Skurriler Rechtsstreit mit Gut Aiderbichl um drei Esel

  • Michael Aufhauser, Besitzer von Gut Aiderbichl (im Bild auf dem Weihnachtsmarkt 2010), hat angeblich 30.000 Euro in die drei Esel investiert.
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    foto: apa/dpa/ursula düren

    Michael Aufhauser, Besitzer von Gut Aiderbichl (im Bild auf dem Weihnachtsmarkt 2010), hat angeblich 30.000 Euro in die drei Esel investiert.

Frau fordert Herausgabe, Besitzer Aufhauser denkt nicht daran

Salzburg/Henndorf/Linz - Am Bezirksgericht Salzburg soll am Freitag (9.00 Uhr, Verhandlungssaal 1) ein skurriler Rechtsstreit um drei Zwergesel zu Ende gehen. Eine Frau aus dem Mühlviertel hat den Tiergnadenhof Gut Aiderbichl in Henndorf auf Herausgabe der Tiere geklagt. Die 57-Jährige sieht sich als die rechtmäßige Besitzerin, was Aiderbichl-Chef Michael Aufhauser ablehnt. Ein Urteil wird es morgen nicht geben: Der Spruch der Richterin ergeht schriftlich.

Bei dem Verfahren geht es um die Frage, wem die Tiere gehören. Im September 2007 kaufte Eva G. zwei Zwergesel von einem Viehhändler frei. Weil sie für "Tina" und "Moritz" krankheitsbedingt nicht sorgen konnte, suchte sie für ihre beiden Schützlinge kurzfristig Asyl. Aufhauser erklärte sich damals bereit, die Tiere direkt vom Händler zu übernehmen. Auf Gut Aiderbichl kam kurz darauf auch Esel-Nachwuchs "Donna-Anna" zur Welt, das Trio entwickelte sich zu Publikumslieblingen. Doch seit drei Jahren fordert G. die Tiere wieder zurück.

30.000 Euro in Esel investiert

"Die Frau hat uns die Esel damals geschenkt", betont Aiderbichl-Chef Michael Aufhauser. "Wir sind weder ein Tierheim noch eine Tierpension. Wir sind ein Gnadenhof, wo die Tiere bis an ihr Lebensende bleiben." So sehr er den Wunsch der Frau verstehe, er habe keine Wahl: "Es widerspricht unseren Statuten, die Esel zurückzugeben. Wir sind kein Einstellbetrieb und können nicht nach Befindlichkeiten entscheiden."

Zumal habe man in die Esel in den vergangen Jahren rund 30.000 Euro investiert. Ein Betrag, der auch den hohen Tierarztrechnungen für den chronisch kranken "Moritz" geschuldet sei. "Er hat eine Hautkrankheit, die man ständig behandeln muss. Es wäre unverantwortlich, Tiere auszuhändigen, die ständige Betreuung brauchen", sagt auch Aiderbichl-Geschäftsführer Dieter Ehrengruber. "Die Tiere waren noch nie bei ihr, sie kennt die Tiere nur wie andere Besucher auch."

Extra einen Stall renoviert

Trotzdem brachte G. im September 2011 Klage ein. Im Mühlviertel renovierte sie - laut ihrem Anwalt um 20.000 Euro - einen Stall. Zudem sollen den Tieren dort 5.500 Quadratmeter Wiese zur Verfügung stehen. "Ich habe die Esel ja nicht gekauft, um sie zu verschenken. Ich habe jemanden gesucht, der mir die Tiere vorübergehend abnimmt. Ich habe nie die Absicht gehabt, die Esel langfristig bei ihm unterzustellen", so die Klägerin, die genau diese Tatsache beweisen muss. Einen Abtretungsvertrag oder andere schriftliche Vereinbarung mit Aufhauser gibt es nicht.

In der letzten, teilweise sehr emotionalen Verhandlung im Juni stand Aussage gegen Aussage. Die von der Klägerin beantragten Zeugen sagten aus, dass keine Schenkung vorlag. Die von Aiderbichl ins Feld geführten Zeugen meinten, G. habe sich früher bei Besuchen stets als "Schenkerin der Esel" vorgestellt.

Videoaufnahmen und Diffamierung

Mit feiner Klinge wird der Streit längst nicht mehr geführt: Aufhauser erzählt, er sei zum Prozessauftakt von zwei Begleitern der Frau mit versteckter Kamera gefilmt worden. G. kontert: Ihr Stall im Mühlviertel wurde von Gut Aiderbichl als Schwarzbau diffamiert. Um die Esel zu bekommen, schickte die Mühlviertlerin sogar Haaranalysen eines Esels an eine Spezialklinik in Deutschland, um Mangelernährung nachzuweisen. Sie kontaktierte auch "Bürgeranwalt" Peter Resetarits und "Krone-Tierlady" Maggie Entenfellner. "Mein ganzes Herz, das Herz der Familie steckt da drinnen", sagt G.

