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Philipp Sonderegger: "Schwierige Gratwanderung."
Fünfunddreißig Kilometer sind die Traiskirchner Flüchtlinge marschiert, um im Zentrum der Republik mit einem Protestcamp auf ihre Forderungen zu pochen. Das ist ein historischer Moment. Noch nie waren Asylsuchende in Österreich so gut organisiert. Die Öffentlichkeit reagiert mit Unverständnis, ein deutscher Aktivist wird zum Marionettenspieler der Aktion hochstilisiert. Man hält es nicht für möglich, dass Flüchtlinge, die es vom Hindukusch nach Traiskirchen geschafft haben, aus eigenem Willen nach Wien laufen. Dabei liegt auf der Hand, dass der "Marsch nach Wien" nur durch das Zusammenspiel von organisierten Flüchtlingen und unterstützenden Aktivisten möglich wurde. Die Kontroverse um die "Hintermänner" des Protests reicht aber über ihren Gegenstand hinaus: die Refugees bohren in einer viel größeren Wunde als nur die Zustände im Lager Traiskirchen. Kann es sich eine demokratische Gesellschaft leisten, dass bestimmte Gruppen keinen unmittelbaren Zugang zur Öffentlichkeit haben und politisch entmündigt werden?
Reinhard Kreissl analysiert gestern an dieser Stelle, wie die Bedingungen politischer Kommunikation die Selbstartikulation von Asylsuchenden behindern: nicht organisierten Interessengruppen fehlt in der Regel der Zugang zu den Kanälen politischer Aushandlung. Die Flüchtlinge in Traiskirchen verfügen über keine eigene Presseabteilung, die ihre Forderungen schön verpackt und an die Redaktionen heranträgt. Das hat üblicherweise den Effekt, dass stellvertretende Instanzen auf den Plan treten. NGOs, Aktivist/innen und parteiische Medien vertreten die Anliegen der Flüchtlinge an ihrer statt und setzen sich dem Vorwurf aus, Flüchtlinge für eigene Interessen zu instrumentalisieren.
Leider endet Kreissl mit dieser Bestandsaufnahme und hinterlässt einen fatalistischen Beigeschmack. Dabei liefert seine Analyse bereits den Ansatz, wie das Fürsprechertum überwunden werden kann: Indem Orte geschaffen werden, an denen Flüchtlinge als politische Subjekte handeln können. Das bedeutet, ihnen Wissen, Ressourcen und Zugänge zu überlassen, über die sie ohne Bedingungen verfügen können. Das bedeutet, sie zu unterstützen und dabei selbst im Hintergrund zu bleiben. Das bedeutet, Risiken offenzulegen, aber die Verantwortung für ihre Entscheidungen bei den Betroffenen zu belassen.
Im Zeltlager wurde am Sonntag bei einer "Generalversammlung" der Beschluss gefasst, dass über das Refugeecamp die Flüchtlinge entscheiden und nur noch sie selbst für sich sprechen. Bei einer Pressekonferenz am Montag wurde der Plan bereits in die Tat umgesetzt. Aber der Anspruch ist kein einfacher. Ein Konflikt mit den Behörden ist für Flüchtlinge nicht ohne Risiko. Selbstverständlich reklamieren Aktivisten ihre eigenen Anliegen in die Bewegung; vom Aktionstag gegen Gewalt an Frauen bis hin zu diversen K-Gruppen. Außerdem bleibt auch selbstlose Unterstützung stets eine Gratwanderung. Wo endet die technische Hilfestellung, und wo beginnt die inhaltliche Einflussnahme? All diese Schwierigkeiten kann man nicht wegdiskutieren. Eine solidarische Öffentlichkeit kann die Flüchtlinge unterstützen, indem sie diese als politische Subjekte ernst nimmt und darauf drängt, dass besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen so weit gestärkt werden, dass sie jedenfalls ohne Risiko für sich selbst eintreten können. (Philipp Sonderegger/DER STANDARD, 29.11.2012)
Philipp Sonderegger arbeitet als NGO-Berater und ist Mitglied des Menschenrechtsbeirates. Er hat die letzten Tage das Geschehen im Refugeecamp vor Ort beobachtet.
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was ist das?
Unter der Bezeichnung Asyl (lat. asylum aus griech. ?s???? zu ?s???? "unberaubt; sicher" = ?- privativum + s???? "Raub") versteht man
einen Zufluchtsort, eine Unterkunft, ein Obdach und eine Freistatt bzw. Freistätte;
den Schutz vor Gefahr und Verfolgung;
die temporäre Aufnahme Verfolgter.
und das gibt ihnen österreich!
dixi!
Könnte man nicht mal nach Traiskirchen fahren und mit den Leuten sprechen, die NICHT bei dieser Aktion dabei sind. Das wäre vielleicht aufschlussreicher als gebetsmühlenartig die selben Dinge zu wiederholen. Nachdem ja nicht so viele Betroffene bei der Aktion dabei sind, gibt es anscheinend eine große Gruppe von Menschen, die das anders sehen. Kann man auch die einmal zu Wort kommen lassen?
um genau diese personen auch erreichen zu können, wurde am camp entschieden, die nächste pressekonferenz in traiskirchen selbst zu halten.
diese findet heute ab 14:00 statt!
https://refugeecampvienna.noblogs.org/post/2012... iskirchen/
Es ist aber sicher nicht sein Job, Asylbewerbern einzureden, bei einer Demonstration mitzumachen (so Kurier letzten Sonntag) und den Demonstranten zur raten, ihr erhaltenes Winterbekleidungspaket im Lager zurückzulassen und Interviews im dünnen Gewande zu geben mit Attacken auf die hartherzige Repunlik Österreich, die nicht einmal für ausreichende Winterkleidung sorgt.
nicht alles was im kurier steht ist richtig...
ich habe den artikel, auf den sie sich beziehen auch gelesen und die info, dass es im erstaufnahmezentrum traiskirchen (genügend) warme kleidung für die asylwerber*innen gibt ist nicht zutreffend!! glauben sie mir, dass die personen mit denen ich geredet habe nicht freiwillig ohne jacke und mit leichten schuhen in die kälte ziehen!!!
