum Frühstück mit Thema geladen - und dass ihm die Wiedereinsteigerinnen großes Thema sind, macht er ohne Umschweife deutlich. "Natürlich passen Frauen um die vierzig, die einige Jahre zu Hause bei den Kindern waren, wenig ins Wunschbild der eierlegenden Wollmilchsau - Unternehmen sollten aber reflektieren, was sie wollen und von wem sie es bekommen." Es gehe nicht um einen Sozialakt, sondern um Nutzenbetrachtung, so Brenner. Und: " Mitarbeiter, die in für sie persönlich schwierigen Zeiten aufgenommen wurden, sind loyaler."
Und dass die Betroffenen, überwiegend Frauen, die Vorurteilslage in Firmen - mehr Fehlzeiten wegen kranker Kindern, weniger Belastbarkeit - antizipieren, zeige die Tatsache, "dass solche Frauen mit riesigen Defizitgefühlen kommen und ausstrahlen, dass sie Almosen erhalten". Kein Wunder, so die Runde, denn die Bewerbungserfahrungen würden wohl ausreichend frustrierend ausfallen. "Da stecken ja Erlebnisse dahinter", so Clemens Moritz, Geschäftsführer des Brillenerzeugers und -händlers Rodenstock in Österreich. Er war zwar nur ein Jahr zu Hause bei den Kindern, aber selbst da hatte er "Erlebnisse" beim Wiedereinstieg. Er ist überzeugt, dass Frauen, die sich in längeren Auszeiten vom Job um den Nachwuchs, die Familie, gekümmert haben, ungleich höhere soziale Kompetenz mitbringen, über ein ganz anderes Verantwortungsgefühl verfügen und andere Blicke auf das Ganze haben. "Wenn sie intrinsisch motiviert sind, wieder einzusteigen - nicht unbedingt, wenn sie aus äußerer Notwendigkeit wieder arbeiten gehen."
Dass die Schwierigkeiten aber so groß sind und die Beschäftigung "danach" so oft unter dem Qualifikationsniveau liegt, werde auch durch die Rahmenbedingungen bestimmt: von den fehlenden Kinderbetreuungsplätzen resp. ganztägigen Schulformen "bis zu Schutzbestimmungen, die nach hinten losgehen", wie Petra Pointinger, Personalleiterin der Raiffeisen International, ergänzt. Dass die oft als Einbahnstraße verstandene Flexibilität von Unternehmen schwer wiege, will Monika Hintermeier, Personalchefin bei Card Complete, auch nicht verschwiegen wissen. Da sei Österreich insgesamt in Europa bekanntlich auf den hinteren Plätzen, stimmt Clemens Moritzer zu. "Bei uns sind bis zu 50 Prozent Homeoffice möglich", so Pointinger. Solch ein outputorientiertes und vertrauensbasiertes Arbeiten verlange von den jeweiligen Führungskräften viel - mit solchen, denen es am besten geht, wenn sie ihre Leute versammelt im Büro sehen, gehe das nicht.
Dass unter dem Deckmantel der "Überqualifikation" die Bewerbung einer Wiedereinsteigerin auch gern gleich aussortiert wird, erklärt Rainer Kappel mit der Angst vor mangelndem Team-Fit und intern unsteuerbaren Wirkungen. Hintermeier: "Da braucht es auch mutige Berater, die nicht nur Streamliner vorstellen." Brenner stimmt zu und appelliert: Es müsse auch "aus allen Köpfen", dass Alter etwas mit "teurer" zu tun hat. Frauen, die wieder ins Berufsleben wollen, motiviert die Runde, sollten bewusst und selbstbewusst ihre sozialen Kompetenzen herausstreichen. (Karin Bauer, DER STANDARD, 1./2.12.2012)
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