Was Strasser den Journalisten erzählte, V

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Telefonat, 1. Februar 2011

Was Ernst Strasser (ES) bei seinen Treffen mit den britischen "Sunday Times"-Journalisten Claire Newell (CN) und Michael Gillard (JC) erzählte. derStandard.at liegt das gesamte Gesprächsprotokoll in der beglaubigten deutschen Übersetzung vor, das an dieser Stelle laufend erweitert und veröffentlicht wird. Im Folgenden finden Sie den fünften Teil der Serie:

Strasser Telefonat mit JC, 1. Februar 2011

Strasser: Hallo, Strasser Ernst spricht hier.

Jonathan Calvert: Hallo Ernst, hier spricht John von Bergman Lynch.

ES: Äh ... Pardon? Wer spricht bitte?

JC: John von Bergman Lynch.

ES: Ahhhhh, hallo!

JC: Wie geht es Ihnen?

ES: Schön von Ihnen zu hören.

JC: Sind Sie derzeit in Österreich?

ES: Ich bin in Österreich. Ich bin ganz im Westen von Österreich und habe einige Besprechungen, und ich muss heute zwei Reden halten. Ha.

JC: Ach ja? Dann sind Sie ja beschäftigt. Äh, einer der Gründe meines Anrufs war, dass ich fragen wollte, ob Sie gegen Ende der Woche in Brüssel sein werden, nur damit wir uns auf einen Kaffee treffen können.

ES: Ja, natürlich.

JC: Äh, Donnerstag.

ES: Äh, diesen Donnerstag oder nächsten Donnerstag?

JC: Diesen Donnerstag.

ES: Diesen Donnerstag bin ich in Brüssel.

JC: Ah ... sehr gut.

ES: Nur, nur um...

JC: Ich weiß nicht, um welche Uhrzeit, weil ich meinen Kalender nicht bei mir habe.

ES: Okay, okay.

JC: Aber kann ich Sie dazu morgen anrufen.

ES: Ja, natürlich.

JC: Sagen wir einfach irgendwann am Donnerstag, und dann machen wir uns das aus.

ES: Ja, vielleicht kann ich nachschauen in meinem ... Warten Sie einen Moment, in meinem ... warten Sie .. vielleicht kann ich Ihnen etwas sagen. Das ist der Dritte.

JC: Ja, genau.

ES: Mmmhmmm, der Dritte, ich glaube, wenn es für Sie möglich ist, ich muss, ich muss um circa 14:30 oder so weg.

JC: Mmhm.

ES: Also ich habe einige Besprechungen, aber ich kann (das) ändern, wenn ... Für mich wäre daher vor halb 12 am besten. Um halb 12 habe ich Abstimmungen, da muss ich im Plenum sein.

JC: Gut, also ich sehe in meinem Kalender nach und melde mich dann wieder bei Ihnen, sagen wir, ich schaue dass ich um circa 11 Uhr da bin.

ES: Ja, gut. Aber äh - glauben Sie, dass wir in dreißig Minuten fertig sind?

JC: Äh, wahrscheinlich, äh, nun ja

ES: Weil um halb 12 muss ich im Plenum sein, also muss ich -

JC: Ja, da müssen Sie weg. Ja, es wäre vielleicht einfach, wenn wir circa 10, 10:30 anpeilen, nicht wahr?

ES: Mmmm...

JC: Weil Sie vielleicht mitten drin weg müssten, ja. Nein, da haben Sie recht.

ES: Es würde auch von eins bis halb drei oder so funktionieren.

JC: Von eins bis halb drei, gut. Also schauen wir was die Optionen sind, ähmm. Die andere Sache, die ich Sie fragen wollte, war - weil ich gerade meine Papiere durchsehe - ich habe gerade, äh, den Entwurf Ihres Vertrages zurückbekommen.

ES: Ja.

JC: Und da war nur ein kleiner Punkt. Das - ich sehe, dass sie bezüglich Reisen gesagt haben Business oder Erste Klasse. Machen wir einfach Erste Klasse?

ES: Wie bitte?

JC: Äh, auf dem - was die Reisespesen anbelangt -

ES: Ja.

JC: ..da stand, äh, Business oder Erste Klasse, wir können einfach Erste Klasse machen, wenn Sie wollen.

ES: Nein, Business reicht.

JC: *lacht* Okay, einverstanden. Wir lassen es einfach so wie es ist.

ES: Ja, überhaupt kein Problem.

JC: Gut, okay .. um-

ES: Kein Problem. Sie fahren Erste Klasse, ich fahre Business.

*beide lachen*

JC: Nun, das andere war, erinnern Sie sich, Sie haben mir die äh, Verfahrensregeln für das Europäische Parlament gegeben.

ES: Ja.

