Scheinkampf gegen die Ratingagenturen

Kommentar |

Die neuen Regeln sind in Ordnung. Von einem "wichtigen Schritt zu mehr Finanzstabilität" zu sprechen, ist aber übertrieben

Zu sagen, Ratingagenturen wären in Europa unbeliebt, ist eine Untertreibung. Politiker unterstellen den amerikanisch dominierten Branchenführern S&P, Moody's und Fitch wegen der Downgrades von Euroländern regelmäßig eine antieuropäische Haltung. Daher ist es nicht überraschend, dass die Rater in der EU kaum Fürsprecher haben und Politiker sich gern mit der Regulierung der Branche beschäftigen. Seit 2009 wurden zwei Ratingverordnungen erlassen, nun gab es die Einigung auf die dritte: Rater werden künftig für Fehler haftbar und dürfen ihre Bewertungen nur mehr an bestimmten Tagen abgeben.

Die Regeln sind in Ordnung, doch dass der zuständige Kommissar Michel Barnier von einem "wichtigen Schritt zu mehr Finanzstabilität" spricht, ist völlig übertrieben. Die Rater haben in den vergangenen Jahren keine der Krisen kommen gesehen. Moody's schrieb noch Ende 2009 einen Bericht mit dem Titel "Warum die Sorgen um die Liquidität Griechenlands unangebracht sind". Als die Eurokrise eskalierte, begannen S&P und Co den Marktausschlägen nachzutrotten. Ratingagenturen sind für die Krise also nicht verantwortlich, ihre Rolle wird überschätzt.

Dass die neuen Regeln nun als großer Erfolg verkauft werden, wäre kein Problem, wenn sich an den wichtigen Baustellen etwas tun würde. Doch Fehlanzeige: Erst Anfang der Woche wurde bekannt, dass die Einführung der strengeren Regeln für Banken (Basel III) verschoben wird. (András Szigetvari, DER STANDARD, 29.11.2012)

Share if you care