Weihnachtsgeld: Wer hat wann Anspruch?

3. Dezember 2012, 09:40
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Wer in den Genuss einer Sonderzahlung kommt und wer durch die Finger schaut, erklärt eine Arbeitsrechtsexpertin der AK

In den Genuss kommen viele, aber bei weitem nicht alle. Die Rede ist vom 13. Gehalt, auch als Weihnachtsgeld bekannt. "Einen gesetzlichen Anspruch gibt es nicht", erklärt Irene Holzbauer, Arbeitsrechtsexpertin der Arbeiterkammer Wien. Ansprüche leiten sich von den jeweils gültigen Kollektivverträgen ab. Genauso wie beim Urlaubsgeld. Kollektivverträge sind branchenspezifisch, nicht alle Arbeitsverhältnisse sind umfasst. Freie Dienstnehmer schon gar nicht, die schauen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld meist durch die Finger, da für diese kein Kollektivvertrag gilt. Freie Dienstnehmer können im Arbeitsvertrag einen Anspruch auf Weihnachtsgeld vereinbaren, sind dabei aber von der "Großzügigkeit" der Firmen abhängig. Ein Recht besteht nicht.

Höhe orientiert sich am Grundgehalt

In welcher Höhe Arbeitnehmern das Weihnachtsgeld zusteht, lässt sich nicht generalisieren. Bei den Angestellten sehen die meisten Kollektivverträge vor, dass die Weihnachtsremuneration in der Höhe eines Monatsgehalts bezahlt werden muss. Als Orientierung dient das Grundgehalt. Überstunden und Provisionen werden normalerweise nicht eingerechnet. Die Einbeziehung der Überstundenpauschale etwa müsste vertraglich extra vereinbart werden. Bei den Arbeitern kommen viele unterschiedliche Regelungen zur Anwendung, so Holzbauer zu derStandard.at: "Manche Kollektivverträge sehen drei bis vier Monatslöhne als Weihnachtsgeld vor, oft auch einen höheren Anspruch verbunden mit einer längeren Betriebszugehörigkeit." Es gibt aber auch Kollektivverträge mit der Regelung, dass das Weihnachtsgeld um 15 Prozent höher als der kollektivvertragliche Monatslohn sein muss. Um Unklarheiten zu beseitigen, empfiehlt sich ein Blick in den Kollektivvertrag.

Wann ist es fällig?

Neben der Höhe ist auch die Fälligkeit im Kollektivvertrag verankert. Im Handel beispielsweise muss das Geld bis 1. Dezember ausbezahlt werden, für die Beschäftigten im Gastgewerbe ist das Weihnachtsgeld mit der November-Auszahlung, spätestens am 15. Dezember fällig. Metaller müssen es mit dem Ende der Arbeitswoche, in der der 1. Dezember fällt, erhalten.

In den meisten Fällen richtet sich der Anspruch auf Sonderzahlungen nach dem Kalenderjahr und nicht nach dem Arbeitsjahr. Jene, die nicht am 1. Jänner den Job antreten, bekommen nicht den vollen Bezug, sondern werden anteilsmäßig bezahlt. Je nach Eintritt in die Firma. Scheidet man während des Jahres aus dem Betrieb aus, haben Angestellte das Recht auf den aliquoten Anteil des Weihnachtsgeldes. Arbeiter sind in diesem Punkt schlechter gestellt als Angestellte. Bei ihnen ist es oft auch davon abhängig, wie das Dienstverhältnis beendet wurde. Bei einer Entlassung zum Beispiel verlieren Arbeiter den Anspruch.

Geld auch für geringfügig Beschäftigte

Auch geringfügig Beschäftigte - Bruttoverdienst bis zu 376,26 Euro pro Monat - erhalten Weihnachtsgeld, wenn für diese ein Kollektivvertrag gilt. Genauso wie Teilzeitbeschäftigte, bei denen noch eine Sonderregelung zum Tragen kommt. Bei ihnen sind regelmäßig geleistete Mehrstunden, die monetär und nicht in Form von Zeitausgleich abgegolten werden, bei der Berechnung des Weihnachtsgeldes zu berücksichtigen. "Wenn Teilzeitbeschäftigte Monat für Monat unterschiedlich viel verdient haben, da unterschiedlich viele Stunden gearbeitet wurden, dann muss beim Weihnachtsgeld ein Durchschnitt der Gehälter der letzten drei Monate zur Auszahlung gebracht werden", erläutert Holzbauer: "Dasselbe gilt auch beim Urlaubsgeld im Sommer."

Falls das Weihnachtsgeld zu spät kommt, sollte es eingemahnt werden, rät die Arbeiterkammer. Entweder über den Betriebsrat oder in schriftlicher Form, direkt an den Dienstgeber adressiert. Sollte das Urgieren keine Wirkung zeigen, kann der Anspruch mit Rechtsschutz der AK auch eingeklagt werden. (Oliver Mark, derStandard.at, 3.12.2012)

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    Beim Weihnachtsgeld variieren Höhe, Fälligkeit und der Kreis der Anspruchsberechtigten.

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