Kabul bittet Islamabad um Freilassung aller afghanischen Taliban

30. November 2012, 14:56
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Außenminister: Verhandlungsprozess mit den Aufständischen soll gefördert werden

Kabul/Islamabad - Die afghanische Regierung hat Pakistan um die Freilassung aller in dem Nachbarland inhaftierten afghanischen Taliban gebeten. Mit dem Schritt solle ein Verhandlungsprozess mit den Aufständischen gefördert werden, sagte der afghanische Außenminister Zalmai Rassul am Freitag bei einem Besuch in Islamabad.

"Wir wollen, dass alle afghanischen Taliban in ihr Land zurückkehren, am verfassungsgemäßen politischen Prozess teilhaben und ihre Rolle beim weiteren Aufbau und der Entwicklung unserer Nation spielen." Die afghanischen Taliban lehnen Verhandlungen mit der Regierung von Präsident Hamid Karzai bislang kategorisch ab.

Die pakistanische Außenministerin Hina Rabbani Khar sagte nach einem Treffen mit Rassul, ihre Regierung unterstütze einen afghanisch geführten "Prozess des Friedens und der Aussöhnung". Bei den Gesprächen um eine Freilassung afghanischer Aufständischer gebe es Fortschritte. Vor zwei Wochen hatte Pakistan auf Bitten der Regierung in Kabul bereits neun Taliban-Anführer freigelassen.

Neben zahlreichen anderen Aufständischen ist weiterhin Mullah Abdul Ghani Baradar in Pakistan inhaftiert. Er war zum Zeitpunkt seiner Festnahme in der pakistanischen Hafenstadt Karachi Anfang 2010 die Nummer zwei der afghanischen Taliban. Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar wird in Pakistan in Freiheit vermutet.

Die Regierung in Kabul hat Pakistan in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeworfen, den Aufstand in Afghanistan heimlich zu unterstützen. Islamabad hat das regelmäßig dementiert.

Karzai bemüht sich seit langem um eine Verhandlungslösung mit den Taliban. Bislang sind aber alle Versuche einer friedlichen Lösung des Konflikts gescheitert. Die Taliban weigern sich, mit der afghanischen Regierung zu reden, die sie für Handlanger der USA halten. Erste Gespräche mit den USA im Golf-Emirat Katar setzten die Taliban im März aus, weil diese "Zeitverschwendung" seien. (APA, 30.11.2012)

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