Regelmäßig verfolgt sie über Web-Kameras am Gut mit, wie mit den Tieren umgegangen wird. "Sie versucht uns dort zu treffen, wo es am meisten wehtut, und wirft uns nicht artgerechte Haltung der Tiere vor", sagt Ehrengruber. "Aber wir haben 365 Tage im Jahr offen. Jeder kann sich davon überzeugen, wie gut es den Tieren geht."

Weitere Instanz zu erwarten

Wie auch immer die Richterin urteilen wird: Dass der Verlierer das Urteil in erster Instanz akzeptiert, gilt als unwahrscheinlich. Bis zu einer endgültigen Entscheidung wird G. "ihre" Tiere also weiter nur besuchen können. Daher wird sie wie in den vergangen Jahren alle vier Wochen ihren VW Golf bis zur Decke mit Futterspenden anräumen und nach Henndorf fahren. Stets mit dabei bei der rund zweistündigen Anreise und dem Besuch wird auch ihre 95-jährige Mutter sein. (APA, 29.11.2012)

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Menschliche Geldgier ist einfach verachtenswert

Ich meine, was will sie eigentlich? Und wieviel kostet so ein Esel eigentlich? Wieviel hat die Frau denn ursüprünglich für die Zwei (jetzt mit Nachwuchs wurden es inzwischen Drei) bezahlt?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die für zwei kranke Esel kurz vorm Schlachten damals 30.000.- bezahlt hat, und damals ging es um Tierrettung und da war ihr Gut Aiderbichl gut genug. Jetzt, wo die in Aiderbichl selbst Geld investiert (Tierarzt, Ställe) haben und ein Jungtier da ist, will sie die Tiere wieder zurück - und jetzt geht es m.E. nur um Kohle.

Ich meine, heute bekommt man um 5000.- schon ein junges gesundes Reitpferd! - Und wofür braucht die Frau die Esel? Für einen privaten angedachten Streichelzoo? Und wie finanziell sicher ist der den??

Bei einer angenommenen Widerristhöhe der Esel unter 1,48m bräuchte sie iirc für 3 Esel (3x0,5 GVE) ohnehin 0,75 ha (ÖPUL 2007), sonst sind's sogar 3 GVE -> 1,5ha.

Moralische Siegerin ist die Frau

Frau: Kauft Esel frei und renoviert einen Stall. Die Tiere dort hätten genug freilauf. Als sie krank wird, sorgt sie dafür, dass es den Tieren trotzdem gut geht und diese nicht verkommen - das machen ja auch nicht alle egoistischen Tierbesitzer. Danach möchte sie die Esel wieder zurück - schließlich kann sie die Tiere artgerecht halten und weiß, dass viele Tiere, denen es schlechter geht, gerne auf Gut Aiderbichl unterkommen würden. Positiv.

Gut Aiderbichl: Nimmt Tiere entgegen. Als die Tiere artgerecht anderswo gehalten werden können, verweigert das Gut die Herausgabe und verhindert so, dass andere Tiere, die es dringender nötig hätten, Platz finden. Negativ.

Das mit dem "armen anderen Tieren eine Chance geben" kann man für die Frau genauso sagen. Und sie kann nicht dem Gut einerseits die Tiere vor Jahren schenken weil sie nicht wusste wohin damit - und dann angelaufen kommen und sie wieder zurück wollen, weil sie es sich jetzt nach Jahren leisten (???) kann.

Soll sie doch die Tierarztkosten bezahlen, wie zuvor Gut Aiderbichl! Oder schmälert sich dann der Profit?

Kompromiss ....

...... auch die streitbare Dame am Gnadenhof einquartieren.

Skurril wäre es

Wenn sich die 3 Esel um Aufhauser streiten würden

zum bild

der esel ist links...aber so sicher bin ich mir nicht.

is des net eher so, wenn es keinen Schenkungsvertrag gibt gehören sie auch der Frau.

Wenn ich einen Hund im Tierheim abgebe, weil ich ihn nicht mehr halten kann (!), dann gehört er mir auch nimmer. Und das auch ohne Vertrag.

Solche Art von Tierliebe kotzt mich einfach an. 30 000 Euro in drei Esel zu investieren ist doch krank. Es ist ein Tier sonst nichts. Tiere so zu vermenschlichen ist furchtbar.

