Scheinkampf gegen die Ratingagenturen

Kommentar | András Szigetvari
28. November 2012, 18:50

Die neuen Regeln sind in Ordnung. Von einem "wichtigen Schritt zu mehr Finanzstabilität" zu sprechen, ist aber übertrieben

Zu sagen, Ratingagenturen wären in Europa unbeliebt, ist eine Untertreibung. Politiker unterstellen den amerikanisch dominierten Branchenführern S&P, Moody's und Fitch wegen der Downgrades von Euroländern regelmäßig eine antieuropäische Haltung. Daher ist es nicht überraschend, dass die Rater in der EU kaum Fürsprecher haben und Politiker sich gern mit der Regulierung der Branche beschäftigen. Seit 2009 wurden zwei Ratingverordnungen erlassen, nun gab es die Einigung auf die dritte: Rater werden künftig für Fehler haftbar und dürfen ihre Bewertungen nur mehr an bestimmten Tagen abgeben.

Die Regeln sind in Ordnung, doch dass der zuständige Kommissar Michel Barnier von einem "wichtigen Schritt zu mehr Finanzstabilität" spricht, ist völlig übertrieben. Die Rater haben in den vergangenen Jahren keine der Krisen kommen gesehen. Moody's schrieb noch Ende 2009 einen Bericht mit dem Titel "Warum die Sorgen um die Liquidität Griechenlands unangebracht sind". Als die Eurokrise eskalierte, begannen S&P und Co den Marktausschlägen nachzutrotten. Ratingagenturen sind für die Krise also nicht verantwortlich, ihre Rolle wird überschätzt.

Dass die neuen Regeln nun als großer Erfolg verkauft werden, wäre kein Problem, wenn sich an den wichtigen Baustellen etwas tun würde. Doch Fehlanzeige: Erst Anfang der Woche wurde bekannt, dass die Einführung der strengeren Regeln für Banken (Basel III) verschoben wird. (András Szigetvari, DER STANDARD, 29.11.2012)

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11 Postings
Jeder der hier ein plus oder minus vergibt

ist seine eigene ganz kleine Ratingagentur.

Aber was macht der kleine Rater(!), damit er ein grosser wird?

Bei der Redaktion anfragen, ob er eine Kondition eingeräumt bekommt, jeden Beitrag beliebig oft zu bewerten.

ich hab manchmal den eindruck ratingagenturen agieren wie sadistische turnlehrer. die holen aus einer gruppe die dicken heraus und die müssen dann allein vor allen anderen handstand üben. während die, die schlanker sind zwar auch keinen handstand können, danach fragt aber keiner, weil die sind populär und beliebt und schauen eh sportlich aus.

die regeln sind zu wenig, gegen die ratingagenturen muß meiner meinung nach viel schärfer vorgegangen werden. es kann nicht sein, daß sie ganze länder in geiselhaft nehmen.

haftung ?

wäre schön,
wenn die agenturen die milliarden-gewinne
der börsenzokker blechen müssten,
wirds aber nie spielen,
dazu können sie sich viel zu leicht rauswinden

Hätten die Ratingagenturen Subprimes nicht bestens bewertet wäre uns die Wirtschaftskrise in diesem Ausmaß erspart geblieben.

Aber, aber: Irren in menschlich und Verzeihen göttlich. Und ein jeder kann ja mal einen Fehler machen, nicht wahr?

Allerdings: Wenn ich mir einen Fehler leisten würde auf dem Job, der auch nur einen Bruchteil der Konsequenzen hätte wie jenes bedauerliche kleine "Versehen" mit den Credit Default Swaps, stünde ich schneller auf der Straße, than a rabbit gets fucked.

Und zwar ohne "Abfindung".

28.11.2012, 20:30

Ist halt eine typisch europäische hirnlose Sündenbocksuche. Denn den wahren Problemen (Schuldenwahnsinn, irreparable Arbeitsmärkte) will man sich nicht widmen.

Mal abgesehen von dem anderen Nonsense, den Sie schreiben, hapert es bei Ihnen auch noch an der rudimentärsten Logik.

Wenn "Arbeitsmärkte" sowieso "irreparabel" sind, welchen Sinn machte es dann noch, sich ihnen zu "widmen"?

Hirnlos …

ist eher dieser Beitrag.

Völlig richtig ist die Erinnerung im Posting Nr.1:
"Ansonsten sollte man sich vielleicht ab und zu in Erinnerung rufen, dass die hohen Staatsschulden in der EU nicht die Ursache der Krise waren sondern die Auswirkungen davon sind, bis 2008 war die Staatsverschuldung der EU fallend."

Das eigentliche Problem mit den Rating-Agenturen ist ganz einfach, dass sie von denen bezahlt werden, die sie raten sollen

(Und nein, damit beziehe ich mich jetzt nicht auf Staaten sondern auf das, was die Rating-Agenturen hauptsächlich machen: private Finanzprodukte bewerten.)

Deshalb gab es die ganzen "toxischen Papiere" mit tripple A.
Ganz einfach, weil die Banken zur Konkurrenz gegangen wären, wenn sie ein schlechtes Rating bekommen hätten und der Rating-Agentur dadurch Umsatz entgangen wäre.

Ansonsten sollte man sich vielleicht ab und zu in Erinnerung rufen, dass die hohen Staatsschulden in der EU nicht die Ursache der Krise waren sondern die Auswirkungen davon sind, bis 2008 war die Staatsverschuldung der EU fallend.

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