JC: Ich bin den Vertrag durchgegangen, und sie haben gesagt, dass alles in Ordnung ist, ich müsse nur mit Ihnen über die Regeln, über die Verfahrensregeln sprechen, und ich bin mir nicht ganz sicher wie wir das in den Vertrag einarbeiten. Und ich habe es gelesen, nur um mich damit vertraut zu machen, und, äh, nun...

ES: Ja.

JC: Und ich meine, soweit ich sehen kann, was es im Wesentlichen sagt, ist dass man eine persönliche, detaillierte Erklärung abgeben muss über die entgeltlichen beruflichen Aktivitäten.

ES: Ja, aber der Vertrag ist nicht mit mir, sondern mit meiner Firma.

JC: Also kann man das so umgehen, weil es Ihre Firma ist.

ES: Ja, ja. Ja.

JC: Und ähnlich, weil es diese Sache gibt über Mitglieder des Parlaments, dass Sie keinerlei Geschenk oder Vorteil annehmen sollten, oder Vorteil, bei der Erfüllung Ihrer Pflichten. Ich nehme an, Vorteile bei der Erfüllung Ihrer Pflichten, ich nehme an, äh, ist das ... ?

ES: Das ist, äh, nicht auf unser Engagement anwendbar. Das ist kein Problem. Das besagt, das jemand kommt und sagt: "He Ernst, ich will dass Du in diesem Fall für das so Deine Stimme abgibst, und gebe Dir eine Woche auf den Malediven."

JC: Ja. *lacht* Ach, ich verstehe, aber

ES: Zum Beispiel.

JC: Aber sagen wir zum Beispiel wir wollten, dass Sie, äh, ich weiß nicht, eine Änderung für irgendetwas einbringen, wenn wir Ihre Firma dafür bezahlen, läuft das nicht auf dasselbe hinaus?

ES: Ja, das ist dasselbe. Das kann ich nicht machen.

JC: Verstehe, okay.

ES: Das kann ich nicht machen.

JC: Also wie, Sie können keinen Änderungsantrag einbringen?

ES: Ja, aber ich kann jemanden finden, der eine Änderung einbringt.

JC: Verstehe.

ES: Und das ist nicht wirklich ein Problem, weil meine Engagements, oder meine Ausschüsse sind (...), der Innenausschuss und der Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten, also in den meisten Fällen, äh, sagen wir, 95 % der Fälle, ist das nicht der Ausschuss, der Sie interessiert.

JC: Nein, nein. Das stimmt absolut. Aber wenn Sie, sagen wir, eine Änderung in einem anderen Ausschuss vorbringen würden.

ES: Ja?

JC: Aber sagen wir, Sie würden eine Änderung in einem anderen Ausschuss vorbringen.

ES: Ja, äh, das ist nicht, ich muss, ich muss ein Mitglied des Ausschusses sein, um eine Änderung vorzubringen.

JC: Aha, verstehe. Aber nicht in allen Fällen, ich meine, es ist schon möglich, es zu machen, nicht wahr? Es ist nur nicht so wirksam.

ES: Es ist nicht, es ist nicht, äh, es ist in keinem Fall hilfreich, weil ich kein Mitglied des Ausschusses bin und ich es nur auf informelle Weise besprechen kann, und, äh, so wie ich es weiß ist es nicht zulässig, Änderungen in einem Ausschuss vorzubringen, in dem man nicht Mitglied ist.

JC: Aha, verstehe, ähm, und dann war noch - und dann bevor man im Parlament spricht, muss man, muss man, muss man wohl jegliche Belange (Interesse) offenlegen, nehme ich an.

ES: Ja, ja.

JC: Also ich nehme wieder an, dass Sie das umgehen, indem der Vertrag nicht mit Ihnen, sondern mit Ihrer Firma abgeschlossen wurde, ja?

ES: Ja, er ist mit der Firma (abgeschlossen).

JC: Ja, also abgesehen davon sehe ich keine, ich sehe keine andere Art von Erfordernis für sie. Ich glaube nicht, soweit ich sehen kann.

ES: Nein.

JC: Ähmm. Nein, ich glaube, das ist eigentlich alles. Ähm, ich meine, es ist ein sehr sehr sehr kurzes Dokument, und legt sonst nicht viel fest, soweit ich-

Es: Nein, das tut es nicht.

JC: Okay ähmm, und das war's schon. Ich ruf Sie morgen wieder an wenn ich weiß, wann wir wo sein werden.

ES: Okay, okay.

JC: ...und wir sehen uns (Sie) am Donnerstag.

ES: Ahhh! Perfekt.

JC: Sehr gut, okay.

ES: Schönen Abend.

JC: Ihnen auch, auf Wiedersehen.

ES: Auf Wiedersehen.

(derStandard.at, 29.11.2012)

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