Swisscom-Übernahme der Telecom Liechtenstein verzögert

Vielleicht sind die Kosten doch zu fürstlich. Der Deal wurde vertagt.

Bei ihren Auslandsaktivitäten ist die Swisscom weiterhin nicht vom Glück verfolgt. Die am 11. September angekündigte Übernahme der Telecom Liechtenstein musste nun auf 2013 vertagt werden. Dies berichten mehrere Medien aus dem Fürstentum und der Eidgenossenschaft.

Telecom Liechtenstein steht im Eigentum des Fürstentums und betreibt und vermarktet in Kooperation mit den ebenfalls staatlichen Kraftwerken Festnetz- und Datendienste in Liechtenstein. Außerdem ist sie in der Schweiz als ISP unter den Namen Deep tätig. Bei einer Übernahme durch die Swisscom dürfte rund die Hälfte der etwa 100 Telecom-Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren.

Regierung und Swisscom hatten sich grundsätzlich darauf verständigt, dass die Swisscom 75 Prozent der Telecom Liechtenstein übernimmt. Einen endgültigen Vertrag mit Kaufpreis gibt es noch nicht. Das Kabelnetz sowie Deep sollten aber zuvor ausgegründet und in Liechtensteiner Hand bleiben. Die Telecom schreibt Verluste.

Teure Infrastruktur

Nach Angaben der Swisscom hat sich bei der Prüfung (Due Diligence) der Telecom herausgestellt, dass die zukünfti9gen Kosten des Festnetzes überraschend hoch sind. Nun will die Swisscom eingehender prüfen, warum das so ist, und ob die Kosten durch die Übernahme gesenkt werden können. Dadurch wird der Deal, falls er überhaupt abgeschlossen wird, dieses Jahr nicht mehr ausgehen.

Auf dem Mobilfunk tritt die Telecom als "LIMO" auf. Mangels eigenen Mobilfunk-Netzes greift die Firma auf die Dienste von Orange zurück. Da die Swisscom in Liechtenstein ebenfalls ein Mobilfunknetz hat, würde Orange die LIMO-Kunden wohl verlieren, wenn die Übernahme durchgeführt werden sollte. Orange Liechtenstein gehört zur schweizerischen Orange, die aber nicht mehr zur Orange-Gruppe (France Telecom) gehört sondern dem Finanzinvestor Apax. Dritter Mobilfunker beim kleinsten Nachbarn Österreichs ist die A1 unter den Markennamen FL1.

Die Swisscom hat bereits in der Vergangenheit Festnetz in Liechtenstein angeboten. Sie hat das Netz aber 2003 an das Fürstentum verkauft und könnte es nun, zehn Jahre später, als Teil der Telecom Liechtenstein wieder zurückkaufen. 2004 wollte die Swisscom bei der Telekom Austria einsteigen und hinfort als "Swisscom Telekom Austria" auftreten. Die Verhandlungen scheiterten am Widerstand der österreichischen und schweizerischen Regierungen. Der damalige Finanzministern Karl-Heinz Grasser begrüßte das Scheitern der Verhandlungen ausdrücklich. (dajs, derStandard.at, 29.11.2012)

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