12 Prozent der Studierenden krank oder behindert

30. November 2012, 15:49
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3,4 Prozent psychisch beeinträchtigt - Vier Universitäten haben keinen Behindertenbeauftragten

Bei der vor wenigen Wochen präsentierten Studierendensozialerhebung gaben 12 Prozent der befragten Studierenden an Fachhochschulen und Universitäten an, durch ihr Studium psychisch oder physisch beeinträchtigt zu sein (derStandard.at berichtete).

"Es gibt noch viel zu tun", so Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bei einer Pressekonferenz am Freitag. Töchterle will in den anstehenden Leistungsvereinbarungsverhandlungen um das Uni-Budget für 2013 bis 2015 etwaige Verbesserungsmaßnahmen ansprechen.

An der Erhebung nahmen 44.000 Studierenden Teil, von denen 12 Prozent angaben durch ihre Erkrankung beeinträchtigt zu sein. 30,5 Prozent der Studierenden mit Beeinträchtigung gaben an, psychisch beeinträchtigt zu sein (auf alle Studierende gerechnet sind das 3,4 Prozent der Studierenden), 24,6 Prozent haben chronische-somatische Beeinträchtigungen und 10,3 Prozent leiden an Allergien. 0,9 Prozent aller Studierenden - hochgerechnet österreichweit 2.700 Studierende - geben an, eine dauerhafte, körperliche Behinderung zu haben.

Leistungsvereinbarungen

"Wir regen die Unis dazu an, einen Behindertenbeauftragten zu ernennen", so Töchterle. "Zusätzliches Geld gibt es selbstverständlich nicht", so Töchterle. Die Universitäten sollen die Maßnahmen aus dem Globalbudget finanzieren. Man fördere aber einzelne Projekte, wie das Projekt "GESTU" an der TU Wien, bei dem Gehörlose durch Gebärdendolmetschern und Mitschreibhilfen unterstützt werden. Auch bei Bauvorhaben werde die Barrierefreiheit berücksichtigt.

17 Behindertenbeauftragte

Derzeit verfügen 17 von 21 heimischen Universitäten über einen Behindertenbeauftragten, lediglich die Montanuni in Leoben, und die Musik-Uni Wien, die Universität für Angewandte Kunst und das Mozarteum in Salzburg haben keinen ausgewiesenen Posten. Die Agenden sind an diesen Unis anderen Bereichen zugeteilt.

Ein Problem sei auch, dass 60 Prozent der Studierenden nicht wollen, dass ihre Kollegen von der Beeinträchtigung erfahren, auch wegen negativer Erfahrungen, so Martin Unger, Studienautor der Studierendensozialerhebung. Studierenden sei auch oft zu wenig bekannt, dass es die Behindertenbeauftragten an ihren Universitäten überhaupt gibt.

"Nachholbedarf" bei  Forschung und Lehre

Wolfgang Novak vom Verein Uniability, der sich mit der Gleichstellung von Menschen mit Behinderung beschäftigt, kritisiert, dass die Behindertenbeauftragten auf unterschiedlichen Ebenen in der Universitätsverwaltung eingerichtet sind. Während sich manche auf Ebene der Rektorate befinden, seien andere auf unteren Ebenen der Verwaltung zu finden. "Großen Nachholbedarf" ortet Novak auch bei der Integration von Behinderten im Bereich der Forschung und der Lehre.

Psychische Beeinträchtigung als Problem

"Psychische Beeinträchtigungen machen den größten Teil der Beeinträchtigungen aus", sagt der Leiter der Psychologischen Beratungsstelle für Studierende in Wien, Franz Oberlehner, bei der Pressekonferenz stattfand.

"Für Dritte ist diese Beeinträchtigung nicht wahrnehmbar", so Oberlehner, aber die Zahl der Studierenden die wegen persönlichen Problemen und nicht wegen dem Studium Hilfe suchen, stieg zwischen 2005 und 2001 allein um 48 Prozent an.

In die Einrichtung in Wien, die 17 Psychologen beschäftigt, kommen pro Woche rund 40 neue Studierende mit einem Problem. Besonders im Herbst kommen mehr in die Beratungsstelle. Allein im Jahr 2011 wurde in der Wiener Einrichtung 4.735 Personen betreut, 36 Prozent suchten Rat bei der Studienentscheidung, 18 Prozent wegen Lernproblemen und rund 6 Prozent wegen Beziehungsproblemen. Rund 39 Prozent der Studierenden, die die Beratungsstelle aufsuchten, kamen wegen psychischen Problemen.

Weitervermittlung

Österreichweit gibt es 58 PsychologInnen die in Beratungsstellen arbeiten. Trotzdem sei das zu wenig, so Oberlehner.

Nach ein paar Terminen versucht man so den Studierenden einen Platz für eine weiterführende Therapie zu vermitteln, was dadurch erschwert wird, dass generell die Versorgungslage bei psychischen Erkrankungen schwieriger werde. Studienproblem versucht man vor Ort zu lösen. (seb, derStandard.at, 30.11.2012)

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