Ein Mensch, der seine Mitgeschöpfe nicht als beseelte Geschöpfe betrachtet und sich für was besonderes hält, ist nichts als ein animalisches Raubtier mit etwas größerer Intelligenz. Von "Seele" zeigt ein solcher noch weniger als ein Wurm.

Wie kann man einen Mitmenschen oder ein Mitgeschöpf NICHT helfen, wenn er/es krank ist???? DAS ist für mich krank und abartig, so eine Einstellung!

vor allem gut aiderbichl versteh ich hier nicht... es gibt genug andere notleidende tiere. die esel einfach der wahrscheinlich ohnehin rechtmäßigen besitzerin zurückgeben und neue tierchen aufnehmen und gut ists. seinen guten ruf zu riskieren bringt doch nichts, überhaupt dann, wenn es stark den eindruck macht, als wäre man im unrecht...

Gut Aiderbichl ist kein Tier-Einstellplatz!
Wenn es darum gegangen wäre, hätte sie die Tier sicher bei einem Bauern gegen Geld einstellen können.

Jetzt möchte sie nach Jahren angelaufen kommen und die Tiere zurück, weil sie in Aiderbichl beliebt sind. Geld will sie damit machen, sonst nichts. Soll sie doch die angefallenen Tierarztkosten mal bezahlen!

Rechtzeitig, um die weihnachtliche Spendenfreudigkeit zu nutzen...

gut aiderbichl... der musikantenstadl des tierschutzes.

aber eine gute pr-abteilung haben sie, das muss man ihnen lassen.

militante tierschützer sind oftmals menschenhasser

siehe oben.

Für das Geld, das sie der langwierige Streit kostet, hätte sie sich auch einfach 3 neue Esel kaufen können

Mir sind die Handlungen der Personen völlig unverständlich, wieso wegen 3 Esel streiten wenn ich um weniger Geld 3 neue bekommen könnte und warum gibt jemand 30.000€(!) aus, um ein Tier zu versorgen das chronisch krank ist (also nie genesen wird)?

Einschläfern ist da wesentlich effizienter und mit dem Geld hätten man anderen Tieren (oder Menschen, aber es ist ja ein Gnadenhof) weit mehr helfen können
Von Triage haben die dort offenbar noch nichts gehört

Genau deswegen ist es ja ein GNADENHOF, weil in Aiderbichl Tiere aufgenommen werden, die sonst nirgendwohin können, alt und krank sind usw. Und genau dafür erhält Aiderbichl auch die Spendengelder. Das ist schließlich kein Wirtschaftsbetrieb.

Auch ein Gnadenhof muss mit seinen Resourcen haushalten und auch ein Gnadenhof schläfert natürlich Tiere ein

Zum grössten Teil hast du ja recht aber warum sollte man für ein krankes Tier nicht viel Geld ausgeben ?

Ich hoffe mal du schläferst deine Mutter/Oma auch nicht ein wenns irgendwann mal schlecht aussieht

> warum sollte man für ein krankes Tier nicht
>viel Geld ausgeben ?
Weil die Menge an Geld (Resourcen) begrenzt ist und man es möglichst so einsetzen soll, das der optimale Nutzen gegeben ist

>Ich hoffe mal du schläferst deine Mutter/Oma
>auch nicht ein
Haben sie ein Problem damit Tiere und Menschen zu unterscheiden? Scheint nämlich so

Rechtsschutzversicherung, denke ich mal ...

Leider kann es ja keine "Bulle von Tölz" - Geschichten mehr geben.

Aber diese Story hätte sicher eine gute Vorlage abgegeben:
- Der vordergründig gute Gnadenhofbesitzer, der aber dick im Amigo-Geschäft mit dem Bürgermeister ist
- Zwielichtige Gestalten, die im Auftrag der vermeintlichen Eselbesitzerin das Gut ausspionieren
- Ein Toni Rambold, der ein neues Esels-Eldorado plant
- Der Herr Prälat, der von der Kanzel zum Spenden für die Tiere predigt (er bekommt einen Teil davon ab)
- Mama, die zwischenzeitlich einige Tiere aufnimmt

usw.

und diese Geschichten kann man in ähnlicher Art und Weise von Tölz in jedes x-beliebige andere Dorf auch übertragen...

Zuerst die kranken Tiere einem Gnadenhof übergeben

und wenn sie dann um viel Geld wieder gesundet sind will sie sie zurück. Die Frau dürfte wirklich ein Problem haben.

Wer bitte kauft sich 2 Esel, die er nicht betreuen kann und für die er erst noch einen Stall bauen muss? Allein schon das ist völlig verantwortungslos.

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