Bachmann-Preis: Abgang mit vielen offenen Fragen

Absolutes Stillschweigen über Zukunft des Wettlesens

Klagenfurt - Angesagt war eine bloße Routinesitzung der Veranstalter des Ingeborg-Bachmann-Preises. Doch mittendrin ließ die Kärntner ORF-Landesdirektorin Karin Bernhard eine Bombe platzen. Michaela Monschein, ORF-Kulturredakteurin und seit elf Jahren Organisatorin und "Herz" des Literaturwettbewerbs, wurde ganz überraschend von ihrer Funktion abgezogen und durch Horst Ebner ersetzt. Der ist - im Gegensatz zu Monschein - kein ausgewiesener Literaturexperte.

Seitdem herrscht absolutes Stillschweigen über die Beweggründe. Bernhard ließ nur verlautbaren, Monschein werde mehr in ORF 1 eingesetzt. Völlig überrumpelt wurden offenbar auch die Bachmann-Jury und der ORF-Partner 3sat. Dort sei man regelrecht "schockiert" gewesen, heißt es. Der Klagenfurter Kulturreferent Albert Gunzer meint nur, man werde Entscheidungen des ORF nicht kommentieren.

Aus dem ORF-Stiftungsrat ist zu hören, dass das Format des Bachmann-Wettlesens einem Lifting unterzogen werden könnte. Es soll fetziger, poppiger, fernsehtauglicher werden - eine Art Castingshow für Literatur.

Ein solcher Versuch wurde bereits 2008 gestartet und scheiterte nicht zuletzt am Widerstand von Monschein, für die es beim Bachmann-Wettbewerb stets nicht primär um Quote und voyeuristisches Ausschlachten, sondern um einen grundsätzlichen Respekt vor dem Schreibenden und dem Geschriebenen ging. 2008 wurde das Wettlesen von drei auf zwei Tage, die Autoren von 18 auf 14 reduziert. Der Bachmann-Preis ist vorerst bis 2013 gesichert. (stein, DER STANDARD, 30.11.2012)

 

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