Zwölf Jahre nach Concorde-Absturz: Freispruch für Continental Airlines

29. November 2012, 15:08
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US-Fluggesellschaft und zwei frühere Mitarbeiter nach Verurteilung in erster Instanz freigesprochen

Paris - Spektakuläres Urteil im Prozess um die Concorde-Katastrophe von Paris: Zwölf Jahre nach dem Absturz des Überschalljets hat ein Berufungsgericht den strafrechtlichen Schuldspruch gegen die US-Fluggesellschaft Continental Airlines verworfen. Die Richter sahen es zwar als erwiesen an, dass die Katastrophe durch einen Defekt an einer zuvor gestarteten Continental-Maschine ausgelöst wurde. Dies rechtfertige jedoch keine strafrechtliche Verantwortung, urteilte das Gericht am Donnerstag in Versailles.

Die mittlerweile zum Unternehmen United Continental fusionierte Airline muss demnach lediglich eine Million Euro Schadenersatz an die Concorde-Eigentümerin Air France zahlen. Die französische Gesellschaft hatte zivilrechtlich eine Entschädigung für den erlittenen Imageschaden gefordert.

Beim Absturz des Überschalljets waren am 25. Juli 2000 insgesamt 113 Menschen ums Leben gekommen. Sie wollten mit dem Charterflug der schleswig-holsteinischen Reederei Deilmann nach New York fliegen, um dort eine Kreuzfahrt zu beginnen. Vier der 113 Opfer starben in dem Hotel, in das die Maschine kurz nach dem Start stürzte.

Haft auf Bewährung und Geldstrafe

In erster Instanz hatte ein Gericht der Fluggesellschaft und einem ihrer Mitarbeiter vor zwei Jahren die Hauptverantwortung für den Absturz zugeschrieben. Continental war zu einer Geldstrafe in Höhe von 200.000 Euro, der Mitarbeiter zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Richter folgten bereits damals der These, dass die Concorde beim Start über eine Titan-Lamelle gerollt war, die von einer Continental-Maschine abgefallen war. Dabei platzte ein Reifen der Concorde und Gummiteile beschädigten das Flugzeug. Keine zwei Minuten nach dem Abheben krachte die Air-France-Maschine in das Hotel am Flughafen.

Die Continental-Anwälte hatten in dem Verfahren argumentiert, dass die Concorde bereits gebrannt haben könnte, bevor sie über das Metallteil fuhr. Das Gericht dürfe sich nicht von Mutmaßungen, Gefühlen und Stimmungen leiten lassen, sagte Anwalt Olivier Metzner.

Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen die Erhöhung der Geldstrafe auf den Maximalbetrag von 225.000 Euro gefordert. Sie wollte zudem, dass ein Mitarbeiter der Zivilluftfahrtbehörde DGAC zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wird. Er soll von der Anfälligkeit des Flugzeugs gewusst haben und nicht genügend vor den Risiken gewarnt haben. Das Berufungsgericht hielt diese These für glaubwürdig, lehnte aber eine strafrechtliche Verurteilung aber ab. Es gebe keinen sicheren Kausalzusammenhang zwischen seiner Fahrlässigkeit und dem Unglück. (APA, 29.11.2012)

Wissen: Die Concorde

Die Concorde war das einzige Überschallflugzeug der zivilen Luftfahrt im Dauereinsatz. Das russische Pendant Tu-144 wurde nach wenigen Monaten eingemottet. Eine Reise mit der von British Airways und Air France eingesetzten Maschine konnte sich aber nur leisten, wer für einen Trip von London nach New York umgerechnet mehr als 10.000 Euro übrig hatte.

Etwa 100 Passagiere fanden in dem silbernen Flieger Platz, der mit mehr als zweifacher Schallgeschwindigkeit (2.200
Stundenkilometer) nur dreieinhalb Stunden für eine Atlantiküberquerung brauchte. Die Geschwindigkeit hatte ihren Preis: Die 25 Meter breite und 62 Meter lange Maschine verbrannte 25.600 Liter Treibstoff in der Stunde. Die Katastrophe von Paris läutete das Ende der Flugzeuge ein. Die "Donnervögel" wurden 2003 nach 27 Jahren aus dem Betrieb genommen.

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