Was ist das anderes als eine Manipulation und einzige Frechheit gegenüber dem Aufnehmerstaat?
Die Ärzte "leben" davon, dass es Kranke gibt. OK. Die Strafverteidiger "leben" davon, dass es Kriminelle gibt. OK. Und die Flüchtlingshelfer leben davon, dass es Flüchtlinge gibt. Auch logisch. Dagegen ist also nichts zu sagen.
Wogegen etwas gesagt werden muss, ist die ideologische Aufschaukelung zu unlösbaren Flüchtlings-"wellen". In einer globalisierten Welt mit wirtschaftlichen Ungleichheiten, zig Katastrophen und vielen Kriegen GIBT es nun einmal Flüchtlinge.
Wie mit jedem anderen schweren Problem muss damit professionell umgegangen werden. Für Flüchtlingsangelegenheiten braucht man solide soziologische Kenntnisse, SozialarbeiterInnen mit interkulturellen Kompetenzen plus Sprachkenntnissen sind gefragt, Sprachrohre etwas weniger.
Ich bin froh, dass Flüchtlinge endlich beginnen ihre Rechte einzufordern! Was mich entsetzt in Wien - wie kann man so schlechten Geschmack haben und einen vollig überteuerten und qualitativ minderwertigen Punschstand genau dort zu haben wo die Leute von ein paar Euros in der Woche leben müssen und die "Öffentlichkeit", die sich offensichtlich nicht sehr für solche Menschen interessiert, dort ihren Weihnachtspunsch schlürfen. Der Unterschied zwischen Licht und Dunkelheit könnte nicht größer sein. Dafür gibt's ja in Wien schon seit sehr vielen Jahren "Licht ins Dunkel"!
-Den Punschstand gab es schon vor eurem Lager.
-Die Preise dort sind im unteren Innenstadt-Niveau.
-Die Qualität der Getränke ist in Ordnung.
Wenn ihr es nötig habt schon bei einer Nebensächlichkeit wie einem Punschstandl so neben die Wahrheit zu greifen, wie soll man euch bei ernsteren Dingen trauen?
Bei Ihrem Beitrag musste ich es erst mal lachen, dann habe ich mich gefragt: Hat sie das ernst gemeint?
Mal abgesehen davon, dass der Punschstand schon etwas länger dort steht als euer tolles Zeltlager. Und davon abgesehen, dass manche von euch, wie man hört, ganz gern an den Punschstand hinten pinkeln gehen. Oder auch Strom abgezwackt wird, ohne dafür zu zahlen.
Lasst doch die feinen Pinkel im Lichte stehen. Dann sind sie besser zu sehen und ihr könnt euch leichter mokieren.
Übrigens habe ich dort selbst als Besucher einen Tee getrunken. Und der war erstaunlich günstig.
Und dann protestieren wegen "Menschenrechtsverletzungen Österreichs"? Es wird niemand von den jungen Pakistanern in Österreich gegen ihren Willen festgehalten. Frau Bock erinnert an die Aufnahmebereitsschaft während des Ungarnaufstandes 1956. Genau, das ist nämlich der Unterschied. Da flohen Flüchtlinge vor Geheimpolizei und Exekutionskommandos über die Grenze nach Österreich. Die Pakistaner reisen über ein Dutzend Länder wahlweise nach Österreich ein und können als Asylgrund nur ihre Erwartung ein besseres Leben zu führen angeben. Hat mit Asyl und Helfenmüssen nichts zu tun.
Von einer NGO würde ich mir eine bestimmte Objektivität erwarten. Die Organisationen, die in Traiskirchen mitgewirkt haben, sind ausnahmslos sehr linker Natur, ein kleiner Ausschnitt: Afrique Europe Interact, Familien und FreundInnen gegen Abschiebung, Plattform Bleiberecht Innsbruck, SOS Mitmensch, Asyl in Not, SLP Sozialistische Linkspartei, Kommunistische Jugend Wien, etc.
Wenn ich einem Asylwerber helfen will, dann sicher nicht über solche Organisationen.
Die Behörden zu kritisieren, ist die eine Sache, sie zu verunglimpfen und nur einen Teil der Wahrheit aufzuzeigen, schadet der Sache mehr als sie nutzt.
Alles in Allem war es Activity zum Selbstzweck.
Grün von mir, Nina, für die erfrischende Ehrlichkeit!
Sie kennen den Autor, er unterstützt Sie (oder Ihre Plattform/Bewegung/Organisation) und daher stehen Sie auf seiner Seite.
Ist mir viel lieber, als "getarnte" Kommentare a la "Auch wenn ich nicht alle Ideen von Herrn Sonderegger gutheiße, so muss ich ihm in diesem Fall recht geben."
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