Frauenberger: "Deutsch einzufordern ist keine Frage von links oder rechts"

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  • "Die
 Charta muss beweglich sein": Für Stadträtin Sandra Frauenberger 
war das neue Beteiligungsmodell erst der Anfang.
    foto: der standard/regine hendrich

    "Die Charta muss beweglich sein": Für Stadträtin Sandra Frauenberger war das neue Beteiligungsmodell erst der Anfang.

Die Integrationsstadträtin steht aufs Grüßen und will nicht nur Deutsch, sondern auch Mehrsprachigkeit fördern

STANDARD: Was stört Sie persönlich mehr: Wenn jemand mit Kopfhörern in der Straßenbahn oder in der U-Bahn laustark Musik hört oder wenn Sie vor Ihrer Wohnung nicht gegrüßt werden?

Frauenberger: Ich habe einen 15-jährigen Sohn. Diese Kopfhörer-Thematik kann mich nicht aus der Ruhe bringen.

STANDARD: Ein Ergebnis der Charta ist, dass den Wienern höfliche Umgangsformen im Alltag wichtig sind. Glauben Sie, dass sich das in den letzten Jahren verändert hat?

Frauenberger: Die Charta hat die Menschen dazu gebracht, sich hinzusetzen und sich zu überlegen, was die Basics für gutes Zusammenleben sind. Wenn man das angesprochen hat, haben alle in der Runde gesagt: Stimmt! Ich denke, das ist den Wienern wichtig, weil es ein Einstieg ist ins gute Zusammenleben.

STANDARD: Haben Sie die Ergebnisse der Charta überrascht?

Frauenberger: Selbst sehr heterogene Gruppen haben einen Konsens zusammengebracht. Es waren Gespräche, die keinen Ergebnisdruck hatten. Das Gespräch selber war ja schon das Ergebnis. Teilweise sind dann aber konkrete Vereinbarungen entstanden.

STANDARD: Eine relativ konkrete Erkenntnis aus dem Charta-Prozess ist, dass den Wienern wichtig ist, eine gemeinsame Sprache zu haben. Sehen Sie das als Aufforderung, das Deutsch-Lern-Angebot zu erweitern?

Frauenberger: Wir machen das ohnehin ständig. In den Charta-Gruppen war man sich schnell einig, dass alle Deutsch können sollen, aber auch Mehrsprachigkeit war ein Thema. Wir haben bereits ein breites Angebot an Kursen, aber man muss es teilweise noch niederschwelliger gestalten - dort, wo Alphabetisierung ein Thema ist. Ich kenne keinen Migranten, der nicht glaubt, dass Deutsch wichtig ist. Eigentlich sind sich von der ÖVP über die FPÖ über die Roten bis zu den Grünen alle einig, dass Deutsch der Schlüssel zur Integration ist. Wirklich wichtig ist: Wir verschaffen wir den Leuten die Deutschkenntnisse? Und wie können wir Mehrsprachigkeit fördern?

STANDARD: Trotz des Konsens ist ja die Tonalität ziemlich unterschiedlich. Ist es für eine linke Stadtregierung eigentlich schwieriger, Deutschkenntnisse einzufordern, weil man eben nicht so klingen will wie die Rechten?

Frauenberger: Das fällt mir nicht schwer. Es geht ums gemeinsame Zusammenleben aller. Deutsch einzufordern ist keine Frage von links oder rechts.

STANDARD: Das Thema ist schon sehr stark punziert.

Frauenberger: Ja, weil man es nutzt, um populistische Phrasen zu dreschen. Gegen das sind wir vehement.

STANDARD: Sie betonen, die Charta sei nicht als Maßnahmenkatalog zu verstehen. Wie wollen Sie dennoch sicherstellen, dass der Prozess nachhaltig ist?

Frauenberger: Erstens haben wir viel darüber gelernt, wie man so etwas technisch aufsetzt. Vizebürgermeisterin Vassilakou ist ja für Bürgerbeteiligung zuständig, und wir haben mit der Charta die technischen Voraussetzungen dafür entworfen. Inhaltlich wurde die Integrations-Säule Zusammenleben besser aufgestellt, dabei geht es um Dialog und Emotionen. In einer 1,7-Millionen-Einwohner-Stadt, in der rund die Hälfte der Bewohner Migrationserfahrung hat, muss man den sozialen Wandel gestalten. Dazu muss man den Menschen sagen: Leute, das ändert sich nicht. Wir sind mobil, wir müssen mit diesen Voraussetzungen umgehen. Wir wollen das nicht aufhalten, sondern gestalten. Da ist die Charta sicher nur ein Anfang. Und wir müssen sie immer wieder einer Feedbackschleife unterziehen. Die Charta muss beweglich sein. (Bettina Fernsebner-Kokert/Andrea Heigl/DER STANDARD, 29.11.2012)

 

Zur Person

Sandra Frauenberger (46) kam über die Gewerkschaft zu den Wiener Roten. Seit 2007 ist sie Stadträtin für Integration, Frauenfragen, Konsumentenschutz und Personal.

