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vergrößern 615x769"Hausherrin" Patrice Fuchs in ihrem Refugium.
vergrößern 750x539Kaffeehaus inside.
vergrößern 750x1000Vintage aus Japan.

Fuchs' jüngstes Baby - das Magazin "Familie rockt!"
vergrößern 750x701Die Fassade des Pop Shop in der Wiener Stiegengasse.
Langsam wippt die Dame des Hauses im weißen Schaukelstuhl hin und her. Ihr Teint ist blass; Haar, Hose und Pullover sind pechschwarz. Sie kredenzt Melange in weiten Tassen, schwedische Schokolade ("Die, die es bei Ikea nicht mehr gibt!"), im Hintergrund plätschert der Housebeat. "Wenn ich ein neues Projekt angehe, sehe ich zuerst ein Bild vor mir", sagt Patrice Fuchs. "Ich sehe mich in einer bestimmten Situation. Wie ich zum Beispiel in einem weißen Schaukelstuhl in einem Souterrain-Laden sitze."
Der Souterrain-Laden heißt Pop Shop und wurde vor zwei Jahren eröffnet. Er ist bereits das zweite Geschäft der 39-Jährigen - nach einem Store für Schwangerenmode, den sie vor sieben Jahren eröffnet hat.
Vintage unterm Ziegeldach
Der Pop Shop beschreibt sich auf seiner Webseite als "Wiens kleinster Konzeptstore" - man könnte den Laden in der Stiegengasse nächst der Gumpendorferstraße auch einfach hip nennen. Auf knapp 60 Quadratmetern gibt es hier unterm Ziegelgewölbe Vintagekleider, Streetwear, Vinyl aus zweiter Hand, Popliteratur und Geschirr aus Dänemark und Schweden. Und natürlich die Schokolade, die es bei Ikea nicht mehr gibt. Eine steile Treppe führt von der Gasse ins Innere des tiefergelegten Geschäfts, das wie eine Mischung aus Kaffeehaus, Krämerladen und Fashion-Store wirkt.
Hättiwaris Antithese
Auch Patrice Fuchs lebt den Widerspruch, der bei näherer Betrachtung keiner ist. Die studierte Psychologin und ehemalige ÖH-Vorsitzende hat zwei Kinder, Lenard und Friederike, 13 und sieben Jahre alt. Die beiden haben nicht denselben Vater.
Vor einem Monat hat Fuchs ein Familienmagazin aus dem Boden gestampft. Kein billig gemachtes Fanzine auf schlechtem Papier, sondern ein richtiges Magazin, mit Fotos in Hochglanz und 65 Seiten stark. Es heißt "Familie rockt!" - genau wie das Blogportal von Patrice Fuchs, das sie auch nebenbei betreibt. Patrice Fuchs hat fast alle Texte im Magazin selbst geschrieben.
Sie hat weder geerbt noch reich geheiratet - ihr Mann ist Kamera-Assistent und steht an zwei Tagen der Woche im Pop Shop. Es gehe sich irgendwie aus, erzählt Fuchs, wenn man klug umschichtet und nicht zu viel Wert auf teure Statussymbole legt.
Sozialisation auf Schwedisch
Fuchs Mutter ist Schwedin, ihr Vater, ein Österreicher, war zehn Jahr lang zugereister Schwede. Mit Mitte zwanzig hatten die beiden drei Kinder, fertig studiert und eröffneten ihr zweites Restaurant in Göteborg. "Es beeinflusst einen als Kind natürlich, wenn man so händige Eltern hat," sagt Patrice Fuchs und rührt im Kaffee. Das schwedische Wort "händig" heißt geschickt, flink, gewandt.
Es ist für Fuchs selbstverständlich, die Dinge anzupacken, ohne lange zu zögern. Und umzusetzen, was sie sich wünscht. Sie hat es nie anders gelernt. Sie ist gewissermaßen die Antithese zum sprichwörtlichen Hättiwari.
Fuchs ist die ersten sieben Jahre ihres Lebens in Schweden aufgewachsen. Auch der dortige Umgang mit Kindern hat sie geprägt: "Die Alltagskultur in Schweden ist sehr kindgerecht und kinderfreundlich. Dafür passen Eltern aber ihr Lebenskonzept weniger den Kindern an." Man lebe in Schweden auch mit Kindern sein Leben weiter und lasse sich nicht so einschränken wie in Österreich.
"Die Kinder sind überall dabei"
Schweden hat nicht nur eine der höchsten Geburtenraten Europas, 90 Prozent der Schwedinnen mit Kindern im Vorschulalter sind berufstätig. In keinem anderen europäischen Land gibt es mehr berufstätige Mütter. Das liegt nicht zuletzt an der umfassenden Kinderbetreuung, den Ganztagsschulen und kinderfreundlichen Arbeitsplätzen für Frauen.
