Besser auf die bewährte Art

  • Clint Eastwoods neueste Rolle, hier mit Amy Adams in einer Szene aus "Back in the Game": ein mürrischer Baseball-Scout, der mit der Gegenwart hadert.
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    foto: keith bernstein/warner bros.

    Clint Eastwoods neueste Rolle, hier mit Amy Adams in einer Szene aus "Back in the Game": ein mürrischer Baseball-Scout, der mit der Gegenwart hadert.

Clint Eastwood kämpft in Robert Lorenz' Sozialmärchen "Back in the Game" auch gegen den Lauf der Zeit

Wien - Von Godard gibt es den Satz, dass jeder Spielfilm auch ein Dokumentarfilm über seine Darsteller ist. Das gilt für Clint Eastwood in besonderem Maße, ist er doch der erste Schauspieler, der seinen Alterungsprozess kontinuierlich selbstironisch thematisiert. Auch als Baseball-Scout Gus Lobel: Da begegnen wir ihm zum Einstieg am Klo, wo das Wasserlassen nicht mehr so reibungslos läuft wie in jüngeren Jahren. Nicht auszumalen, welche Szenen uns Clint in Zukunft noch beschert!

Der Eindruck, zu den Dinosauriern zu gehören, spielt in Back in the Game (Regie: Robert Lorenz, ein Langzeitpartner Eastwoods) auch noch in anderer Hinsicht eine Rolle. Gus Lobel, der sein Team noch auf die alte Art beratschlagt - er studiert Zeitungen, fährt in die Provinz, um Talente zu besichtigen, und vertraut seinen Instinkten -, steht auf der Abschussliste. Man will ihn durch Computerstatistiken ersetzen. Außerdem lässt die Sehkraft seiner Augen immer mehr nach - etwas, das der Sturschädel vor seinen nächsten Angehörigen geheimzuhalten versucht.

Es steht also nicht gut um den alten Gus, daher schickt das leider etwas zu sehr auf seine Altbackenheit vertrauende Drehbuch einen Engel, seine hemdsärmelige Tochter Mickey (Amy Adams), zu Hilfe. Stets miteinander hadernd, treten sie letztlich gemeinsam dafür ein, amerikanische Tugenden von Individualität und Erfahrung in durchaus entsprechender inszenatorischer Behäbigkeit noch einmal zu ihrem Recht kommen zu lassen.

Andererseits kann man dieses soziale Märchen schon einer Szene wegen empfehlen: Eastwood, der am Grab seiner Frau mit zittriger Stimme You are My Sunshine intoniert.   (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 30.11.2012)

 

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