Erwerbsarmut: Sozialer Sprengstoff

Kommentar29. November 2012, 19:02
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Beschäftigungspolitik allein reicht nicht mehr zur Armutsbekämpfung

Die Zahlen belegen es: Arbeit schützt längst nicht mehr vor Armut. Eine Million Österreicher, das sind rund zwölf Prozent, leben an oder unter der Armutsgrenze. Rund die Hälfte davon - laut Arbeiterkammer 5,4 Prozent - gehören zur Gruppe der "Working Poor". Das sind Menschen, die arbeiten, aber von ihrem Lohn nicht mehr leben können. Niedriglöhne, Teilzeitjobs, prekäre Arbeitsverhältnisse - Tendenz stark steigend.

Langsam sickert es auch ins Bewusstsein der Gewerkschaften: Beschäftigungspolitik allein reicht nicht mehr zur Armutsbekämpfung. Dass die Salzburger AK einen Maßnahmenkatalog, der von der Bildungs- über die Lohn- bis zur Wirtschafts- und Strukturpolitik reicht, vorgelegt hat, ist ein deutliches Zeichen für diese Einsicht.

Gutes mit Gutem vergelten

Eine der daraus abgeleiteten Forderungen ist besonders wichtig: Die Vergabe öffentlicher Gelder in Form von Aufträgen oder Wirtschaftsförderung muss an angemessene Arbeitsbedingungen gekoppelt werden - etwa an unbefristete Dienstverhältnisse statt Leiharbeit und Teilzeitjobs. In der Salzburger Privatwirtschaft hat bereits die Hälfte der Beschäftigten keinen ganzjährigen Vollerwerbsjob mehr.

Mit Klassenkampf anno 2012 hat das übrigens wenig zu tun. Aus dem Maßnahmenkatalog gegen die Zunahme der Erwerbsarmut spricht vor allem die Sorge, dass sich unter dem Deckmantel einer statistisch relativ guten Beschäftigungslage enormer sozialer Sprengstoff bilden könnte. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 30.11.2012)

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