Münzfunde als Beleg einer hunnischen Hochkultur

2. Dezember 2012, 17:16
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Kunsthistorisches Museum zeigt die Ausstellung "Das Antlitz des Fremden"

Wien - Das Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums in Wien zeigt in Kooperation mit dem Bernischen Historischen Museum und der schweizerischen Collection Jean-Pierre Righetti die Ausstellung "Das Antlitz des Fremden. Die Münzen der Hunnen und Westtürken in Zentralasien und Indien", die bis 29. September 2013 läuft. In der Ausstellung werden die Ergebnisse eines sechsjährigen Forschungsprojekts präsentiert, das vom österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) gefördert wurde. Der chronologische Rahmen spannt sich vom ausgehenden vierten Jahrhundert unserer Zeitrechnung bis in islamische Zeit um die erste Jahrtausendwende. 

Der Begriff "Hunnen"

Unter "Hunnen" werden unterschiedliche Gruppierungen verstanden: Von den nomadisierenden Völkern, zu deren Abwehr die Chinesische Mauer erbaut wurde, bis zu jenen Verbänden, die unter der Herrschaft des sagenhaften Königs Attila standen, Europa verheerten.

Wesentlich wichtiger war der Einfluss der Hunnen ab der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts für die Geschichte, die Kultur und nicht zuletzt auch für die Münzprägung in Zentralasien und Nordindien, wie die Ausstellung zeigen soll. Während von den europäischen Hunnen keine eigene Münzprägung überliefert ist, entfalteten ihre "iranischen Verwandten" eine überaus reiche Prägetätigkeit, die ein einzigartiges Zeugnis für die Geschichte Zentralasiens und Nordwest-Indiens in der Spätantike sowie für eine kaum bekannte Hochkultur darstellt.

Vier große Stammesverbände - Kidariten, Alchan, Nezak und Hephthaliten - beherrschten zunächst die Region, ein Jahrhundert später abgelöst durch die Westtürken, denen um die Mitte des 9. Jahrhunderts die sogenannten Hindu-Schahis folgten. Dann übernahmen die Samaniden die Herrschaft und vollzogen die Islamisierung der zentralasiatischen Region. Die ersten, aus dem Silber des Panjshir-Tales geprägten samanidischen Dirhems sind aus dem Jahre 293 der Hidschra (entspricht unserem Jahr 905) überliefert.

Die Ausstellung

Leihgaben stammen von den beiden Schweizer Kooperationspartnern sowie vom Geldmuseum der Österreichischen Nationalbank und aus Beständen des Naturhistorischen Museums Wien. Eine begehbare topografische Übersichtskarte und erläuternde Kurzfilme zählen ebenso zum Ausstellungsangebot wie ein digitaler Katalog mit weiterführenden Inhalten zum Download. (APA/red, derStandard.at, 2. 12. 2012)

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