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Einige persönliche Erfahrungen zum Thema "Umgangsformen" - Wie kommt es, dass man ein halbes Jahr lang solche Erfahrungen machen muss?

Im Jänner letzten Jahres hatte meine Frau einen Bandscheibenvorfall. Sie konnte nur noch mit Stock gehen und nicht mehr länger als 5 Min. sitzen, und daher auch nicht mehr Auto fahren.

Da ich keinen Führerschein besitze und meine Frau mit dem Stock nicht alleine öffentlich unterwegs sein wollte, haben wir gute sechs Monate lang ihre Wege gemeinsam mit der Strassenbahn zurückgelegt. Das waren z.B. mehrmals wöchentlich morgendliche Arztbesuche für Infiltrationen, Kontrolltermine bei der Krankenkasse, u.w.m.

Dabei wurde meiner Frau in überfüllten Wagen in den ganzen sechs Monaten KEIN EINZIGES Mal ein Sitzplatz von jemandem angeboten, der augenscheinlich jünger als 40 oder 50 Jahre war. Am häufigsten sind alte Damen für sie aufgestanden (!)

Für die Eliten in diesem Land

ist es sicher recht angenehm soziale Probleme zu ethnisieren.Denn die Ethnie lässt sich nicht so leicht ändern.Also redet man nicht über Verteilungsgerechtigkeit sondern lieber über die bösen Ausländer.Von der bosnischen Putzfrau verlangt man Deutschkenntnisse aber beim Ehepartner von Führungskräften werden die Deutschkenntnisse vermutet.Deutschkenntnisse kann man rechtlich nur von Drittstaatsangehörigen verlangen.Kein Engländer oder Franzose oder Italiener etc muss in Ö dt lernen.
Ein Türke schon.Wenn ein Mutter mit ihrem Kind franz oder engl oder ital parliert regt sich niemand auf, aber wehe es ist türkisch oder arabisch oder persisch.Dann ereifert sich die Blockwartegeneration.Seit 40 Jahren ist Ö. wieder ein Einwanderungsland und

hat es nicht begriffen

wie verschaff ich mir spanisch kenntnisse in mexiko?

das interessiert dort keine sau...wenn ich mich verständigen will/muß/möchte dann hab ich das gefälligst selbst zu lernen...dann kommt die unterstützung von den einheimischen von alleine...so schauts aus. in österreich wurde dieses thema schon nicht richtig in angriff genohmen als wir so um anfang der 60ern die armen teufeln aus bosnien-herzegowina u. dem banat ins land holten damit sie für uns die drecksarbeit verrichten für einen hungerlohn. das wär der richtige zeitpunkt gewesen...arbeitserlaubnis gegen deutschunterricht

den schau ich mir an

der nach vielen Stunden am bau noch die Schulbank drücken kann ohne einzuschlafen.In Mexici wird einem vielleicht geholfen, in Wien freuen sich die Wiener diebisch wenn ihr Dialekt nicht verstanden wird.

alles eine frage der aufbereitung des unterrichtes...

kann man auch für müde noch spannend machen...aber das sollen die experten entscheiden...

Mindestkriterien für einen Daueraufenthalt

Alter unter 45 Jahre zum Zeitpunkt der Antragstellung, Ausbildung oder Studium in einem der aufgeführten Berufe, keine schweren Krankheiten, keine schweren Vorstrafen, Englischkenntnisse, 12/24 und ggf. 36/48 Monate Arbeitserfahrung.

Meine Idee? NEIN!!!
Das gilt für Australien!

Was bei der ganzen Debatte über Deutsch lernen ja / nein vergessen wird: Selbstbestimmtes Leben, die Kenntnis von Rechten und Pflichten, welche Möglichkeiten es im Land gibt, und vieles mehr.

Wer nicht einmal die Sprache beherrscht, oder meint, sich nicht Anpassen zu müssen - wird nie aktiver Teil er Mehrheitsgesellschaft, sondern ein passives Opfer - immer Angewiesen auf Hilfe.

In Deutschland gab es da jetzt ein Urteil: http://www.spiegel.de/politik/d... 69415.html

"dass sich alle auf Dauer in Deutschland lebenden Ausländer zumindest auf einfache Art sprachlich verständigen können".

Und mehr, würde ja auch schon in Österreich nicht erwartet, wie ich meine.