Und an der generellen Einstellung zu Kindern. Patrice Fuchs: "Kinder sind in Schweden überall dabei, sie werden als Bereicherung und nicht als Belastung gesehen, man macht kein großes Aufsehen um sie", sagt sie und sucht nach einem Vergleich: "Es ist eher wie eine Freundschaft."
Strukturiertes Chaos
Perfektionismus sei ihr fremd, sagt Patrice Fuchs, und wie sie da im Schaukelstuhl knotzt, glaubt man ihr das sofort. "Durch diesen Unperfektionismus bringe ich sehr viel unter. Nicht perfekt zu sein ist sehr effizient." Der Wäscheberg daheim erreiche manchmal astronomische Ausmaße. "Dafür kriege ich mehr Mails geschickt."
Fuchs lebt das strukturierte Chaos - auch in der Familie. Und das Patchwork. Die beiden Kindsväter verstehen sich gut, alle sind befreundet, Sohn Lenni ist drei Tage die Woche bei seinem Vater, von "Kernfamilie" keine Spur.
Hier herrscht heile Welt
Was sie antreibt? "Ich mache das alles vor allem für mich", sagt Patrice Fuchs. "Und weil ich produktionssüchtig bin. Es macht mir unglaublichen Spaß, ein Geschäft zu beleben und Dinge zu gestalten." Das sieht man. Der Pop Shop ist liebevoll eingerichtet, mit viel Blick für Details, fast ein wenig verspielt. Ein bisschen herrscht hier heile Welt.
"Kinder helfen einem dabei, geistig flexibel zu bleiben, mitzudenken, jung zu bleiben", sagt Fuchs. "Mein 13-jähriger Sohn Lenni bringt mich zum Beispiel oft mit neuer Musik in Kontakt." Was Lenni sagt, wenn man ihn nach dem Beruf seiner Mutter fragt? Patrice Fuchs lacht. "Er würde wohl sagen: Die ist nicht ganz bei Trost." (Lisa Mayr, 2.1.2013, derStandard.at)
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"Kinder sind in Schweden überall dabei, sie werden als Bereicherung und nicht als Belastung gesehen, man macht kein großes Aufsehen um sie"....
Man macht kein grosses Aufsehen um sie ist glaube ich die grösste Ursache. Mütter oder Vater gebährden sich nicht wie Menschen, die superaussergewöhnliches leisten und daher jeder andere bei jedem poups ihrer Kinder zu Kreuze kriechen muss... Man hilft, weil man gerne hilft und nicht, weil unterschwellig alle umgebenden nicht Kinder bei sich Haber als untergebene Dienstboten angesehen werden.
Fantastisches Konzept, gratulation!
Und klar ist: wessen Eltern Unternehmer waren und man positive Erfahrung damit hat, ist man persönlich im Vorteil, wenn man was aufbauen will.
statt Hättiwari Antithese.
Ein Lob auf das Hättiwari!
Das Binihabi ist konkret, exakt und bodenständig. Es hatt beide Beine nicht auf dem Boden sondern im Boden, tief einzementiert, betonpatscherlmäßig.
Das Hättiwari besteht voller Möglichkeiten die zu Wirklichkeiten werden können oder auch nicht oder zu ganz anderen.
Binihabi muss sagen: ja oder nein und wenn - dann. Es ist strikt der linearen Kausalität, also dem Denken der frühen Aufklärer verhaftet.
Streng aber langweilig.
Hättiwari ist moderne Quantenphysik wo die Wellen sich hüten, ausschliesslich Teilchen zu werden und lieber beides gleichzeitig sind.
Liebe Userin/lieber User,
Danke für Ihr Feedback. Mir ist bewusst, dass ein Portrait dieser Art am schmalen Grat zwischen journalistischem Bericht und Bewerbung wandelt.
Allerdings muss es meiner Meinung nach möglich sein, herausragende, besonders kreative oder "unkonventionelle" Persönlichkeiten und ihr Tun der Öffentlichkeit vorzustellen - auf die "Gefahr" hin, damit auf ihr Werk ein positives Licht zu werfen.
Seien Sie versichert, dass zwischen der Porträtierten und derStandard.at keinerlei geschäftliche Verbindung besteht. Man könnte sogar anmerken, dass ein Familienressort "geschäftsschädigend" handelt, wenn es Plattformen vorstellt, die unter Umständen ein ähnliches "Publikum" ansprechen.
Beste Grüße, LM
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