Japan schnürt milliardenschweres Konjunkturpaket

30. November 2012, 17:09
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Maßnahmen in der Höhe von elf Milliarden Euro wurden beschlossen, 80.000 Arbeitsplätze sollen entstehen

Neu-Delhi / São Paulo / Tokio - Kaum ein Land spürt konjunkturelle Abkühlung so schnell und schmerzhaft wie die Exportnation Japan. Nach einem kräftigen Rückgang der Ausfuhren und einer zusätzlich gedämpften Inlandsnachfrage droht das Land in die Rezession zurückzufallen. Die Wirtschaft schrumpfte bereits im dritten Quartal und könnte gegen Jahresende weiter einbrechen.

Die japanische Regierung unter Premier Premierminister Yoshihiko Noda will daher ein neues Konjunkturpaket auflegen. Das Kabinett beschloss am Freitag ein Konjunkturpaket in Höhe von 880 Billionen Yen (rund 8,2 Milliarden Euro) aufzulegen. Damit sollen unter anderem 80.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und kleine und mittlere Betriebe finanziell unterstützt werden. Bereits im Oktober hatte die Regierung eine umgerechnet 7,2 Milliarden Euro schwere Konjunkturstütze beschlossen.

Die japanische Wirtschaft verliert deutlich an Fahrt, seitdem die Auswirkungen des Wiederaufbauprogramms nach der Tsunamikatastrophe nachlassen. Die OECD prognostiziert dem Land im kommenden Jahr nur ein minimales Wachstum von 0,7 Prozent. Dass die Regierung derzeit bereitwil- lig Konjunkturprogramme auflegt, liegt allerdings auch an den bevorstehenden Parlamentswahlen am 16. Dezember. Nodas Herausforderer, der Chef der Liberaldemokratischen Partei (LDP), Shinzo Abe, hat für den Fall seines Wahlsieges wiederholt eine starke Ausweitung der staatlichen Hilfsprogramme für die Wirtschaft in Aussicht gestellt. Er ist in aktuellen Umfragen vorn.

Abe hat versprochen, im Falle seiner Wahl die japanische Notenbank stärker in die Pflicht zu nehmen. Eine lockerere Geldpolitik, etwa durch Ankündigung eines höheren Inflationsziels, soll den hohen Yen schwächen, der die Exporte belastet.

Schwellenländer straucheln

Doch auch bei den aufstrebenden Volkswirtschaften stehen die wirtschaftlichen Zeichen auf Stopp. Die größte lateinamerikanische Volkswirtschaft, Brasilien, ist im dritten Quartal gerade einmal mit 0,6 Prozent gewachsen. Volkswirte waren im Schnitt vom Doppelten ausgegangen. Doch die Unternehmen haben ihre Investitionen um zwei Prozent zurückgefahren, das Wachstum im zweiten Quartal wurde auf 0,2 herunterrevidiert. "Die Zahlen sind wirklich enttäuschend. Sie zeigen, dass der Stimulus für die Wirtschaft nicht den erhofften Effekt zeigt", sagt Jankiel Santos, Chefökonom von BES Investimento in São Paulo.

Die Regierung sei aber nicht ganz unschuldig an der Wachstumsmisere. Denn das undurchsichtige Regulierungsdickicht und die hohen Steuern würden Investitionen von Unternehmen abwürgen. Zudem sei die hohe Währung als Grund für das schwache Wachstum in Brasilien bereits weggefallen. Der brasilianische Real hat in den letzten zwölf Monaten zehn Prozent gegen den Euro und knapp 13 Prozent gegen den US-Dollar abgewertet.

Auch Indien leidet unter einer Wachstumsflaute. Im dritten Quartal ist das Land um nur 5,3 Prozent gewachsen, 2012 werde es daher so langsam wachsen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Indiens Wirtschaft wird gerade auch durch die schwache Nachfrage aus Übersee gedrückt, seit sechs Monaten fallen die Güterexporte bereits, die Industrieproduktion ist zuletzt sogar geschrumpft. (sulu, szi, Reuters, DER STANDARD; 1./2.12.2012)

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    Die Kauflaune der Japaner ist gedämpft.

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