"Das Problem ist nicht die Sprache, das Problem ist der Rassismus und eine Gesellschaft, die auf struktureller Ausgrenzung basiert. Wir leben in einer weißen, deutschen Mehrheitsgesellschaft, in der Ressentiments über MigrantInnen fest verankert sind. Gegen diesen Alltagsrassismus in den Schulen, Behörden, politischen und kulturellen Einrichtungen müssen wir vorgehen und ihn klar benennen. Es muss klar sein: die Debatte über Migration in Deutschland ist durchdrungen von Rassismen und Ausgrenzungsstrategien. Wir wenden uns dagegen....Niemand muss vorher irgendwelche Kompetenzen erwerben, um Teil einer Gesellschaft zu sein, denn die Demokratie ist kein Golfclub."

Aus einer Resolution der Grünen Jugend (BRD)

zum teil richtig daher ein grün...

doch bleibt zu erwähnen dass wenn man in ein fremdes land geht man sich den dort herrschenden regeln unterordnen soll/muß und da gehört auch die sprache dazu

Ich weiß nicht wo du wohnst, ich wohne jedenfalls in Österreich.

Also gibts in meiner Gegend keine deutsche, sondern eine österreichische Mehrheitsgesellschaft. Deutsch ist hier übrigens nur die Amtssprache und kein Hinweis auf die Zugehörigkeit zu irgendeiner "Rasse".

Sind das die, die ihren Kollegen von den Brüsseler Grünen für dessen erschütternden Tatsachenbericht aus einem Brüsseler Migrantenviertel gleich mal als Rassisten bezeichnet haben?

@Kyserkeli, mathias steinlaus

..ist eben nicht in allen Ländern so.. Fahr mal z.B. nach Berlin, dort sprechen die Jungen z.B. Türken perfektes Deutsch, auch untereinander. Nur in Ö wird in der Migrantensprache gesprochen

Und wieso sprechen die das dort alle so perfekt? Kann sein, dass es dort mehr gefördert wird bzw. die sich mehr ermuntert fühlen, Deutsch zu elrnen, sich weniger abgelehnt fühlen?

Freundlichkeit im Alltag... pfff... Gerade wegen dem Gegenteil liebe ich Wien! Was gibts erfrischenderes, als in der U-Bahn auf ein "Entschuldigung, darf ich bitte?" ein "Geh Sch*ißn" zu hören??? Das zaubert mir immer wieder aufs Neue ein Lächeln ins Gesicht

heeehee...das liebe ich an wien auch

aber das wars dann schon

Wolkenkuckucksheim

>Ich kenne keinen Migranten, der
>nicht glaubt, dass Deutsch wichtig ist.

Na eh. Sowieso. Weil sie die nicht kennt, gibt's die natürlich nicht. Sie wohnt nicht in Ottakring oder?

>Eigentlich sind sich von der ÖVP über die FPÖ über
>die Roten bis zu den Grünen alle einig, dass
>Deutsch der Schlüssel zur Integration ist.

Die Grünen sind sich aber nicht einig das die Leute deutsch lernen MÜSSEN, bei denen ist das mehr ein "wär halt nett aber wenn net dann auch okay".

Ich finde es nicht schlimm, wenn jemand nicht Deutsch kann, der hat ja nur selber Probleme, ich habe dadurch keine und solche Menschen stören mich nicht im mindesten. Wieso sollten sie auch?

"Eigentlich sind sich von der ÖVP über die FPÖ über die Roten bis zu den Grünen alle einig, dass Deutsch der Schlüssel zur Integration ist."

Vertraten die Grünen nicht immer die Position, von jemanden zu fordern, Deutsch zu sprechen, sei rassistisch?

nein.

Aber erst seit sehr kurzer Zeit

Das sind ja dann ganz neue Töne von den Grünen...

Seit wann denn dann diese neue Geisteshaltung der Grünen? Früher schrie man Naxi, heute hat man dieselbe Ansicht?

Interessant...

Die Position hat sich eh net geändert

Die Grünen geben gern ein Lippenbekenntnis ab das Deutsch eh ur wichtig ist, aber die Verwandlung dieser Erkenntnis in eine Pflicht für Zuwanderer lehnen sie strikt ab, wie ja überhaupt alle Pflichten für Zuwanderer.

sondern nur von rechts

Was soll den der Quatsch? Was ist denn soooo entsetzlich schlim daran, zu erwarten, dass sich alle gleichermaßen bemühen, untereinander sinnvoll kommunikationsfähig zu sein?Auch Deutsch zu lernen kann eine Bereicherung sein, ebenso wie Italiano oder Farsi oder wasauchimmer.

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