Gesucht: Starke Frauen für das Heer

30. November 2012, 05:30
441 Postings

Das heimische Heer ist eine Männerdomäne, die Frauen verwalten. Das soll sich ändern. Im Falle einer Umstellung auf ein Berufsheer werden mehr Soldatinnen gebraucht werden. Und den militärischen Alltag verändern

Mit Frauen beim Bundesheer sei es im Grunde wie mit Bohrmaschinen, erklärt Silvia Angerbauer, Gleichbehandlungsbeauftragte des Verteidigungsministeriums und Leutnant der Miliz, auf einer Podiumsdiskussion der SPÖ am Mittwochabend: Werkzeughersteller seien irgendwann draufgekommen, dass 30 Prozent ihrer Kunden Frauen sind und andere Bedürfnisse haben. "Um konkurrenzfähig zu bleiben, mussten also Frauen eingestellt werden, weil die wissen, wie man die Zielgruppe anspricht", sagt Angerbauer.

Das Bundesheer erbringe die "Dienstleistung Sicherheit" zur Hälfte an Frauen. Die Forderung: dieselbe. Konkrete Pläne, um weitere Frauen anzuwerben, gebe es zwar noch keine, aber Frauen, die bereits Karriere im Heer gemacht haben, werden vom Bundesheer gerne als Sympathieträgerinnen mit Vorbildfunktion eingesetzt. Denn sollte die Volksbefragung am 20. Jänner für ein Berufsheer ausgehen, "brauchen wir dafür Frauen", sagt Angerbauer.

Frauen in der Verwaltung

In einem Bereich kann das Heer schon jetzt mit einer hohen Frauenquote aufwarten: in der Verwaltung. Rund ein Viertel dieser Jobs sind weiblich besetzt. Frauen sind Sekretärinnen, organisieren das Leben der männlichen Offiziere.

Soldatinnen in Uniform gibt es derzeit insgesamt 375 - den höchsten Dienstgrad Oberstarzt haben zehn Frauen erreicht, zudem gibt es einen weiblichen Oberstleutnant des militärfachlichen Dienstes und bei der Truppe eine Soldatin im Rang eines Majors. Die meisten Frauen - 185 - bekleiden Mannschaftsdienstgrade vom Rekruten bis zum Zugsführer.

Dazu kommt: 70 der in der Statistik als Soldatinnen geführten Frauen machen streng genommen keinen militärspezifischen Dienst. Es handelt sich um Sportlerinnen, die beim Bundesheer ein Dienstverhältnis auf Zeit eingehen, um am Heeressportzentrum trainieren zu können.

Chancen auf höheren Frauenanteil

Das von der SPÖ favorisierte "Profiheer" bringe "reelle Chancen auf einen höheren Frauenanteil", heißt es auf Standard-Anfrage aus dem Büro von Verteidigungsminister Norbert Darabos. Er stützt sich dabei auf Zahlen aus Schweden und Deutschland, wo der Frauenanteil nach Abschaffung der Wehrpflicht gestiegen ist. Allerdings erwartete die deutsche Bundeswehr ursprünglich einen Frauenanteil von 15 Prozent unter den Freiwilligen, erreicht wurden in den ersten eineinhalb Jahren bloß sechs Prozent.

In Österreich steht der Wehrdienst seit dem 1. Jänner 1998 Frauen offen - und zwar prinzipiell für alle Funktionen. Die Erfahrungen werden als positiv beschrieben: "Wir haben festgestellt, dass die Motivation etwa bei einem Marsch höher ist, wenn eine Soldatin dabei ist - da will ein Mann nicht aufgeben, wenn die Frau durchhält", schildert ein Offizier die Praxis. Vor allem aber habe er beobachtet, dass die Soldatinnen selber vor allem eines wollen: als normale Soldaten gesehen werden. (Katharina Mittelstaedt, Conrad Seidl, DER STANDARD, 30.11.2012)

Porträt: Soldatin in Karenz

Freiwilliges Soziales Jahr: Maturantin im Dienst

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Vorzeigefrau mit festem Griff und klarem Blick: Eva Berginc ist eine von zwei Hubschrauberpilotinnen im heimischen Bundesheer.

Share if you care.