Ultramega OK

Karl Fluch, 29. November 2012, 18:02

Sie haben zwei Lieder. Eines ist zäh drückend, das andere schnell. 16 Jahre Pause haben das nicht geändert. Soundgarden haben sich reformiert und ein neues Album produziert

Der Gesang klingt, als würde Chris Cornells Brustkorb im Schraubstock stecken. Am Hals darüber müssen die Adern hervortreten wie einst an Sylvester Stallones Luftschlauch beim Armdrücken in der unfreiwilligen Komödie "Over the Top". Solcherart am Schnaufen gesteht Cornell, dass er zu lange weg war.

"Been Away Too Long" heißt der Eröffnungssong von "King Animal", dem Comeback-Album von Soundgarden. Es ist ein guter Song. Zwar hat sich die Welt in den 16 Jahren seit dem letzten Album auch ohne Soundgarden weitergedreht, aber der Song kracht. Soundgarden sind nicht zurückgekommen, um im Schaukelstuhl schunkelnd einen lauwarmen Furz als Comeback zu verscherbeln.

An der Peripherie von Grunge erlangten Soundgarden aus Seattle Ruhm und Macht mit der Wiederbelebung des Hardrock, für die eine Punk- und Hardcore-Prägung gerade recht war. Nachdem Hardrock in den 1980ern zu viel Zeit unter der Trockenhaube oder auf Betty Fords Anwesen verbracht hatte, war es an jungen Bands wie Soundgarden, dem lächerlich gewordenen Genre wieder Gefährlichkeit zuzuführen. Statt Dauerwelle, Heroin und Kajal war ein neuer Grind angesagt, und den konnten Soundgarden einbringen.

Nach dem in schönstem Dieter-Bohlen-Englisch betitelten Debüt "Ultramega OK", das die Band noch im Wiener Chelsea vorgestellt hatte, landete Soundgarden schon mit dem zweiten Album "Louder Than Love" bei einem Major und alsbald im Vorprogramm von Guns N' Roses auf der Donauinsel. So schnell konnte es damals gehen.

Es folgten all die Freuden und Verfehlungen im Sog der Grunge-Welteroberung, als alles möglich erschien, bis dann drei, vier Jahre später nichts mehr ging. Zu dem Zeitpunkt hatten Soundgarden ihre Porsches längst in der Garage und machten vernünftig Schluss. Man vertrieb sich die Zeit mit Soloalben oder als Schnarchsäcke ist gleich Audio-slave. Vergeben und zum Vergessen.

Soundgarden neu klingen nun wie Soundgarden alt. Elektronische Beats wie beim finalen Stück "Rowing" hätte es früher zwar nicht gegeben, aber der Rest ist Hausmarke. Erstaunlicherweise wird das der Band jetzt vorgehalten. Originell, wenn man bedenkt, wie wertkonservativ Hardrock ist. Diesen spielen Soundgarden wie immer. Also wahlweise zäh drückend oder schnell. Beschleunigt klingt er besser und jünger und weniger nach Bankdrücken mit zu viel Eisen, aber das ist Kleingeld.

"King Animal" hätte als überambitioniertes Projekt in die Hose gehen können. Das ist nicht passiert. Soundgarden pflegen, was sie können und das machen sie ziemlich gut. (Karl Fluch, Rondo, DER STANDARD, 30.11.2012)

Soundgarden: "King Animal" (Universal)

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riem

früher war alles ...

Mir gefällt es.

Man kann wirklich nicht sagen dass sie sich so abgeschüttet haben wie Van Halen oder Aerosmith. Aber das beste was Cornell nach SoundGarden gemacht hat, bleibt Euphoria Morning. Sein Billie Jean-Cover war auch fein.

da muss man hr. Fluch schon recht geben,
Audioslave war so was von schlechter als ultramega ok und vor allem LOUDER THAN LOVE!!!
war nicht annaehernd so kompakt wie Soundgarden.

ach was.., damals 88 in ebensee hat er mit nacktem oberkoerper vor 40 -50 leuten richtig die sau rausgelassen und ich bin mir sicher das kann er heute auch noch!
uebrigens waren damals beinahe 12000 leute dabei wenn ich mich in linz so umhoere, die meisten waren damals volksschueler oder noch gar nicht auf der welt, aber egal, gut dass es ihnen gefaellt!
LOUD LOVE!!!

1996 soundgarden konzert münchen riem. waiting for the sun - chris' stagedive - fast hätt ich sein micro ergattert, aber der schrank am anderen ende des kabels war stärker. schlägerei zw sg-bassist und roadie inklusive versöhnung auf der bühne. :)

unvergesslich.

Audioslave Schnarchsäcke?

