Griechenlandhilfe wird teurer

28. November 2012, 22:12
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Die Kosten sind höher als von Finanzministerin Fekter bisher dargestellt, ein Anleihenrückkauf wird vorbereitet

Wien/Brüssel - Die von Finanzministerin Maria Fekter genannten österreichischen Kosten von 15 Millionen Euro für die neuen Griechenlandhilfen dürften zumindest für 2013 viel zu niedrig gegriffen sein. Für Deutschland beziffert Finanzminister Wolfgang Schäuble den Ausfall in seinem Budget mit rund 730 Millionen Euro. Auf Österreich kommen nach Informationen des STANDARD jährliche Mehrbelastungen von rund 75 Millionen Euro zu.

Gewinne auf Sperrkonto in Athen

Der größte Teil davon ergibt sich jeweils aus Anteilen an den Gewinnen der Europäischen Zentralbank (EZB) beim Geschäft mit griechischen Anleihen, die über die Bundesbank bzw. Nationalbank (OeNB) in nationale Budgets fließen. Laut Vereinbarung werden diese Gewinne an Griechenland weitergegeben, auf ein Sperrkonto in Athen überwiesen und dienen der Schuldentilgung.

Schäuble rechnet mit einem EZB-Gewinnanteil von 599 Millionen Euro. Bundesbank-Chef Jens Weidmann dämpfte Erwartungen, dass der Anteil so hoch sein könnte. Im Finanzministerium in Wien gibt es noch keine Bestätigung, die OeNB rechne das durch. Es dürfte sich aber um eine in der Relation mit Deutschland vergleichbare Summe, also rund 60 Mio. Euro, handeln. Wie das nach 2013 aussieht, ist unklar.

Wert der österreichischen Forderungen beeinträchtigt

Österreich verliert pro Jahr auch 15 Millionen Euro aus dem Zinsnachlass von einem Prozent bei den bilateralen Krediten von 2010. Nach Angaben des Finanzministeriums beträgt das Volumen 1,56 Mrd., bisher warf das 80 Mio. Erlös ab. Gemäß Vereinbarung wird die Laufzeit von 15 auf 30 Jahre erhöht, die Tilgung beginnt 2020. Der Wert der österreichischen Forderung wird dadurch zusätzlich beeinträchtigt. Zudem erhöhen sich die Haftungen im Rettungsfonds EFSF.

Indes bereitet Griechenland den Schuldenrückkauf vor. Laut Reuters-Informationen hat Athen die Deutsche Bank und Morgan Stanley mit der Organisation des Buy-backs von Staatsanleihen beauftragt. "Derzeit planen wir, dass der Rückkauf auf freiwilliger Basis erfolgt", sagte ein hoher Beamter des Finanzministeriums. "Wir hoffen, dass Anfang kommender Woche - wenn möglich schon am Montag - die staatliche Finanzagentur PDMA die Ausschreibung für den Rückkauf veröffentlicht."

Griechenland will alte Bonds am Kapitalmarkt zurückzukaufen und damit vom starken Preisverfall der Papiere profitieren. Dadurch sollen die Schulden gedrückt werden. Private Investoren halten noch Anleihen im Wert von rund 60 Mrd. Euro. (tom, as, DER STANDARD, 29.11.2012)

 

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