Zentralmatura: Pater Thomas' Schule als "Eisbrecher"

29. November 2012, 18:19
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Stiftsgymnasium St. Paul bietet als erste und bisher einzige Schule 2014 die neue Matura an

Wien - Die Zentralmatura ist nach Protesten von Eltern-, Lehrer- und Schülervertretern quasi in eine Art Eismeer geraten und wurde um ein Jahr auf 2015 für AHS und 2016 für BHS verschoben. Vom Kärntner Lavanttal aus aber wird ein "Eisbrecher", wie Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) am Donnerstag freudig mitteilte, starten und die neue Matura "im Vollmodus" wie ursprünglich geplant bereits 2014 realisieren: das von Benediktinern geführte Stiftsgymnasium St. Paul.

Dort wird die derzeitige 7A-Klasse mit 28 Schülern eine wissenschaftliche Arbeit und drei bzw. vier zentral vorgegebene schriftliche Klausuren schreiben sowie zwei bis drei mündliche Prüfungen ablegen. Warum? "Wir haben das nicht als Eliteschule gemacht", sagte der Direktor der katholischen Privatschule, Pater Thomas Petutschnig, aber im Zuge der laufenden Vorbereitung habe man das Gefühl gehabt: "Wir kennen uns eigentlich so weit aus ..." - also machen! Aber nicht ohne mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern, Eltern und im Lehrerkollegium ausführlich darüber zu reden. Im Schulgemeinschaftsausschuss haben sie für die Zentralmatura gestimmt.

Gute Information für die Schüler sei ihm besonders wichtig, sagte Petutschnig, der sein Verständnis so umschrieb: "Schule kommt von Schüler, sonst müsste sie Lehre heißen. Es ist keine Anstalt für Lehrer." Als Privatschule sei man "nicht auf Ihrer Gegenseite", sagte er zu Ministerin Schmied: "Wir wollen ganz ideologiefrei das Gute in der Bildung vorantreiben."

Pater Thomas macht selbst mit, denn er unterrichtet die betroffene Maturaklasse in Deutsch und sagt: "Ich lasse euch nicht allein." Schulsprecherin Julia Aichholzer, selbst angehende "Zentralmaturantin", bestätigte, dass sich die Schüler "in jeder Hinsicht vorbereitet" fühlen: "Wir sehen keine Probleme mit der neuen Matura."

Altes Recht für ganzen Tag

Weniger problemlos läuft es in der Koalition in Sachen Ganztagsschule. Schmied, die das Verhalten der ÖVP in dieser Frage "recht abwechslungsreich" nennt, rechnet aber wie zuletzt ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf auch damit, dass der Ministerrat am Dienstag den Ausbau ganztägiger Schulformen beschließen wird. Ihr Wunschmodell, dass Ganztagsbetrieb auch ohne Zustimmung der Lehrer eingerichtet werden kann, hat sie aber mangels Erfolgsaussichten vorerst abgeschrieben: "Ich denke nicht daran, die Rechtslage zu verändern", sagte Schmied: " Wenngleich für mich das Votum der Eltern entscheidend sein sollte." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 30.11.2012)

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    Claudia Schmied mit Pater Thomas Petutschnig.

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