Mit Frank zu reden ist für den Hugo

Kolumne30. November 2012, 17:28
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Gespräche ohne Kommunikation

Es ist stets amüsant, wenn man in fremden Sprachen unvermutet auf deutsche Wörter stößt: "frauleinwunder" etwa oder "el estrudel" oder "le vasistas" (französisch für "Oberlichte").

Zu diesem Erlebnis kommt man gelegentlich auf Umwegen. Kürzlich habe ich mir wieder einmal Stanley Kubricks legendäres Horrorstück The Shining angesehen, mit dem grandios grimassierenden Jack Nicolson als Superirrwisch Jack Torrance. Das veranlasste mich dann auch dazu, erneut in Stephen Kings gloriosen Roman hineinzulesen. Dort stolperte ich flugs über den Satz "The TV goes on the fritz".

Der Fernseher geht auf den Fritz? Für den Fall, dass Sie wissen, was das bedeutet, bekommen Sie sofort ein "Sehr gut". Kein Problem, wenn Sie es nicht wissen, ich habe für Sie nachgesehen: "Something goes on the fritz" heißt im US-Englischen so viel wie "etwas funktioniert nicht ordentlich, ist kaputt".

Im Netz geistern widersprüchliche Erklärungen über den Ursprung der Fritz-Formel herum: Vielleicht hat sie mit der Comic-Figur Fritz Katzenjammer zu tun, oder mit dem Weltkriegsspitznamen für deutsche Soldaten, oder auch mit Lautmalerei (defekte Maschinen geben oft ein "Fritztztztz"-Geräusch von sich, bevor sie sich endgültig verabschieden). Die genaue Bedeutung kennt man nicht und wird man nie kennen, aber heiter klingt die Formel allemal.

Nach der Donnerstags-ZIB mit Frank Stronach, dem Jack Torrance der Innenpolitik, bin ich für die Einführung eines neuen anglodeutschen Idioms nach Fritz-Muster: "The discussion goes on the Frank". Bedeutung: Diese Diskussion ist für den Hugo.

Wenn sich ein "Kommunikationspartner" wie Stronach entschlossen hat, ein Gespräch zur Farce zu machen, kann selbst ein Ausnahmeinterviewer wie Armin Wolf nur das Schlimmste verhindern (Verlesung einer vierminütigen Magna-Proklamation).

Viel Sinnvolles lässt sich aber einem Stronach naturgemäß nicht abluchsen. Von politischen Inhalten haben wir dabei noch nichts gesagt - aber allein in Stronachs Rede konzentriert sich wie in einem Brennglas alles, woran die öffentliche Rede krankt: Ignorieren von Fragen, Niederschwallen des Gesprächspartners, wortreiche Nullaussagen.

Schön wär's, wenn sich mehr Widerstand gegen diese Kommunikationsgräuel regte - möglichst ehe die öffentliche Debatte völlig "on the Frank" geht.  (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 1./2.12.2012)

 

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