Der Frank als Wille zur Vorstellung

Kolumne | FLORIAN SCHEUBA
28. November 2012, 19:10

Stronachs Problemlösungsstrategie kennen Asterix-Leser von Häuptling Majestix: "Alesia? Ich kenne kein Alesia!"

Die Möglichkeit zur Flucht aus der Realität des grauen Alltags in bizarre Fantasiewelten ist in unseren Tagen zu einem menschlichen Grundbedürfnis geworden, von dem Computerspieleentwickler, Experten für europäische Adelshäuser und Pornofilmer gleichermaßen profitieren. Nun hat dieser Trend auch die österreichische Innenpolitik erreicht und manifestiert sich in beständig guten Umfragewerten für Frank Stronach.

Hat man diese Zahlen anfangs ausnahmslos als unübertreffbare, das etablierte heimische Politik-Personal in den Dreck ziehende Demütigung bewertet, die selbst vom hämischsten Kritiker als überzogen empfunden wurde, so bietet sich nun parallel dazu ein zweites Erklärungsmodell an, dessen Grundlagen wir ein paar heißen Spuren verdanken, die der Selfmade- Milliardär selbst gelegt hat.

Zum einen mit seinem "Presseformular", auf dem sich Journalisten dazu verpflichten müssen, dass sie im Falle einer Nicht-Autorisierung ihres Interviews nicht einmal die bloße Tatsache des stattgefundenen Gesprächs mit Stronach erwähnen dürfen. Ein fast schon rührendes Ansinnen, aus dem die Wunschvorstellung, Geschehenes wieder ungeschehen zu machen, in kindlicher Unschuld hervorstrahlt. Wenn etwas passiert ist, dessen Ergebnis dem Frank nicht gefällt, dann beschließen wir einfach, dass es nie passiert ist.

Diese unter Erwachsenen eher selten gewählte Problemlösungsstrategie kennen Asterix-Leser von Häuptling Majestix, der mit den legendären Worten "Alesia? Ich kenne kein Alesia!" die Tatsache der gallischen Niederlage gegen die Römer konsequent ignoriert. Wenngleich Stronach nicht nur aufgrund seiner Vorliebe für attraktive Blondinen eher an den streitsüchtigen Aktiv-Greis Methusalix erinnert, so scheint ihn doch die Realitätsverweigerung à la Majestix mehr beeindruckt zu haben. Offensichtlich hat sie sogar seinen Ehrgeiz geweckt, den Dorf-Chef der tapferen Gallier darin noch zu übertreffen.

Mit Erfolg, wie wir aus den nun vorliegenden Vernehmungsprotokollen des parlamentarischen Eurofighter-Untersuchungsausschusses schließen dürfen. Dort leugnet der ehemalige Magna-Boss mit faszinierender Hartnäckigkeit das längst erwiesene Profitieren seines Konzerns von den äußerst dubiosen "Eurofighter-Gegengeschäften" und vertritt dabei die für einen überzeugten Marktliberalen erstaunliche Ansicht, dass "Profiteur" ein " abscheuliches Wort" sei.

Doch damit nicht genug: Im Weiteren stellt er auch völlig neuartige erkenntnistheoretische Thesen auf, die das allgemein akzeptierte Wahrnehmungsmodell "Realität" in seinen Grundfesten erschüttern. Mit seinen Ausführungen diametral widersprechenden Zeugenaussagen konfrontiert, erklärt Stronach: "Die Aussagen können richtig sein, aber in der Realität ist es anders. Aber sollte es so sein, dass diese Aussagen stimmen, hat es in der Realität gar nichts zu sagen."

Auf diese Art kann man als Politiker kandidieren und dabei behaupten, man sei kein Politiker. Potenziellen Stronach-Wählern geht es also nicht nur um einen verzweifelten Protest gegen die Realität der heimischen Politik, sie halten es auch für möglich, diese Wirklichkeit gleich ganz abzuschaffen. (Florian Scheuba, DER STANDARD, 29.11.2012)

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der Stronach...

...ist nichts anderes als das Resultat der Österreichischen Politik unter Schüssel, Haider, Gusi und CO. Wenn die in der Vergangenheit nicht so korrupten Schaas zusammenpolitisiert hätten müssten wir uns einen "Politiker" Stronach heute nicht geben. Und irgendwie finde ich es eh gut das ein schrulliger seniler alter Mann der Gipfel eines katastrophalen Politjahrzehnts ist. Besser so einer als ein Strache...
Ist auf jeden Fall lustiger und dazu noch absolut ungefährlich!

bitte um mehr scheuba.....

Habe Stronach heute in Ö1 gehört!

Der meint das ernst!
Vl bringt er es noch so weit, dass sich niemand mehr von den Medien interessiert!
Dann kann er sich auf den Marktplätzen aufstellen:... ich aber sage euch...!
Der schwitzt sich dann selber aus!

nochamol...

es gab nie gegengeschäfte, das war von anfang an nur ein marketing-gag vom bartenstein, mit dem er den besonders dumpfen unter seinen fans den eurofighter-deal schmackhaft machen wollte.
irgendeine ausländische firma kauft was bei magna und bartenstein behauptet, das sei ein gegengeschäft und ohne eurofight-deal wäre dieses geschäft nie zustande gekommen. ist freilich humbug, aber er muss es ja nicht beweisen, weil in ö gibts ja keine kritische öffentlichkeit, die sowas hinterfragen würde.

und mittlerweile betet sogar der scheuba den unsinn nach...

nochamol

irgendwelche magna managa unterschreiben, dass dieser deal nur wegen der superduper flugzeug passiert ist. entweder lügt er jetzt oder damals.

