Musikrundschau mit High Fidelity

29. November 2012, 18:09
  • "Sunken Condos"
    foto: warner

    "Sunken Condos"

Neue Alben von Donald Fagen und Abel Tefsaye alias The Weeknd

DONALD FAGEN Sunken Condos (Reprise/Warner)
Manchmal klingt das Ganze wie der Soundtrack zu den Altersarbeiten von Günter Grass oder Martin Walser. Dabei ist Donald Fagen erst 64 Jahre jung. Mit "Sunken Condos" veröffentlicht die eine Hälfte des bei zynischen Intellektuellen hochangesehenen zynischen US-Intellektuellen-Popduos Steely Dan das erst vierte Soloalbum seiner Karriere.

Fagen sinniert darin auf hohem textlichen Niveau über junge Frauen, den Johannistrieb und darüber, dass es für einen Dinosaurier wie ihn wohl langsam an der Zeit ist, sich in den Jurassic Park zurückzuziehen. Die elegant swingende und groovende Musik ist perfekt produziert. George-Benson-Gitarren nudeln, eine beängstigend klar und rein klingende Toots-Thielemans-Mundharmonika jagt einem die Angst vor dem Sterben den Rücken hinunter. Das Schlagzeug ist nicht von dieser Welt, die schrägen und verqueren Akkorde für die Lieder wurden in geheimen Labors von führenden Strafjazzexperten entwickelt.

Will man so alt werden, dass einem dieser High-Fidelity-Albtraum gefällt - oder ist man es schon?

THE WEEKND Trilogy (Universal)
Warum man drei Alben, die 2011 auf der Homepage des Künstlers als Gratisdownloads erhältlich waren, jetzt als Drei-CD-Box veröffentlicht, mag sich dem zeitgenössischen Hörer zwar verschließen, immerhin aber gesellen sich zu der damals zwischen März und Dezember veröffentlichten, aus den Arbeiten "House of Balloons", "Thursday" und "Echoes of Silence" bestehenden Trilogie nun gezählte drei neue Songs. Das ist nicht nichts.

An der Qualität der Musik des Kanadiers Abel Tefsaye alias The Weeknd ändert das nichts. R'n'B, House und hybrider Hip-Hop auf der Höhe der Zeit. Hier wird mit trotzig-jubilierender Kopfstimme weniger die Euphorie in den Clubs beschworen. Es geht um das Runterkommen von schnellen Drogen, die Einsamkeit und den Hangover danach. Samples zwischen Michael Jackson und Siouxsie and the Banshees inklusive. Das klingt natürlich alles ganz großartig.

Im CD-Format erweist es sich für die Zielgruppe möglicherweise als unnötig. Für Zuspätkommende: Freuet euch, Christkind kommt bald. (schach, Rondo, DER STANDARD, 30.11.2012)

 

Wo soll man dieses Machwerk von Donald Fagen hintun?

Der Sound pendelt zwischen Toto, Chicago, und klassischem Bigbandsound hin und her.
Das Niveau ist wie immer gehoben...aber glattgebügelt ...kann man auch präzise Produziert dazu sagen.

Viel hat sich seit ...The Nightfly...nicht geändert. Die Songstruckturen sind gleich geblieben...allerdings war der Sound aktueller.
Für mich heute zu altbacken...

The Nightfly wurde übrigens bis in die späten 90´von sämtlichen Tontechnikern auf Open Airs verwendet.
Egal ob Floyd, Genesis...oder T. Turner...
Auf meine Frage nach dem Warum....meinte einer...weil es nach wie vor das brilliantest aufgenommene Werk ist...wo man selbst den kleinsten Ton glasklar heraushört...ideal zum einstellen

Das muss einem nicht peinlich sein, wenn man Donald Fagen gut findet. Ernstzunehmendere Journalisten als Christian Schachinger tun das auch.

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