Café Bar Bloom: Le Chichi nouveau

30. November 2012, 17:50
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An der Ecke Rotenturmstraße / Hoher Markt wurde ein schickes Hotelrestaurant der ganz anderen Art eröffnet

Die Rotenturmstraße mag hyperzentral gelegen und vom Touristengedränge rund um die Uhr belebt sein, als Renommieradresse taugte sie bislang dennoch nicht. Das konnte Immobilienentwickler Martin Lenikus aber nicht abhalten, das Haus an der Ecke zum Hohen Markt (und schräg vis-à-vis zu seinem oval befensterten Hotel Topazz) nun ebenfalls zu einem Boutiquehotel zu machen - diesmal auch mit Bar und Restaurant.

Im Vergleich zu den gesichtslosen Etablissements, die die Ringstraßenhotels jüngeren Datums ausstaffieren, erscheint das Bloom genannte Hotelrestaurant aber wie ein Paradiesvogel an Expressivität: Das hat alles ganz deutlich und durchaus zugespitzt eigenen Charakter, ja Persönlichkeit. Das Dekor aus der Hand der BEHF-Architekten (Merkur am Hohen Markt, Fabios ...) ist deutlich vom Stil der 1930er-Jahre inspiriert, was sich nicht zuletzt im flächendeckenden Einsatz von Makassar- und Rosenholztäfelungen sowie dunklem Marmor in beiden Stockwerken manifestiert. 

Fantasievoll, aufwändig und günstig

Im Erdgeschoß ist eine Cafébar untergebracht, in der man auf gut gepolsterten Hockern sitzt und aus einer Vitrine Kleinigkeiten ordert. Orientalisch gewürzten Salat vom Butternusskürbis mit Speck etwa, eine Variation vom Perlgraupen mit Wintergemüse und Rosinen, die leider an Müsli vom Vortag gemahnt, oder ein Joseph-Weckerl mit Hirschschinken, Zwiebelmarmelade und Sauerrahmcreme. In Summe wirkt das wie eine durchaus nicht uninspirierte Variante der Stiebitz-Vitrine im Schwarzen Kameel.

Ambitioniert geht es im Obergeschoß zu, wo man im Loungebereich mit Blick aufs Lugeck - aber ohne Tischwäsche - sitzen kann, oder im ebenso intimen wie charmanten Restaurant. Hier werden kleine Gerichte aus der Hand Valentin Siglreithmaiers serviert, die zwar allesamt (und mitunter deutlich!) unter zehn Euro kosten, dafür aber richtig fantasievoll und aufwändig komponiert sind. Die reichhaltige Karte variiert zwischen exzellentem, wenngleich zu kühl serviertem weichem Eidotter auf Kopfsalatcreme (im Bild) und eher simplem - und zu knapp gegartem - Ofenfleck mit Sauerrahm, Speck und Zwiebeln.

Der Anspruch allein ist ermutigend: Wenn die Küche demnächst einmal das Niveau des wirklich herausragend disponierten Service erreichen sollte, hat die Stadt einen neuen Hotspot. (Severin Corti, Rondo, DER STANDARD, 30.11.2012)

Café Bar Bloom im Hotel Lamée
Rotenturmstraße 15, 1010 Wien
Tel.: 01/532 22 44
Öffnungszeiten: 08:30 – 24:00 Uhr
Warme Küche: 12:00 – 14:00 Uhr und 18:00 – 22:00 Uhr
www.cafebarbloom.com

Fotos: Gerhard Wasserbauer

  • Makassar- und Rosenholz an den Wänden, Blick auf den Hohen Markt und aufgezwirbeltes Essen zu zivilen Preisen. Am tollsten aber sind die netten Kellner im neuen Bloom.
    foto: gerhard wasserbauer

    Makassar- und Rosenholz an den Wänden, Blick auf den Hohen Markt und aufgezwirbeltes Essen zu zivilen Preisen. Am tollsten aber sind die netten Kellner im neuen Bloom.

  • Das Bloom bietet auch kleine Gerichte, die zum Teil deutlich unter zehn Euro kosten.
    foto: gerhard wasserbauer

    Das Bloom bietet auch kleine Gerichte, die zum Teil deutlich unter zehn Euro kosten.

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