Das virtuelle Mobilfunknetz aus dem Burgenland

I-New erhielt Großauftrag des Mobilfunkers Virgin Mobile - Ex-Telekom-Chef Boris Nemsic an Firma beteiligt

Wien - Wer oft bei derselben Tankstellenkette tankt, bekommt Guthaben auf seinem Handy gutgeschrieben. Diese Marketingmaßnahme habe die Kundenbindung eines türkischen Betreibers mehr als verdoppelt. Ganze Familien könnten dort, wo Handyverträge in Relation zum Wohlstand weniger günstig sind als in Österreich, mit dem Benzinverbrauch eines Autos telefonieren.

Technik für Untermieter in Mobilfunknetzen

Peter Nussbaumer erzählt mit solchen Beispielen von seinem Geschäftsfeld. Sein in Mattersburg in Burgenland ansässiges Unternehmen I-New liefert eine Technik, mit der die Untermieter in Mobilfunknetzen, also sogenannte virtuelle Netzanbieter, auf die gemietete Infrastruktur zugreifen können.

Nicht nur Mobilfunkdiskonter gehen mit gemieteten Netzen und günstigen Preisen auf den Markt, künftig werden auch Banken, Versicherungen oder Supermarktketten als Mobilfunkprovider auftreten, ist er überzeugt. Die britische Tesco würde bereits Kunden in ihrer Umgebung über günstige Gemüseangebote informieren. Für günstiges Telefonieren muss man gezielte Werbung in Kauf nehmen - Datenschützer werden nicht gerade Freude mit der Entwicklung haben.

Virgin Mobile

Im Moment macht I-New Geschäft in Südamerika. Virgin Mobile, Pionier unter den virtuellen Mobilfunkanbietern, startet seinen Prepaid-Dienst am Montag in Kolumbien. Wie zuvor in Chile beliefern die Burgenländer den Konzern des britischen Milliardärs Richard Branson mit virtueller Mobilfunktechnologie. Nächstes Jahr sollen weitere Länder, inklusive des Millionenmarkts Brasilien, an die Reihe kommen.

Man habe nicht lockergelassen und der Termin sei eine Gefälligkeit von Virgin gewesen, erinnert sich Nussbaumer im Standard-Gespräch. "Sie wollten, dass wir präsentieren und uns dann nie wieder sehen." Aber noch beim ersten Termin gab es den Zuschlag. Die Kunden seien gewohnt gewesen, dass die Dienste einer virtuellen Mobilfunktechnologie, von der Abrechnung über die Mobilbox bis zur Callcenter-Software aus mehreren Anlagen verschiedener Anbieter bestehen und viel Raum und Implementierungszeit benötigen. Der Vorteil von I-New: Alles sei auf eine Plattform gepackt. Die Technik des gesamten Betreibers passe in einen größeren Kasten und werde in wenigen Monaten geliefert.

60 Mitarbeiter

Der Effekt: Täglich kämen zwei Anfragen herein, der Umsatz betrug im Vorjahr 4,2 Millionen Euro. Heuer soll es doppelt so viel sein. I-New beschäftigt mittlerweile 60 Mitarbeiter. Qualifizierte zu finden, die auch Einsatz bringen, sei nicht leicht, immerhin sei aber die Fachhochschule Eisenstadt eine "Fundgrube".

Weiteres Geschäft bahnt sich in Österreich an. Wenn die Orange-Übernahme durch Hutchison ("3") durchgeht, wird der Konzern sein Netz für UPC als virtuellen Anbieter öffnen. Hutchison selbst hat es vor dem Netzausbau auch so gemacht, die Chinesen mieteten sich bei A1 ein. Man sei diesbezüglich bereits "in intensiven Gesprächen", sagt Nussbaumer, der überlegt, selbst als virtueller Anbieter aufzutreten. "Das wird kommen." Grenzenlos scheint das Geschäft, wenn einmal Maschine mit Maschine kommuniziert und vom Auto bis zur Straßenlaterne alles "im Web hängt". (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 29.11.2012)

 

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