Vorwurf Kinderpornos: Razzia gegen Grazer TOR-Betreiber

  • Über das Tor-Netzwerk können Internet-User anonym surfen. Wer selbst Exit Nodes dafür betreibt gerät mitunter ins Visier von Ermittlungen, wie nun der Fall eines Grazer IT-Administators zeigt.
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    Über das Tor-Netzwerk können Internet-User anonym surfen. Wer selbst Exit Nodes dafür betreibt gerät mitunter ins Visier von Ermittlungen, wie nun der Fall eines Grazer IT-Administators zeigt.

20-Jähriger betreibt Nodes für Anonymisierungs-Netzwerk – IT-Admin bittet um Spenden für Anwaltskosten

Einem österreichischen Betreiber von TOR Nodes wird vorgeworfen Teil eines Kinderpornografie-Ringes zu sein, der das Anonymisierungs-Netzwerk genutzt haben soll. Am Mittwoch habe das Landeskriminalamt Steiermark (LKA) eine Razzia in der Wohnung von William Weber durchgeführt, wie der IT-Administrator selbst in seinem Blog schreibt. Er werde zu unrecht sowohl der Verbreitung als auch Produktion von Kinderpornografie beschuldigt.

Anonymisierungs-Netzwerk

Über das TOR-Netzwerk können Internet-User anonym surfen, um die eigenen IP-Adresse zu verbergen. Neben privaten Personen wird es auch von Journalisten und Aktivisten genutzt, um Zensurmaßnahmen umgehen zu können. Weber betreibt mehrere sogenannte Exit Nodes für das Netzwerk - unter anderem auf Servern in Polen, Tschechien, der Ukraine und Österreich. Ars Technica hat den Durchsuchungsbefehl gegen den 20-Jährigen veröffentlicht.

Computer beschlagnahmt

Nach Angaben des Grazers habe die Polizei etwa 20 Computer, externe Festplatten, USB-Speicher, Spielekonsolen, Tablets und Smartphones beschlagnahmt. Auf dem LKA-Graz hätten die Beamten Weber die IP-Adresse eines der TOR Exit Nodes gezeigt, welche ihm für den entsprechenden Zeitraum zugeordnet gewesen sei. Der Grazer habe den Beamten daraufhin erklärt, was Tor genau ist - "plötzlich waren sie deutlich freundlicher zu mir. Vielleicht verstanden sie, dass diese keinen Kinderporno-Produzenten im Büro sitzen haben", so Weber.

"Ich glaube an freien Informationsfluss"

"Ich glaube an freien Informationsfluss", erklärt Weber auf die Frage wieso er das TOR-Netzwerk unterstütze, "aber hauptsächlich betreibe ich diese um es Menschen, welche nicht dieselben Chancen haben wie wir, möglich zu machen unzensierten Zugang, ohne jeglichen Einfluss von Regierungen, zum Internet zu haben." Während Tor in den USA legal ist, sei die Rechtslage in anderen Ländern wie Deutschland nicht so eindeutig.

Spendenaufruf

Weber geht davon aus, dass er weiterhin überwacht werde und rechnet in weiterer Folge mit einer Festnahme. Im Fall einer Verurteilung wegen Besitzes von Kinderpornografie drohen ihm bis zu zwei Jahre Haft, bei Weitergabe bis zu drei Jahre. In einem weiteren Blog-Eintrag bittet der Grazer um Spenden für die Anwaltskosten, die er auf 5.000 bis 10.000 Euro schätzt. (red, derStandard.at, 30.11.2012)

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