Tunesien: Unruhen weiten sich aus

29. November 2012, 12:37
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Polizeistationen und Parteilokale angegriffen - am Mittwoch 265 Verletzte - Premier Jebali lehnt Forderungen ab

Tunis - Hunderte Demonstranten haben im Norden Tunesiens den dritten Tag in Folge gegen soziale Missstände protestiert. Sie versammelten sich am Donnerstagmorgen am Sitz der wichtigsten Gewerkschaft UGTT in der Provinzhauptstadt Siliana, um ihren Marsch zu beginnen. Die Demonstranten forderten lautstark den Rücktritt des Gouverneurs Ahmed Ezzine Mahjoubi.

Am Mittwoch waren in Siliana 265 Menschen bei Straßenschlachten zwischen Polizisten und aufgebrachten Demonstranten verletzt worden. Auch zwei Mitarbeiter des französischen Fernsehsenders France 24 wurden verwundet.

In Kesra etwa 40 Kilometer entfernt setzte die Polizei Tränengas ein, als Dutzende Menschen laut Augenzeugen versuchten, einen Wachposten der Nationalgarde zu stürmen. Einzelne Demonstranten drangen zudem in das Hauptgebäude der regierenden islamistischen Partei Ennahda ein und setzten Dokumente in Brand, wie Augenzeugen aus Kesra weiter berichteten. In der Ortschaft Gaafour nördlich von Siliana warfen Demonstranten Steine auf Polizei- und Armeefahrzeuge.

Augenzeugen berichteten, die Polizei habe in der Stadt Tränengas und Gummigeschoße gegen die Protestierenden  eingesetzt, die Arbeit, Wirtschaftsprogramme und die Freilassung seit April 2011 inhaftierter Demonstranten verlangten.

Die Proteste hatten am Dienstag in Siliana begonnen, einer Stadt in einer wirtschaftlich schwachen Region am Rande der Sahara. Ein Politiker der Republikanischen Partei in Siliana sagte, die Nationalgarde habe Panzer eingesetzt, um die Ordnung wiederherzustellen. Demonstranten hätten die Zugangswege zur Stadt blockiert und Autoreifen angezündet, berichtete das staatliche Fernsehen. 

Premier weist Forderungen zurück

Zahlreiche Menschen verlangten auch den Rücktritt der örtlichen Regierung. Premierminister Hamadi Jebali sagte am Mittwoch, dass der umstrittene Gouverneur sicher nicht zurückteten werde. Die Gewerkschaft UGTT rief zu weiteren Protesten auf.

Das nordafrikanische Land, in dem vor fast zwei Jahren die arabische Revolution ihren Ausgang nahm, wird derzeit von einer gewählten, von Islamisten dominierten Regierung geführt. Sie bemüht sich, die Wirtschaft Tunesiens nach dem drastischen Rückgang des Handels mit der Euro-Zone wiederzubeleben.  (red/APA/Reuters, 28.11.2012)

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    Die Polizei setzte Gummischrotmunition gegen die Protestierenden ein.

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