Frühpensionen: Kleine Kniffe, große Wirkung

29. November 2012, 18:58
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Ein Pilotprojekt versuchte, Arbeitnehmer von der Invaliditätspension abzuhalten

Wien - Begeisterungsstürme sind in der Belegschaft keine losgebrochen. " Ich wurde eher belächelt", erzählt Harald Schinnerl. Doch der Unternehmer hat in seinem Metallverarbeitungsbetrieb durchgezogen, was so mancher seiner Bediensteten anfangs als Zwangsbeglückung empfand - und zieht nach fünf Jahren ein zufriedenes Resümee: "Es hat sich gelohnt." Schinnerls Firma zählt zu den 20 Teilnehmern eines Pilotprojekts, das den Kampf gegen die Frühpensionen probte.

Ziel war, die Arbeitsabläufe in Betrieben so zu verbessern, damit nicht mehr so viele Menschen in die Invaliditätspension - im Vorjahr ein knappes Drittel aller Neo-Pensionisten - gehen. Schließlich geben laut Umfragen ein Drittel aller Invaliditätsrentner an, dass sie unter anderen Bedingungen weiter arbeiten hätten können.

Finanziert haben das Projekt mit 1,5 Millionen Euro Pensionsversicherung und Unfallsicherung. Der Erfolg gebe den Investitionen recht, bilanzieren die Generaldirektoren Winfried Pinggera (PVA) und Peter Vavken (Auva) im Verein mit den Projektleiterinnen: In 70 Prozent der Unternehmen habe sich die Arbeitsfähigkeit der Arbeitnehmer verbessert, sodass sie laut Prognose im Schnitt um acht Monate länger im Job bleiben könnten. Bei 20 Prozent hat sich die Situation stabilisiert, nur bei einem Zehntel gab es eine Verschlechterung.

Nervig, aber rentabel

Erreicht wurde dies mit Maßnahmen, die sich mitunter simpel anhören. Schinnerls Bedienstete bekamen eine Reihe von Schulungen, etwa wie man Metalltüren und andere schwere Trümmer richtig hebt. Ältere wurden möglichst von der Knochenarbeit abgezogen und zum Beispiel stärker in der Lehrlingsausbildung eingesetzt. Einem Metaller reichte schon ein Akku-Bohrer statt des alten verkabelten Geräts, um sich den Berufsalltag zu erleichtern.

Ebenfalls neu in dem Handwerksbetrieb, indem vor allem zugepackt wird: " Wir haben begonnen zu kommunizieren." Das habe nicht nur die gegenseitige Wertschätzung gesteigert, berichtet Schinnerl, der noch zusätzliches Geld ins Programm investierte: Er wisse nun auch Bescheid, was die einzelnen Arbeiter bräuchten. Der Aufwand habe im stressigen Alltag zwar manchmal "genervt", sich aber rentiert: Die Krankenstände seien gesunken, die Produktivität gestiegen.

PVA-Chef Pinggera sieht das Projekt als politischen Trendsetter: Die von der Regierung eingeleitete Pensionsreform setze die erprobte Philosophie der Prävention nun im großen Stil um. (Gerald John, DER STANDARD, 30.11.2012)

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