Brand in Textilfabrik: Der blanke Zynismus

Kommentar |

Brandschutzes sei "noch nicht in allen Köpfen in den Produktionsländern angekommen", sagt der Kik-Chef. Der Textildiskonter lässt ebenfalls dort produzieren

Der Großbrand in einer Fabrik in Bangladesch hat erbärmliche Zustände offenbart - wieder einmal. Brandschutz gab's nicht, Chefs hinderten Arbeiter, das Gebäude zu verlassen, mehr als hundert Menschen starben. Und auf einmal ist sie da, die große Betroffenheit: C&A wolle sich "kümmern", erklärte Konzernsprecher Thorsten Rolfes. Und die Reaktion des Textildiskonters Kik, der auch dort hatte produzieren lassen? Kik-Chef Michael Arretz: Die Notwendigkeit des Brandschutzes sei "noch nicht in allen Köpfen in den Produktionsländern angekommen", und "Brandschutz ist ja nicht so kompliziert".

Zynischer geht's eigentlich nimmer. Vielleicht könnte es sich auch langsam herumsprechen, dass es ja auch nicht so kompliziert wäre, dafür zu sorgen, dass Arbeiter einen menschenwürdigen Lohn bekommen und an menschenwürdigen Arbeitsplätzen werken? Das wäre doch ein schönes Thema, sich darum zu "kümmern" - nämlich bevor's brennt. Und das wäre dann wirklich "besser, als wie man denkt", wie Kik uns radebrechend umwirbt.

Aber an der Nase nehmen müssen wir uns im Grunde alle selbst: alle Konsumenten, die sich narrisch über Schnäppchen freuen. Bei jedem Kauf eines Billigfetzens müssten wir nur einmal kurz überlegen, wie viel von diesen wenigen Euro wohl an die Baumwollproduzenten, die Färber oder die Näher gehen kann. Unser Geiz hat seinen Preis - und den bezahlen die Arbeiter in den Sweatshops. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, 29.11.2012)

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