Lustig :0)

Leider ist Galgenhumor stets die Waffe der eher Ohnmächtigen und Minderheiten.

Aber ich lag vor Gergovia :)

Methusalixchen komm rein, du verkühlst dich sonst noch!

Tja, dann doch lieber den seelenlosen Stahlbolzen!

Danke übrigens für "Frankie goes to Ballhausplatz" in den "Staatskünstlern", ganz großes Kino!

Da bleibt nur zu sagen: "nochamol"!

jetzt lachen wir noch, nach der nächsten wahl wird es uns schon noch vergehen... 10% frank haben wir dann auszulöffeln.

Nur weil die "Politiologen"

Frank 10 % bescheinigen heisst das noch lange nicht das er die bei der Wahl auch tatsächlich erreicht...Woher sollen die kommen? Von der F bestimmt nicht, das BZÖ-Wählerspektrum wird sich in alle Winde verstreuen (er hat deren Abgeordnete gekauft - nicht deren Wähler) und von SPÖVP und Grünen braucht er sich kaum was zu erhoffen....

ich glaubs nicht

auch wenn ich gestern erstmals ein krone-inserat von ihm gesehen habe. ich glaub trotzdem nicht an ein wahlergebnis jenseits der wahrnehmbarkeit.

Quantenpolitik?

Schrödingers Katze im Strohsack?

der Scheuba hat doch nur Angst dass Stronach ihm und seinen Kollegen die Arbeit wegnimmt

der macht das Kabarett gleich selbst und die Kabarettisten müssen es dann erklären

ROTFL

wollt ich grad anmerken. was stronach macht, ist showbiz, und den leuten ist noch nicht ganz klar, wie eng dieses mit der politik verbandelt ist, vor allem nämlich methodisch!

Stronach wirkt auf jene, deren Leben sich nur mehr von Mittwoch auf Sonntag in der Lottosechserhoffnungsendlosschleife abspielt.

Franky: Wer zahlt schafft an
Strony: Geld Macht sexy

Wollen wir nicht alle ein bisschen so sein? Hätten wir doch bloß etwas mehr Geld, dann würden wir uns nicht mehr alles gefallen lassen.

The Ratpack

Frankie und seine Spießgesellen,wie Hellers Haider Haberer: Seelenhygienisch heruntergekommene Polit-Emporkömmlinge.Bierzeltanimateure.
+Politlegionäre.Die meisten restlichen Politdarsteller in Ö mit homöopathischem Politinhalt , geschüttelt im Granderwasser.

Wie immer herrlich bissig geschrieben.

Stronach ist so offensichtlich Banane, dass man ihm eh fast nur mit Humor begegnen kann.

Wie man mit seinen begeisterten Anhängern - ja, die gibt es tatsächlich! - umgehen soll, ist mir allerdings nicht klar. Wer auf seinen zweifelhaften Charme und seine sektenhaften Heilsversprechen hereinfällt, ist für Sachargumente nicht zugänglich. Sein autoritäres, rechthaberisches, keinen Widerspruch duldendes Gehabe scheint viele sogar anzuziehen. Leute gibt's...

"Sein autoritäres, rechthaberisches, keinen Widerspruch duldendes Gehabe scheint viele sogar anzuziehen. Leute gibt's..."

Ist halt einfacher, wenn der Führer sagt, wo's langgeht und mensch selber nicht nachdenken braucht. Wenn mensch's in der persönlichen Evolution noch nicht über das Stadium "einfaches Herdenmitglied, das dem Leithammel nachrennt" hinausgebracht hat. Und Leithammel ist meist der, der am lautesten blöckt und den dicksten Schädel hat (nicht das meiste Gehirn dahinter).

das ist sooo hollywood und sugardaddy...
kein wunder dass es rein geht hehehe..

Schuster, bleib bei Deinem Leisten!

Das möchte man dem Unternehmer Stronach zurufen. Peinlich, welche Show dieser verdiente alte Unternehmer auf dem politischen Parkett da abzieht. Aber noch peinlicher: er findet genügend 'Fans'.
Nichts könnte besster den Tiefstand des Politischen in diesem Land sichtbar machen.

Wieso ist der eigentlich ein "verdienter Unternehmer"?

Weil er dem Magna-Aktionären schon so auf die Nerven ging, daß sie ihm eineinhalb Milliarden USD nachgeschmissen haben, um ihn loszuwerden?

ein wahres wort

ist doch logisch, nach einer generation an predigten "der staat kann eh nix, vor allem nicht wirtschaften" müssen nun wirtschaftsrentner mit letzter kraft den karren aus dem dreck ziehen - ist ja sonst keiner da, der was reisst..

Blöder als Faymann ist Stronach sicher nicht und das ist unser Problem

Nach Faymann sind diese ganzen Argumente: der ist zu blöd, zu ungebildet, zu weltfremd für den BK-Posten einfach hinfällig.

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