Solch Kommentare erwarte ich eher von einem Troll in den Postings, als von einem Redakteur!
Egal wie der Geschmack ist, machen solch subjektive abwertenden Bemerkungen den Rest einfach unseriös!

Das erste Audioslave Album war DER Knaller - ich dachte damals, Led Zeppelin seien wieder auferstanden - alleine die Gitarrenriffs sind der Wahnsinn.

Nojo... nach 3-maligem Durchhören bleib ich doch lieber bei Superunknown... aber die Westküste Anfang & Mitte der 90er hat eindeutig die beste Musik zum Vorschein gebracht, Alice In Chains, Temple of the Dog, Soundgarden, Mad Season sind bie mir Residents am MP3-Player

Soundgarden waren nie "An der Peripherie von Grunge", sondern es wird wohl niemanden geben, der Grunge nicht über die 4 Großen definiert: Nirvana, Pearl Jam, Soundgarden und Alice in Chains.
Soundgarden und AIC waren der härtere Flügel aber eindeutig prägend für den Grunge.
Die "Schnarchsäcke" Aussage über "Audio-slave" (sic wie peinlich ist denn bitte dieser Bindestrich!) haben andere eh auch kritisiert, aber ich möchte dazu auch ein WTF? einwerfen.

der bindestrich in audioslave stammt aus der abkürzung in der printausgabe, aus der dieser artikel übernommen ist. das hätte man sich eventuell denken können, aber wurscht. und grunge definier ich über green river, nirvana, mudhoney und tad und nicht über pj oder aic, über die ich mich aus in den forumregeln festgelegten gründen nicht näher äußern möchte.
gru
flu

Melvins anyone?
Das man PJ nicht mag, gekauft.
Aber was haben Sie bitte gegen AIC?
Sie können ja versuchen, sich gewählt auszudrücken, dann mundet´s auch der Zense.

eh

klar waren mudhoney und tad früher dran als aic und pj. und musikhistorisch ist das auch relevant. bin ich bei ihnen. dennoch gehören pj und aic, da können sie die beiden kollegenschaften noch so wenig lieb haben, natürlich zur grunge-fraktion. dass sie grunge über ihren geschmack definieren, sei ihnen natürlich aber dennoch unbenommen. sowieso. is halt a bissl so, als würde man dem austropop die herren ambros und danzer unterjubeln, den fendrich aber außen vor lassen. unrichtig, das. aber behaupten lässt sich das. q.e.d.

vor allem weil 2 green river mitglieder später pj gründeten - nach dem etwas sonderbaren zwischenspiel mit mother love bone. rip andy wood.

ich behaupte ja auch nirgendwo, das pj oder aic nicht grunge wären, ich hab ja bloß geschrieben, dass soundgarden an der peripherie waren, was immer noch dabei sein bedeutet, aber halt doch viel mehr zum hardrock tendiert haben als die anderen genannten. buchhalterei ende. ;-)
gru
flu

...

per saldo: liebe grüße.

Das ist dann aber nur Ihrem persönlichen Geschmack geschuldet und musikhistorisch schlicht falsch.
Ich finde die Herangehensweise etwas seltsam, nur die Bands einer Musikrichtung zuzurechnen, die man mag.
Sie waren ja aufgrund Ihres Alters beim Grunge dabei und müssen wissen, dass Pearl Jam und AIC und natürlich Soundgarden dazugehörten. Die haben ja sogar gemeinsame Projekte miteinander und anderen Grunge-Bands gemacht. Das Besondere am Grunge war ja gerade sein Übergang von Untergrund in den Kommerz wodurch er in der Musikindustrie viele Tore auch in andere Genres geöffnet hat für Bands abseits des Mainstreams.

ein blick auf die erstveröffentlichungen aller hier genannten bands zeigt, dass mudhoney und tad früher dranwaren als pj oder aic - und das zählt halt "musikhistorisch" auch.

erscheinungsdaten:

mudhoney: superfuzz bigmuff EP 1989

aic: we die young EP; facelift LP 1990

viel früher waren die von dir genannten also nicht dran. gegründet haben sie sich ungefähr zeitgleich.

pj 1991

früher is früher

unwesentlich früher (6 monate) ist aber nicht der rede wert.

temple of the dog: dezember 88

aha, und welche veröffentlichung dieser erst zwei jahre später gegründeten band soll das sein? ich kenn nur ein album, das aus 91.

stimmt

...aber einen versuch wars wert

Oh Mann...

flu ist nun mal ein Scheidungskind, und seit der Trennung von Green River gehört er eben Mudhoney.

Und dann kommt ihr dauernd mit Pearl Jam daher. Dabei dürfen die ihn nicht mal mehr an Wochenenden sehen!

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