Bachmann-Preis: Abgang mit vielen offenen Fragen

29. November 2012, 18:35

Absolutes Stillschweigen über Zukunft des Wettlesens

Klagenfurt - Angesagt war eine bloße Routinesitzung der Veranstalter des Ingeborg-Bachmann-Preises. Doch mittendrin ließ die Kärntner ORF-Landesdirektorin Karin Bernhard eine Bombe platzen. Michaela Monschein, ORF-Kulturredakteurin und seit elf Jahren Organisatorin und "Herz" des Literaturwettbewerbs, wurde ganz überraschend von ihrer Funktion abgezogen und durch Horst Ebner ersetzt. Der ist - im Gegensatz zu Monschein - kein ausgewiesener Literaturexperte.

Seitdem herrscht absolutes Stillschweigen über die Beweggründe. Bernhard ließ nur verlautbaren, Monschein werde mehr in ORF 1 eingesetzt. Völlig überrumpelt wurden offenbar auch die Bachmann-Jury und der ORF-Partner 3sat. Dort sei man regelrecht "schockiert" gewesen, heißt es. Der Klagenfurter Kulturreferent Albert Gunzer meint nur, man werde Entscheidungen des ORF nicht kommentieren.

Aus dem ORF-Stiftungsrat ist zu hören, dass das Format des Bachmann-Wettlesens einem Lifting unterzogen werden könnte. Es soll fetziger, poppiger, fernsehtauglicher werden - eine Art Castingshow für Literatur.

Ein solcher Versuch wurde bereits 2008 gestartet und scheiterte nicht zuletzt am Widerstand von Monschein, für die es beim Bachmann-Wettbewerb stets nicht primär um Quote und voyeuristisches Ausschlachten, sondern um einen grundsätzlichen Respekt vor dem Schreibenden und dem Geschriebenen ging. 2008 wurde das Wettlesen von drei auf zwei Tage, die Autoren von 18 auf 14 reduziert. Der Bachmann-Preis ist vorerst bis 2013 gesichert. (stein, DER STANDARD, 30.11.2012)

 

Share if you care
17 Postings
zweierlei maß

es gab doch jahrelang massive kritik an diesem "würdelosen wettlesen", kritik an den "alten säcken" (o-ton peter roos über die bundesdeutschen großkritiker), es werde eine bestimmte mainstream-literatur bevorzugt, manche kritiker schickten ihre unbegabten schützlinge etc.
- und jetzt auf einmal diese krokodilstränen!
wer sich ernsthaft für zeitgenössische literatur interessiert, kommt auch ohne bachmannpreis aus.

ui, die bachmann hätt eine freude mit

österreich sucht den bachmann

Diese Entscheidung wurde doch ganz offensichtlich nicht in Klagenfurt, sondern von der Fernsehintendantin in Wien getroffen, deren Ziel die konsequente rtl-isierung des ORF ist.

Im Übrigen volle Solidarität mit Michaela Monschein, die das Ganze in den vergangenen Jahren ganz vorzüglich gemacht hat.

um gottes willen...

"Es soll fetziger, poppiger, fernsehtauglicher werden

hoffentlich fällt der neuen organisation wenigstens ein anderer name für das spektakel ein

Und was ist am Namen einer Veranstaltung, die nach einer großen Schriftstellerin benannt ist, auszusetzen und warum gibt's für so ein Posting auch noch grüne Strichlein?

möglicherweise weil dieses wettlesen kaum im sinne der namensgebenden dichterin gewesen wäre.

Streamman contest.

Ja, endlich DJ Ötzi und Christl Stürmer als Juroren!

Die Literatur BRAUCHT Castingshows!!!! Jeder, dr für einen Roman länger als 1 Woche braucht, ist eh nicht mehr zeitgemäß - äh - fernsehtauglich!!!! ;))))
Nachdem schon das Theater jährlich bei der "Nestroygala" zur Fernsehshow erniedrigt wird und in den Tiefen einer ohnehin nie erreichten Quote verkommt, ist nun konsequenterweise die Literatur dran... Wie sagte Tucholsky: "Ich kann gar nicht genug essen, für das, was ich kotzen möchte..."

Volle Zustimmung!

Und das Zitat geht auf den Maler Max Liebermann zurück.

Fatal, aber nicht verwunderlich

Dass Entscheidungen dieser Art nicht begründet werden, ist zwar undemokratisch, aber nicht neu. Auch ich habe nie erfahren, warum ich nach zwei Jahren Mitarbeit in der Jury ausgeschlossen wurde. Und die ohnedies problematische Idee des Bachmann-Wettbewerbs wurde bereits beschädigt, seit man das Vorschlagsrecht von den Juroren auf Verlage übertrug, die ihre eigenen Autoren fördern wollen, und die Jury nicht mehr spontan auf unbekannte Texte reagiert, sondern vorbereitete "Rezensionen" vorträgt. Gerechter war es jedenfalls, als die Juroren die gleiche Chance hatten, sich zu blamieren, wie die Autoren.

madl, du hast echt mein herz berührt...

...von mir aus bist due weiter. ein dickes plus von mir, gell
...
ja, also mäderl, echt mal, die performance war ja nicht schlecht, aber hast du den pulli aus der altkleidertonne? ich mein das geht ja nicht, dafür bist bei mir echt raus jetzt. ein minus von mir!
also entscheidet die expertin in der runde, was sagt du, karina?
....
ja, hihi, also als exepertin - weil ich kann ja auch selber lesen, obwohl das vorlesen echt klass ist - muss schon sagen, dass der text..na ja...soviele, wie soll ich sagen...schwere wörter hat, weißt du? ich mein da brauchst ja fast ein lexidingsda, hihi, jetzt fallts ma grad nicht ein wie das heißt, hihi....

skandal!

Frau monschein ist eine sehr versierte Literaturkennerin und ja - sie macht keine Shows! Zum Glück! Der Kärntner Intrigantenstadel hat mal wieder erfolgreich zugeschlagen.

Bitte das veranstaltende

(Bundes-)Land auswechseln.

Wir könnten diese hochgezüchteten, völlig hirnlosen und inkompetenten Ö3-Heinis reinsetzen. Klappt bei anderen "Talent"-Wettbewerben ja auch.

Für fetziger, poppiger

bitte auch konsequenterweise die Jury auswechseln. Raus mit unnötigen LiteraturexpertInnen, rein mit quotenbringenden Großmäulern. Und Jury-Vorsitzender sollte der jeweils regierende Villacher Faschingsprinz sein.

Publikumsvoting per SMS brauchen wir dann auch. Angeblich gibt es da ja schon kulturelle Großereignisse des ORF, bei denen das glänzend funktioniert.

Und dann …

… kriegt ein Hund den Ingeborg-Bachmann-Preis??

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.