Banca d'Italia klagt über "Teufelskreis" bei Zinsen

Interview29. November 2012, 16:58
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Bei geringeren Zinsunterschieden deutscher und italienischer Bonds würde es laut Notenbanker Saccomanni Italien besser gehen

Banca d'Italia Generaldirektor Fabrizio Saccomanni sieht eine positive Konjunkturentwicklung in Italien, sollte sich die Zinsdiskrepanz zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen verringern. Thesy Kness-Bastaroli sprach mit ihm.

STANDARD: Welche Vorteile wird die europäische Bankenunion Italien bringen?

Saccomanni: Die europäische Bankunion wird insgesamt zu mehr Stabilität des Finanzsystems beitragen. Denn sie wird den Teufelskreis unterbrechen, der infolge der wachsenden Zinsdiskrepanz für Staatsanleihen in den verschiedenen EU-Ländern entstanden ist. Diese Unterschiede sind ist auch für die Problematik der Staatsschulden und der Bankenkrise verantwortlich.

STANDARD: Sehen Sie ein Problem darin, dass die EU-Staaten bzw. nationalen Zentralbanken Souveränitat an die EZB abgeben müssen?

Saccomanni: Es handelt sich bei der Frage um eine falsche Grundannahme. Denn die Bildung einer echten europäischen Wirtschaftsunion, mit einer Banken - und Fiskalunion hat Priorität.

STANDARD: Wo liegt der Schwachpunkt des Bankensystems Italiens?

Saccomanni: Die italienischen Banken haben sich in den letzten Jahren als sehr solide erwiesen. Nur eine einzige Bank hat den Stresstest nicht bestanden. Sie haben durch massive Kapitalaufstockungen ihre Kapitaldecke gefestigt. Schwachpunkt ist derzeit der hohe Anteil an Problemkrediten. Die Banca d'Italia hat aber als Bankenaufsicht die italienischen Kreditinstitute zu hohen Rücklagen für die Problemkredite, zu einem rigorosen Kostenabbau aufgefordert. Die Banken sind diesen Forderungen bereits zum Teil nachgekommen.

STANDARD: Die Banca d'Italia wird künftig auch die Aufsicht über das Versicherungswesen haben. Sie sind damit nicht nur für die Banken, sondern auch für die Versicherungen verantwortlich. Geht Italien damit den Weg zur Allfinanz-Aufsicht im Finanzwesen?

Saccomanni: In gewisser Hinsicht, ja. Bereits andere Staaten wie Frankreich und England haben diesen Weg eingeschlagen. Ich sehe auch Synergien. Jedenfalls wird die Versicherungsaufsicht Isvap nicht geschlossen, sondern unbenannt und zur Banca d'Italia transferiert. Die Aufsicht für den Wertpapiermarkt wird aber weiterhin bei der Consob, der italienischen Wertpapieraufsicht, bleiben.

STANDARD: Was macht Banca d'Italia mit ihrer Beteiligung an dem Versicherer Generali? Ist die Gefahr eines Interessenkonflikts vorhanden?

Saccomanni: Wir lassen es keineswegs bis zu einem Interessenkonflikt kommen.

STANDARD: Die OECD sieht für Italiens Wirtschaft auch im kommenden Jahr schwarz und erwartet ein Minus von einem Prozent.

Saccomanni: Ich bin zuversichtlich. Sollte sich die Zinsdiskrepanz zwischen deutschen und italienischen Staatspapieren auf 300 Punkte oder darunter sinken, sehe ich bereits im zweiten Quartal 2013 eine Wirtschaftsbelebung voraus.

STANDARD: Das heißt, die Banca d'Italia wird mit der neuen Kompetenz der Versicherungsaufsicht künftig mehr Arbeit haben?

Saccomanni: Wir haben bereits in den letzten Jahren die Aufsicht über die Finanztätigkeiten im Versicherungswesen gehabt, aber Argumente wie Schadensversicherung oder KFZ-Versicherungen sind für uns neu. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 30.11.2012)

Fabrizio Saccomanni (69) ist seit gut 40 Jahren bei der Bank tätig. Zuerst als Filialleiter in Mailand, später als Verantwortlicher der volkswirtschaftlichen Abteilung. Seit fünf Jahren ist er Generaldirektor der italienischen Zentralbank und neuerdings als Präsident der Versicherungsaufsicht.

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    Die Banca d'Italia geht unter ihrem Generaldirektor Fabrizio Saccomanni den Weg zur Allfinanz- Aufsicht.

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